An der Staatsoper Stuttgart ist Philipp Stölzls Erfolgsinszenierung von Johann Strauß’ Operette „Die Fledermaus“ wieder zu erleben: ein Gute-Laune-Feuerwerk, spritzig dirigiert von Cornelius Meister.
Stuttgart - Während der Pause tönen Walzerklänge durch den ersten Rang des Opernhauses. Ein Mann am Flügel spielt im Foyer Melodien des Komponisten, dessen bekannteste Operette am Montagabend in Stuttgart gegeben wird. Das Publikum flaniert vorüber, bleibt stehen. Nein, das ist doch . . .?
Ja, er ist’s, füllt die Pause der „Fledermaus“ mit Klavierklängen – und eilt nach dem ersten Gongschlag rasch wieder hinter die Bühne. So trägt der Generalmusikdirektor des Hauses, Cornelius Meister, zu vier ungestörten Stunden Auszeit bei – von all dem, was draußen ist und bleiben muss: Ängste, Nachrichten, Winterkälte.
Mit großer Leichtigkeit, Lebendigkeit und Frische nähert sich der Dirigent dem Meister des Dreivierteltakts. Schon bei der Ouvertüre flirren die Streicher des Staatsorchesters leichtfingrig durch die schnellen Noten, die Tempi sind rasch und beweglich – mitsamt den feinen Verzögerungen, die nötig sind, damit das Tänzerische leicht und spielerisch wirkt. Als die Sänger hinzukommen, gibt es Passagen, in denen man sich insgesamt ein abgesenktes dynamisches Niveau gewünscht hätte. Aber das trübt den Eindruck des musikalisch sorgsam Erarbeiteten nur wenig. Und auch nach elf Jahren spannt Philipp Stölzls Inszenierung über das Stück noch einen zwingenden Spannungsbogen zwischen Witz, Melancholie und bissiger Gesellschaftssatire.
Exzellente Sängerbesetzung
Matthias Klink ist ein sehr agiler Eisenstein, Kai Kluge gibt den Alfred als witzige Tenor-Karikatur, und Ida Ränzlöv singt den Orlofsky so, als habe Strauß die Partie für ihren farbreichen, leichten Mezzosopran komponiert. Als Frosch gibt der in den 1990er bis 2000er Jahren international gefeierte Bass Franz Hawlata ein darstellerisch hoch vitales Hausdebüt. Björn Bürger überzeugt als intrigierender Dr. Falke, Torsten Hofmann als überforderter Dr. Blind. Astrid Kesslers und Beate Ritters schöne, runde Gesangsleistungen als Rosalinde und Adele werden nur beeinträchtigt durch schlechte Textverständlichkeit.
Am Ende verlässt man das Opernhaus mit Walzer in Herz und Hirn. Und einer Ohrwurm-Weisheit, die helfen könnte, auch trübe Zeiten zu überstehen: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“
Die Fledermaus. Weitere Aufführungen am 28. und 31. Dezember sowie 9. und 11. Januar