Die rote Wurst ist tabu, aber eine Salsiccia darf’s sein! Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wir erinnern uns vage: Keine roten Würste, hieß das Diktat beim ersten Sommerfest anno 1991. Die Wirte und Gastronomen halten sich bis heute daran und erfüllen auch gehobene kulinarische Ansprüche.

Stuttgart - Das vollmundige Versprechen des Veranstalters, dass das Sommerfest zum Schlemmen einlädt und die Gäste mit feinen kulinarischen Leckerbissen verwöhnt, schmeckt nicht jedem. Zu elitär, mäkeln die einen, nur für die reichen Leute, werden andere noch deutlicher, und der Herr, der am Eckensee entlang radelt, erklärt kategorisch, dass hier das Preis-Leitungs-Verhältnis nicht stimme. Dazu hätten die Wirte und Gastronomen sicher viel zu sagen über Aufwand, Risiko und so weiter. Aber der Langustenschwanz für 39 Euro und das halbe Dutzend royaler Austern für 37,20 sind ja nur zwei Angebote von vielen für alle Geschmäcker und Geldbeutel.

Ohne Würste geht es nicht

Ganz ohne Würste geht es aber offenbar doch nicht. Eine Salsiccia oder eine Merguez, wie sie bei Conny Weitmann auf dem Grill brutzeln, sorgen schon vom Namen her für mediterrane und interessante Geschmacksvorstellungen. Die Salsiccia, eine italienische Kalbsbratwurst mit Fenchel, kommt mit Tomaten, Mozzarella und Rucola ins Brötchen, die französische Merguez aus Rind- und Lammfleisch wird mit Harissa angeschärft. Ideal für muslimische Kunden. Der Name des ialienischen Metzgers, der die Salsiccia für den Stand von Conny Weitmann am Weihnachtsmarkt mit Trüffel aromatisiert, wird nicht verraten. Und die Merguez wird direkt aus Frankreich geliefert.

Vive la France

Mit einer Edelbouillabaisse, nicht sämig und tomatenrot wie in Südfrankreich üblich, sondern mit klarem Sud, begeistert Remy Butterlin an der Jubiläumssäule seine Gäste. Schon am ersten Abend des Sommerfestes habe er dafür 15 Kilo Fisch verbraucht. Stücke vom Seelachs, Rotbarsch, Kabeljau, Lachs und Sardinenfilet, die vorher in einem Safransud eingelegt werden und dann zusammen mit einer Gemüsejulienne auf die Pfanne kommen. Kurz anbraten, dann mit dem selbst zubereiteten und geklärten Fonds aufgießen und noch zehn Minuten ziehen lassen. Fertig. Mit Weißbrot und einer selbstgemachten Rouille aus Mayonnaise, gewürzt mit Knoblauch und etwas Chili, servieren. Die Gäste bekämen kaum genug davon, versichert Butterlin. Darum serviere er seine Bouillabaisse in diesem Jahr nur in großen Suppenschüsseln. Macht dann allerdings auch 21,50 Euro.

Ochs am Spieß

Seit sieben Uhr morgens drehen sich am Stand des Caterers Michael Schmücker in vorderster Front am Schlossplatz zwei Ochsenkeulen am Grillspieß. Jede 60 bis 70 Kilo schwer, geliefert von Bauern aus der Region. Was Schmückers Mitarbeiter Andreas Hoffmann dann gegen Mittag von den Keulen abschneidet, ist außen knusprig und innen butterzart. „Da muss man mit der Hitze spielen“ erklärt Schmücker, „damit das Stück nur ganz langsam durchgart.“ Komplett naturbelassen, also ohne aufdringliche Gewürze, wie er betont. Nach seiner Erfahrung würden die Leute zwar mittlerweile weniger, aber dafür lieber ein gutes Stück Fleisch von erstklassiger Qualität essen. Dass er beim Sommerfest zehn Keulen braucht, spricht für die rege Nachfrage. Nach dem Snack mit Fleisch, Krautsalat, einem selbst kreierten Dipp und einem Bio-Kartoffel- und Roggenbrot für 7,90 Euro. Aber auch nach den Gerichten, für die man sich gern am Tisch niederlässt wie ausgebackenem „Ox“ im Bierteig mit Schupfnudeln und Rote-Bete-Salat (16,90 Euro) oder saftige Scheiben vom Ochsen an Rosmarinjus auf Rotweingraupen und Rübenwürfeln. Für 17,80 Euro.

Curry macht glücklich

Es soll ja vieles glücklich machen: Schokolade zum Beispiel. Oder Pasta. Unser Favorit ist Curry, das angeblich auch irgendwelche Botenstoffe im Gehirn mit dieser erfreulichen Wirkung aktiviert. Wie gut, dass auf dem Sommerfest auch diese exotische Geschmacksrichtung vertreten ist. Bei Prasanna Wickneswaran, der seinen Stand grundsätzlich ambulant bei Events aufbaut, ist der gemischte Teller für zehn Euro begehrt und beliebt: Mit viel Gemüse, Sojabällchen, Huhn, wenn man will, Pakoras (frischem Gemüse in Kichererbsenmehl) und dazu den köstlichen knusprigen Linsenfladen, Papar genannt. Würzen kann man nach Gusto: Mit Chili, Minzsauce oder Tamarinde, leicht süß-sauer.

Bruschetta und Porchetta

Was ist die Spezialität bei Manuel und Claudia Pitzalis vom Ristorante Sardegna, die in diesem Jahr einen neuen Platz auf dem Sommerfest nahe dem Schauspielhaus bezogen haben? „Spanferkel“, sagt Signora Claudia, die Mamma der Truppe. Porchetta, eine Delikatesse, für die man vieles andere stehen lassen kann. Damit wird das Focaccia belegt. Oder Bruschetta mit frischen Tomaten und reichlich Knoblauch auf dem goldgelben Maisbrot aus Altamura, Apulien. Und Arancini. Das sind Kugeln aus Reis, die innen mit Spinat, Mozzarella, Schinken gefüllt sind. Lauter einfache Genüsse, die man beim Flanieren und Bummeln nebenher futtern kann. Für den sardischen Wein sollte man allerdings in Ruhe an der Theke verweilen.

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