Trotz einer vergleichsweise hohen Inzidenz in Stuttgart sei die Lage „kontrolliert“, sagt der Gesundheitsamtsleiter. Die Maskenpflicht in Schulen will er beibehalten. Impfbusse soll es weiter geben, besetzt mit niedergelassenen Ärzten.
Stuttgart - Es ist erst vier Wochen her, als die Drittimpfungen für ältere Menschen gegen das Coronavirus begannen. Aber anders als beim Impfstart vor zehn Monaten geht es dieses Mal schnell. „Die Impfaktionen in den Stuttgarter Altenpflegeheimen sind abgeschlossen“, sagt der Leiter des städtischen Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt.
Überhaupt ist der Amtsleiter mit dem Start in diesen Corona-Herbst trotz einer im Vergleich zum Vorjahr schon sehr viel höheren Sieben-Tage-Inzidenz (am Freitag betrug sie in Stuttgart 106,1 Fälle pro 100 000 Einwohner, vor einem Jahr lag der Wert bei 35) recht zufrieden und zuversichtlich. „Wir haben zurzeit ein lineares Wachstum, keinen exponentiellen Anstieg“, sagt Ehehalt über die Entwicklung. Die Lage sei „kontrolliert“. Der Amtsleiter hält es zwar für eher wahrscheinlich, dass die Werte wieder deutlich zunehmen werden. „Der Winter wird für alle eine Herausforderung“, schätzt Ehehalt. „Aber wir werden besser durchkommen als im vergangenen Jahr.“
Im September rund 510 000 Schnelltests in Stuttgart
Ein Beispiel für die stabile Situation sind für Ehehalt die Schulen. Dort haben die Schnelltests (im September waren es in Stuttgart über alle Bereiche insgesamt knapp 510 000, die Positivrate lag bei 0,2 Prozent) seit dem Ende der Sommerferien zwar viele Infektionsfälle erbracht. Aber die 120 Schülerinnen und Schüler und die acht Betroffenen des Personals seien gemessen an der großen Gesamtzahl der Schüler in der Stadt doch sehr „moderat“.
Stefan Ehehalt sieht darin eine Bestätigung des gewählten Vorgehens, der Kombination von Schnelltests und Masken im Unterricht. „Die Masken zeigen eine gute Schutzwirkung“, findet der Amtsleiter. Weshalb es auch wenige Folgefälle gebe in den Klassen, auch wo infizierte Schüler durch Tests auffielen. Obwohl die Kontaktpersonen der betroffenen Schüler nicht mehr in Quarantäne müssten. Stattdessen werden diese fünf Tage in Folge getestet. Nur wenn fünf Schüler in einer Klasse positiv sind, muss die Klasse in Quarantäne. Dies sei aber bisher nur an fünf Schulen in einzelnen Klassen vorgekommen.
Inzidenz bei den Sechs- bis Neunjährigen: 348,9 Fälle
Deshalb ist der Gesundheitsamtsleiter nicht der Meinung, dass man (wie derzeit verstärkt gefordert und vom Land geplant) auf das Maskentragen in den Schulen verzichten sollte. „Das wäre der falsche Zeitpunkt“, sagt Stefan Ehehalt. „Man sollte etwas, was sich bewährt hat, nicht ändern.“ Zumal die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen in Stuttgart immer noch überproportional hoch sind. Ende September waren es 175 Fälle pro 100 000 Einwohner in der Altersgruppe der Drei- bis Fünfjährigen, 226,6 bei den Zehn- bis 19-Jährigen und sogar 348,9 Fälle bei den Sechs- bis Neunjährigen.
Um die nach wie vor unzureichende Impfquote in Stuttgart (58,9 Prozent der Menschen haben zwei, 61,5 Prozent bisher eine Impfung) doch weiter zu erhöhen, soll es auch nach der Schließung der Impfzentren offene, niederschwellige Impfaktionen geben. Damit will man auch jene Menschen erreichen, die keinen Hausarzt haben und in ihrem Umfeld abgeholt werden müssen. Die jetzt vom Klinikum der Stadt noch betriebenen vier mobilen Impfteams sind aber auch für die Landkreise in der Region zuständig und sollen sich unter anderem auf Altenpflegeheime konzentrieren (beim Heimspiel des VfB gegen Hoffenheim am Samstag soll zwischen 13.30 und 15.30 Uhr aber wieder eine Impfaktion am Stadion stattfinden).
Zwei Praxen impfen Moderna
Deshalb sollen neben Impfsprechstunden bei Hausärzten, die auch für Neupatienten offen sind, künftig weiter Impfbus-Aktionen in der Stadt angeboten werden, besetzt allerdings mit niedergelassenen Ärzten. Es hätten sich „schon viele Ärzte und Pensionäre dafür gemeldet“, bestätigt Hans-Jörg Wertenauer, der selbst Hausarzt ist und überdies Pandemiebeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) des Landes für Stuttgart. Derzeit laufe die Standortsuche.
Eine Lösung hat man für rund 600 Personen gefunden, die zuletzt im jetzt geschlossenen Impfzentrum am Robert-Bosch-Krankenhaus eine Erstimpfung mit Moderna bekommen haben. Dieser Impfstoff wird anders als etwa der von Biontech in niedergelassenen Arztpraxen nicht verwendet. Man habe zwei spezielle Praxen ausgesucht in Stuttgart, wo diese Gruppe ihre Zweitimpfung mit Moderna erhält (Infos im Internet bei der KV, dem Gesundheitsamt oder beim Sozialministerium). Sollten die beiden Praxen nicht reichen, werde man weitere „dazunehmen“, versichert Hans-Jörg Wertenauer.