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Selten hat sich Pop so hübsch selbstbespiegelt wie auf dem neuen Album der Fanta Vier.

Stuttgart - Von Schuld und Sühne, von Dieter Bohlen und ganz oft von sich selbst erzählen die Fantastischen Vier auf ihrer neuen, sehr ulkigen Popplatte namens "Für Dich immer noch Fanta Sie", das an diesem Freitag erscheint.

Von einem Trommelwirbel begleitet marschieren die Gladiatoren in der Poparena. Zu Orff-Chören, dramatisch akzentuierenden Blechbläsern und aufheulenden Streichern skandieren sie ihr Glaubensbekenntnis: "Das wird kein Zuckerschlecken / Nur der geringste Fehler / Und schon kannst du's vergessen / Doch wir gehen nicht in Deckung / Wir wollen uns nicht verstecken / Wir sind dafür geboren wie Gladiatoren!"

Auch nach diesem martialischen Auftritt in "Wir Gladiatoren", der "Für Dich immer noch Fanta Sie" eröffnet, werden Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon sich weiterhin gerne als eingeschworenes Team inszenieren. Die meistens Songs auf dem achten Studioalbum der Fantastischen Vier sind von einer Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Trotzigkeit und einer selbstironischen Ich-Fixierung geprägt.

Da wäre zum Beispiel "Dann mach doch mal" - eine störrisch aufstampfende Lästerei auf alle beleidigten Leberwürste und Besserwisser ("Es kann nicht jeder machen, denn es ist zu schwer/ Jeder würd' es machen, wenn es einfach wär"'). Da ist die über die Tanzfläche hechelnde Jive-Nummer "Smudo in Zukunft", in der sich der Titelheld als Zampano feiern lässt ("Es ist der Smudo und er ist gut drauf / Es ist der Smudo und der sieht gut aus"). Und beim Album-Happyend in "Was wollen wir noch" feiern sich die vier noch einmal erst selbst ("Gut gebaut und braun gebrannt/ Supersound von Anfang an / Wir kommen zu recht und immer gut an / Nicht perfekt, aber verdammt nah dran"), um sich dann ganz unverschämt auch noch bei den Fans einzuschleimen.

Herrlich selbstgefällig: Das neue Album der Fantastischen Vier

"Für Dich immer noch Fanta Sie" ist eine herrlich selbstgefällige Platte, die es sich bequem macht in der flauschigen Geräumigkeit des eigenen Popuniversums. Eine Platte, die auch dann nicht wirklich ernst macht, wenn sie sich in die Wirklichkeit verirrt, wie etwa im Schuld-und-Sühne-Twist "Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)", der einem mit dem Slogan "Schieb mir die Schuld in die Schuhe oder schüttel sie ab", den schönsten und krisensichersten Schüttelreim seit "A-wop-bop-a-loo-bop a-lop-bam-boo" vor die Füße knallt.

Bestimmt nicht lange dürften die Hitparaden vor dem sanften Popsong "Für immer zusammen" und dem melnacholichen Ohrwurm "Danke" sicher sein, der eine der besten Hooklines seit Montell Jordan "This Is How We Do It" hervorzaubert. Während "Junge trifft Mädchen" auf einem zähen Bassloop und all den Enttäuschungen, die die Liebe für einen vorgesehen hat, herumkaut, verdichtet "Garnichsotoll" zu gurgelnden Synthies Erich Kästner variierend ("Es gibt nichts Cooles, außer man tut es") die Lebensweisheiten, die sich in 21 Jahren als Die Fantastischen Vier an gesammelt haben.

In der Ökofabel "Die Lösung" verkleiden sich die Fantas mal kurz in Außerirdische, die Urlaub auf der Erde machen und mit ihren Alien-Zeigefingern auf uns zeigen: "Ich seid am Ende, ihr habt es fast verkackt / Ihr habt's geschafft und eure Erde quasi platt gemacht." "Schnauze" fährt stoisch-missmutig auf einen Abgrund zu. "Das letzte Mal" klingt nach Nintendo auf Speed, "Kaputt" ist ein hyperventilierende Dekonstruktionshymne und das an den Nerven zerrende Protokoll einer Ichkrise ("Wenn du mich hasst, dann fick mich / Und wenn du mich liebst, dann fick mich"). So überkandidelt, schrill und aufgebracht klingt das, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

"Ich glaube, wir machen merkwürdige Musik", sagt Smudo. Das stimmt. Und das ist wunderbar. Zwar hört man durch den Weitwinkelpop auf "Für Dich immer noch Fanta Sie" stets die Rapvergangenheit der Band durch. Aber wie schon auf "Fornika" (2007) eignen sich die Fantastischen Vier so unerlaubt viele Stile an, dass man schnell die Orientierung verliert zwischen all den funky Grooves, der orchestralen Opulenz, den Elektroloops, den Samples, Licks, Gimmicks und Collagen. Die Fantastischen Vier mögen ganz, ganz viele Sachen. Und ganz doll sich selbst. Gut so.

Die Fantastischen Vier stellen die Platte nächste Woche bei drei Clubgigs vor: Die "Für Dich immer nach Dortmund"-Konzerte am 18., 19. und 20. Mai im FZW in Dortmund sind ausverkauft.

Tickets gibt es noch für das Heimspiel am 24. Juli auf dem Wasen. Neben den Fantas Vier treten zum Beispiel Ich + Ich und Milow auf. Karten gibt es unter: www.stuttgart-heimspiel.de

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