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Mit dem „Häsabstauben“ beginnt am Dreikönigstag die schwäbisch-alemannische Fastnacht.

Villingen-Schwenningen - Die Boten der „fünften Jahreszeit“ tragen Zylinder, Fliege und eine Rose im Knopfloch ihres Fracks. Im Schlepptau haben sie eine Kiste mit Holzmasken, Glocken und Lederriemen sowie Narrentrachten, die sie zu den Klängen des Fanfarenzugs auf die Bühne hieven. Ihr wichtigstes Instrument ziehen sie zuletzt hervor: den Federwedel.

Denn jedes Jahr geht der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ein gewissermaßen närrischer Frühjahrsputz voraus, das traditionelle „Häsabstauben“. In Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) sind Bärbel Noel und Markus Stegmann diesmal die Hauptfiguren. Als sogenannte Abstauber wollen sie nach alter Tradition mit ihrem Wisch den Staub des Vorjahres von „Häs“ (Kostüm) und „Scheme“ (Holzmaske) der Narren fegen - und damit symbolisch die „Fasnet“ in ihrem Ortsteil Schwenningen einleiten.

800 Gäste folgen stumm der Zeremonie

Mucksmäuschenstill ist es im Beethovenhaus, als die Federn schwungvoll über die Holzschnitzereien huschen. Ob als Narrenrat mit Dreispitzhut und baumelndem Fuchsschwanz, mit Federhut auf dem Kopf oder in zivil: Die rund 800 Gäste im Saal folgen stumm der Zeremonie. Die meisten von ihnen wissen: Die Abstauber sind auch gekommen, um ihnen die Leviten zu lesen. Zunftmeister Martin Wittner erklärt, dass nicht nur die Kostüme abgestaubt werden, sondern auch die „Hästräger“.

Denn bevor die Narren in die neue Fastnachtssaison starten dürfen, wird erst einmal mit den Missgeschicken des Vorjahrs abgerechnet. „Das geht schon in Richtung später Nikolaus“, schmunzelt Wittner. Selbst er wisse nicht, für welche „Schandtat“ er diesmal Rechenschaft ablegen muss. „Narri, Narro!“, schreit Abstauber Stegmann, der oben auf der Bühne augenzwinkernd vom Rednerpult mit seinen Narren abrechnet. Einem Musikanten vom Fanfarenzug etwa fiel das Mundstück in den Gully, ein anderer kochte Spargel ohne ihn zu schälen. Allerlei Missgeschicke deckt der scheinbar allwissende Abstauber auf - und die Zuschauer beklatschen die Pointen. „Bei mir bekommt jeder sein Fett weg“, sagt Stegmann.

"Hauptsache, man macht einen riesen Lärm"

Auch außerhalb von Schwenningen waren am Dreikönigstag die Narren los. Neben dem weit verbreiteten „Häsabstauben“ gebe es je nach Region unterschiedliche Rituale, erklärt der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle. Häufig werde die „fünfte Jahreszeit“ aber mit Peitschen oder „Rätschen“ (hölzerne Knarre) begrüßt. Im Prinzip seien alle Bräuche, die die schwäbisch-alemannische Fastnacht einleiten, dann doch auf einen Nenner zu bringen: „Hauptsache, man macht einen riesen Lärm.“

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