Im April 2023 erhält die Böblinger Familie Gläser für ihre damals zweijährige Tochter Emma die Horrordiagnose Leukämie. Eine Stammzellenspende rettet ihr das Leben. Jetzt gibt es gute Nachrichten. Unser Reporter hat Emma wieder besucht.
Wenn die kleine Emma am 6. November in den Fluren der Uniklinik Tübingen eine Glocke läutet, soll ein langer, albtraumhafter Weg der Familie Gläser zu Ende gehen. Dieses wunderschöne Ritual – ein lautes Läuten für den Sieg – beendet einen schweren Weg, der im April 2023 begann, als bei ihrer zweijährigen Tochter Leukämie diagnostiziert wurde. Das Ende der Krebstherapie steht bevor – eine lebenswichtige Stammzellentransplantation ist geglückt. Anderthalb Jahre dauerte diese mentale und körperliche Achterbahnfahrt. Mit Verlassen des Krankenhauses gilt Emma als krebsfrei.
Für die fünfköpfige Familie aus Böblingen, bestehend aus Mutter Annika, Vater Marc, den Töchtern Emma und Lena, dem neugeborenen Söhnchen Samu und Hund Tyson, soll nun eine neue Etappe starten – eine, die die existenziellen Sorgen um das eigene Kind wieder in den Hintergrund treten lässt. Annika Gläser fasst die Gefühlslage so zusammen: „Wir sind sehr froh, dass Emma krebsfrei und die Therapie, die uns alles abverlangt hat, Geschichte ist. Es wird deshalb ein großer Tag für uns alle, wenn am Mittwoch die Glocke läutet.“
Nur die passenden Stammzellen können das Mädchen retten
Die Nachricht im Herbst 2023, dass mithilfe der DKMS eine passende Spenderin für die damals Zweijährige gefunden wurde, ließ Mutter Annika und Vater Marc wieder Hoffnung schöpfen. Denn schon damals war klar: Nur eine Stammzellenspende wird das an Leukämie erkrankte Mädchen retten. Am 29. November, vor fast genau einem Jahr, war es soweit: Die kleine Emma bekam Stammzellen, die zuvor bei einer unbekannten Frau entnommen worden waren.
Damit hatte Emma den wichtigsten aller Schritte zu einer möglichen Genesung geschafft – alle Hürden waren damit allerdings noch nicht überwunden, wie Annika Gläser erzählt: „Wir mussten von November bis Januar in einem Isolierzimmer verbringen. Kein Erreger durfte Emma erreichen.“ Damit Emma spielen konnte, legte die Mutter den Boden mit Bettlaken aus. Keiner durfte die Kleine besuchen, jeder Keim war potenziell lebensbedrohlich.
Große Einschränken bestimmen das Leben
Mühsam seien auch die Essensvorschriften gewesen, so die 35-Jährige: „Emma durfte keine Bioprodukte wegen der Düngung und keine Beeren essen. Am besten waren abgepackte Produkte. Das Wasser durfte nicht aus der Leitung kommen. Wenn das Besteck in der Butter war, durfte es nicht noch in die Marmelade. Viele Gewürze waren tabu, Obst und Gemüse nur gewaschen und geschält angeboten werden. Wir durften uns kein Besteck teilen. Es gab einfach in allen Lebensbereichen Einschränkungen.“
Das Familienleben litt, quasi in jedem Lebensbereich. Nichts war wie immer, alles kompliziert: Statt gemeinsam mit Kindern und Hund zu leben und ihren jeweiligen Berufen nachzugehen, mussten die Eltern getrennt voneinander das jeweilige Kleinkind betreuen. Konkret: Marc Gläser blieb zum Beispiel vor und nach der Transplantation mit der heute einjährigen Lena im benachbarten Elternhaus.
Es verging kein Tag, an dem die Eltern nicht um das Leben ihrer Tochter bangten. „Einige Wochen nach der Transplantation verschlechterten sich Emmas Leberwerte drastisch. Zwei Biopsien folgten, mikroskopische Untersuchungen des Gewebes. „Erst nach der zweiten war klar, dass es keine Abstoßungsreaktion ihres Körpers auf das neue Immunsystem, sondern eine Lebervergiftung war“, so Annika Gläser. Der Grund: Die Medikamente und die Chemotherapie setzten dem Organ der heute Dreijährigen zu.
Dem Kindergartenbesuch steht nichts mehr im Wege
Fast ein Jahr nach dem bisher wichtigsten Tag im Leben des Kindes kann die Familie zuversichtlich in die Zukunft blicken. Emma freue sich schon, wenn sie bald endlich in einen Kindergarten gehen dürfe. Seit vergangener Woche ist auch Tyson wieder Daheim, ein Jahr war der Familienhund woanders untergebracht. Der Plan: „Wir werden weiter zu Kontrollterminen gehen. An jedem dieser Tage werde ich dann sehr angespannt sein und immer hoffen, dass nicht wieder etwas gefunden wird“, so die Ergotherapeutin.
Bei der Bewältigung des Erlebten soll eine Reha helfen. Gläsers werden mit Sack und Pack an die Nordsee fahren, so der Wunsch. Sylt soll dann die Seelen heilen. „Vielleicht können wir dann den Schlussstrich ziehen und in einen Alltag gehen, den wir so als fünfköpfige Familie noch gar nicht haben leben können“, betont Annika Gläser.
Stammzellspende hilft
Leukämie
Leukämie (Blutkrebs) beschreibt verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten, sich unkontrolliert vermehren und die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen verdrängen.
Spende
Gibt es eine Übereinstimmung bei Spender und Empfänger, kann eine Transplantation helfen – entweder über einer periphere Stammzellentnahme oder eine operative Knochenmarkentnahme.
Mitmachen
Die Registrierung bei der DKMS ist kostenlos und schmerzfrei. Infos unter https://www.dkms.de/