Die EEG-Umlage steigt und steigt Verstolperte Energiewende

Von Klaus Köster 

Windstrom ist nicht klimaschädlich, aber teuer – auch wegen Konstruktionsmängeln des neuen energiesystems. Foto: dpa
Windstrom ist nicht klimaschädlich, aber teuer – auch wegen Konstruktionsmängeln des neuen energiesystems. Foto: dpa

Der Strom wird immer teurer, denn Deutschland will auch in der Energiepolitik Vorreiter sein. Das überstürzte Vorgehen macht die Energiewende aber ineffektiv – und dient dem Ausland eher als abschreckendes Beispiel denn als Vorbild.

Stuttgart -

So kann man sich täuschen: Vor zwölf Jahren sagte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin, es bleibe dabei, dass „die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund einen Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis“. Diese Aussage müsste heute etwas korrigiert werden: Diese Kosten entstehen nicht pro Monat, sondern pro Tag – und sie liegen eher bei zwei bis drei Kugeln. Würde dem Verbraucher diese Rechnung schwarz auf weiß präsentiert, wäre ihm wohl ähnlich übel wie beim Dauerverzehr solcher Portionen. Nun schlagen die deutschen Netzbetreiber, die der Staat zu den Buchhaltern seiner Energiepolitik ernannt hat, das nächste Kapitel in der deutschen Energiepolitik auf: Sie erhöhen die Umlage für erneuerbare Energien auf den nächsten Rekordwert.

Das Forschungsinstitut des renommierten Wettbewerbsökonomen Justus Haucap hat die Kosten der Energiewende zwischen 2000 und 2025 auf 520 Milliarden Euro geschätzt. Auch wenn die Studie durch Arbeitgeberverbände finanziert wurde, lassen sich ihre Grundlagen einfach nachvollziehen. Denn rund 150 Milliarden sind seit dem Jahr 2000 bereits ausgegeben worden, etwa für den Ankauf von Strom aus Wind- und Sonnenenergie zum Festpreis, damit diese Technologien gefördert werden. Schon heute zahlt eine vierköpfige Familie rechnerisch rund 500 Euro pro Jahr – nicht nur über den Strompreis, sondern auch über die Preise von Gütern, in denen ebenfalls die Umlage enthalten ist. Weil der Ausbau der Stromnetze weit hinter den Plänen herhinkt und die Forcierung neuer Energien weiteres Geld kosten wird, dürften die Kosten weiter steigen.

Jahrelang hat der Staat Besitzern von Fotovoltaik-Anlagen feste Preise für ihren Strom garantiert und ist damit für jeweils 20 Folgejahre lang ein enormes Kostenrisiko eingegangen, das nun, angesichts zusammenbrechender Börsenpreise für Strom, auch tatsächlich eingetreten ist. So finanziert der Mieter die Anlage seines Vermieters samt hübscher Rendite. Auch die fehlende Abstimmung zwischen dem Ausbau der alternativen Stromerzeugung und dem der Übertragungsnetze treibt die Kosten.

Weht der Wind, kostet der Strom doppelt

Weht im Norden der Wind, müssen dort Windanlagen abgeschaltet werden, weil die Leitungen nicht ausreichen, um ihn in den verbrauchsstarken Süden zu transportieren. Bezahlt werden muss der nicht erzeugte Strom trotzdem – über die Stromrechnung des Endverbrauchers. Weil auch der umgekehrte Fall auftritt, dass es überhaupt nicht windet, muss Deutschland zudem einen großen Park an Kohle- und Gaskraftwerken als Reserve bereithalten – so lange, bis grüner Strom ausreichend und verlässlich zur Verfügung steht. Auch das ist teuer und trägt dazu bei, dass Deutschland seinen Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 kaum verringert hat.

Auch wenn einige Auswüchse inzwischen beschnitten wurden – in dem Bestreben, der Musterknabe der Welt zu sein, hat sich Deutschland erkennbar verrannt. Anstatt den Abschied von den alten Technologien an den Einstieg in die neuen Technologien zu koppeln, will das Land alles gleichzeitig und stolpert in die neue Zeit. Das gibt auch im Ausland ein denkbar schlechtes Bild ab. Die Energiewende nach deutschem Muster verschlingt Gelder, die nicht nur im Klimaschutz fehlen, sondern auch fürAufgaben wie die Euro-Rettung, die innere Sicherheit und die Finanzierung der Zuwanderung. Immer wieder reitet Deutschland so wild voraus, dass kaum ein anderes Land ihm folgen kann oder will. Damit beraubt es sich aber selbst der Vorbildrolle, die es so gern einnehmen würde.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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