Jetzt wird geliefert: Achim Wünsch (links) und sein Sohn Kai inspizieren den Fräskopf für die Ariane 6 ein letztes Mal. Foto: Horst Rudel

Die Gingener Firma Tramec liefert die Fräsköpfe, mit denen die Tankverschlüsse der neuen Esa-Trägerrakete so bearbeitet werden können, dass sie höchsten Anforderungen genügen. Die fünfachsigen, simultan arbeitenden Maschinen sind weltweit gefragt.

Gingen - Wenn die Trägerrakete Ariane 6 im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur (Esa) – und wie vorgesehen – im Jahr 2020 problemlos abhebt, dann ist dies auch ein Verdienst der Firma Tramec aus Gingen. Der kleine Mittelständler ist in den Herstellungsprozess des Satellitentransporters involviert, genauer gesagt sorgt er mit zwei 750 Kilogramm schweren Fräskopfen dafür, dass die Verschlusskappen des Tanksystems so produziert werden können, wie sie produziert werden sollen, um ihren Dienst zuverlässig und störungsfrei zu verrichten.

Was sich zunächst lapidar anhört, ist zum einen technisch nicht ganz so einfach umzusetzen und es bedurfte zum anderen eines jahrelangen Vorlaufs. So sind die besagten Kappen nicht nur sechs Meter breit und drei Meter hoch, sondern sie bestehen auch aus einer Aluminium-Lithium-Legierung, die normalerweise nicht verschweißt werden kann. Zudem lässt sich die konische Form der Verschlüsse mit einem gewöhnlichen Fräskopf nur umständlich herstellen. Bei den Geräten, die Tramec in Gingen entwickelt und montiert, ist das anders. Das hat sich bei all jenen, die auf solche Fräskopfe angewiesen sind, längst herumgesprochen.

Eine Nische auf dem Weltmarkt besetzt

Flugzeughersteller aus aller Welt, nationale und internationale Automobilkonzerne sowie Betriebe aus dem Schienenfahrzeugbau: sie alle schwören auf die hochpräzisen Teile aus dem Schwabenland, die – und genau das ist das Besondere – nicht nur drei-, sondern simultan fünfachsig fräsen können. Rundungen zu schaffen, just wie sie die Ariane-Tankverschlüsse brauchen, sind damit kein Problem. Rund 30 Prozent der einschlägigen Produkte auf dem Weltmarkt und mehr als die Hälfte des europäischen Marktes in dieser Nische sind deshalb „Made im Filstal“.

Seinem guten Ruf verdankt Tramec letztlich auch den Esa-Auftrag. „Unser langjähriger Partner, das österreichische Familienunternehmen Hage, verbaut die Fräsköpfe in einem 51 Meter langen Hightech-Portalbearbeitungszentrum“, betont Achim Wünsch, einer der beiden geschäftsführenden Tramec-Gesellschafter. Zudem würden dort die Werkstoffkomponenten mit dem sogenannten Rührreibschweißverfahren fest zusammengefügt, ohne dass genietet werden müsse, ergänzt er.

Dass ein „großer Familienbetrieb oder ganz kleiner Mittelständler“, wie Wünsch die Gingener Firma nennt, in diesem Segment erfolgreich sein könne, sei mehreren Faktoren geschuldet. „Zum einen ist da der Tramec-Gründer und mein direkter Geschäftsführer-Kollege Willy Schmid, der ständig daran herumtüftelt, um unsere Maschinen noch besser zu machen“, erklärt er. Und zum zweiten sei da das tolle und engagierte Team aus zurzeit 31 Beschäftigten. „Bei uns zu arbeiten ist eine Herausforderung, weil sich alles ständig ändert, individuell und komplex ist“, erklärt Wünsch.

Knowhow, Entwicklung und Produktion bleiben in Gingen

So brauche ein fertiger Industriemechaniker noch einmal etwa zwei Jahre, bis er all das könne, was bei Tramec verlangt werde. „Der entscheidende Punkt für uns ist es, motivierte Leute zu finden, weshalb wir ständig und händeringend nach Personal suchen“, fügt er hinzu. Die hohen technischen Anforderungen, die notwendig sind, macht Achim Wünsch mit einer kurzen Anekdote deutlich: „Boeing hat an einem unserer Fräsköpfe mal selbst die Wartung durchführen wollen. Wir haben dann wenig später eine Kiste zugeschickt bekommen, in der neben den Einzelteilen nur ein Zettel mit der Aufschrift ,Sorry!’ lag.“

Die Tramec GmbH, die in diesem Jahr nach einigen Tiefen, aber noch mehr Höhen, ihr 25-jähriges Bestehen feierte, will und muss daher auch wachsen. Neben den Service-Niederlassungen in den USA, in Russland und in China, soll vor allem der Standort Gingen ausgebaut werden. „Das Knowhow und die Entwicklung bleiben ebenso hier wie die Produktion, die in den umliegenden Betrieben stattfindet“, stellt Wünsch klar. Die Worte von Bürgermeister Marius Hick nimmt er deshalb auch mit Wohlwollen zur Kenntnis. „Wir arbeiten gerade an einer Lösung, neue Gewerbeflächen zu schaffen, für die Tramec und für die anderen innovativen Betriebe, die wir bei uns in Gingen haben“, sagt der Rathauschef und zeigt eine positive Perspektive auf.

  
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