Chiara-Luisa Schrenk und Steffen Lehmitz ziehen alle Register. Foto: WLB/Tobias Metz

Die Junge Württembergische Landesbühne Esslingen zeigt ein Stück von Cornelia Funke mit sehr viel Fantasie und einem humorvollen Gruselfaktor. Dabei geht es auch um richtig fiese Geister.

Eine Tür knarrt. Schritte hallen durch den dunklen Keller. Die Glühbirne geht mit einem Knall aus. Tom soll im Keller Apfelsaft holen. Plötzlich steht er mitten in grünem Schleim und entdeckt ein Gespenst. Es ist Hugo. Der standesbewusste Geist spukt Tom so richtig etwas vor – doch am Ende werden sie Freunde. „Gespensterjäger auf eisiger Spur“ zeigt die Junge WLB als eine Art Live-Hörspiel in der Bühnenfassung des Regisseurs Johannes Schleker.

 

Gleich zu Beginn stürmen zwei Spezialisten in roten Overalls herein. Sie wollen einen Podcast für „Fans des gepflegten Grusels“ machen. Dann posieren sie in der Art von Superhelden und machen ein bisschen auf Ghostbusters. Denn das Equipment ist ähnlich. An ihren Pults haben sie diverse kleine, raffinierte Instrumente und Toneffekte, die sie virtuos bedienen. Toms Geschichte wird gleichzeitig erzählt und gespielt. Dazu verwandeln sich die Schauspieler Chiara-Luisa Schrenk und Steffen Lehmitz in kleine Jungs, ältere Damen, verwirrte Keksbäcker oder die unterschiedlichsten Gespenster.

Ein „cooles“ Gespenst

Tom hat also erst einmal Angst. Dann lernt er die Geisterjägerin Hedwig Kümmelsaft kennen. Sie gibt Entwarnung. Bei der Erscheinung handle es sich lediglich um ein MUG, ein „Mittelmäßig Unheimliches Gespenst“ also. Viel fieser ist das, wovor Hugo aus seiner gemütlichen Villa am Stadtrand geflohen ist – vor einem UEG, einem „Unglaublich Ekelhaften Gespenst“. Diese Erscheinung lebt vom Erschrecken und verbreitet mit seinen Fingern eine Eiseskälte. Frau Kümmelsaft stattet Tom mit allem aus, wovor Gespenster so Angst haben: rohe Eier, Spiegel, Veilchenparfüm, Friedhofserde oder Mozart. Auch die Augen verdrehen hilft. So schallt mehrfach der Ruf „Schiel um dein Leben“ durchs Studio am Blarerplatz, was Tom zur Freude seines jungen Publikums beängstigend gut macht.

Es ist ein spannendes und sehr lustiges Stück, das die Junge WLB da auf die Bühne bringt. Untermalt wird die Geisterjagd mit spektakulären Geräuscheffekten der beiden sendungsbewussten Podcast-Techniker: Zu hören gibt es das Wachsen und Schrumpfen von Gespenstern, Angstschlottern oder das Auftauen eines kurzfristig eingefrorenen Herren. Es wird gezeigt, wie man mit einem Stofftaschentuch den Herzschlag herstellt oder wie Toms Oma durch das Telefon klingt.

Rappende Geisterjägerin

Steffen Lehmitz spielt zum Teil drei Rollen gleichzeitig und legt tolle Stunt-Stürze hin. Chiara-Luisa Schrenk heult und spukt sämtliche Gespensterrollen. Doch die wenigen Rap-Ansätze der Geisterjägerin Kümmelsaft hätten gerne weiter ausgebaut werden dürfen. Die Ausstatterin Katharina Müller deutet mit wenigen Requisiten trefflich die schrägen Charaktere an, der Regisseur Johannes Schleker spielt raffiniert mit dem Tempo und baut ein ganzes Universum an Geräuschen in die Aufführung ein.

„Gespensterjäger auf eisiger Spur“ war eines der ersten Bücher von Cornelia Funke, der berühmten Autorin von „Wilde Hühner“ oder „Tintenherz“.

Weitere Vorstellungen: Die nächste Aufführung von „Gespensterjäger auf eisiger Spur“ ist am Sonntag, 13. Oktober, um 11 Uhr im Esslinger Studio am Blarerplatz. Weitere Termine in diesem Jahr sind Samstag, 2. November, Sonntag, 8. Dezember, und Samstag, 28. Dezember.