Auf Tagesgeld- und Festgeldkonten kann man sicher und zu beachtlichen Zinsen sein Geld parken und derzeit der Inflation ein Schnippchen schlagen. Doch auf dem Weg zu den höchsten Zinsen lauern einige Fallstricke. Wir bieten den Wegweiser.
Lange waren Tages- und Festgeldkonten wegen der Nullzinsphase bei gleichzeitig hoher Inflation eine Geldvernichtungsmaschine. Vor zwei Jahren kletterten die Zinsen nach oben, bis sie diesen Sommer ihren Höchststand erreichten und seitdem wieder fallen und wohl noch weiter fallen werden – die Europäische Zentralbank (EZB) gibt hier mit ihrem Leitzins den Weg vor. Wer will, kann aber noch immer sein Geld flexibel und sicher für rund drei Prozent auf Tagesgeldkonten parken – oder sich die drei Prozent auf einem Festgeldkonto längerfristig sichern. Doch wo gibt es die besten Angebote? Und was sollte man beachten?
Tages- oder Festgeld? Generell sind Tages- und Festgeld Anlagen, die im Depot bei eher geringen Zinsen viel Sicherheit bieten. Die Rendite taugt derzeit eher als Inflationsausgleich als zur Geldvermehrung, dafür gibt es keine Kursrisiken wie bei Aktien- oder Rentenfonds und es fallen keine Kosten an. Bis 100 000 Euro pro Bank und Kunde sind durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert, bei Gemeinschaftskonten von Ehepaaren 200 000 Euro.
Auch wenn es derzeit auf Tages- und Festgeld ähnlich hohe Zinsen gibt: Tagesgeld lässt sich jederzeit nutzen, während das Festgeld auf eine feste Laufzeit angelegt wird, die in der Regel ein bis drei Jahre beträgt, und erst dann ausgezahlt wird. Während die Zinshöhe bei Tagesgeld schwankt, ist bei Festgeld die Höhe der Zinsen fix.
Zinsvergleiche Weil die traditionellen Banken vor Ort meist nur mickrige Zinsen anbieten, führt die Suche nach höheren Renditen ins Internet. Online weisen etliche Vergleichs- und Vermittlungsplattformen die Top-Zinsen aus. „Der Markt ist gerade bei Tagesgeld umkämpft – es gäbe nicht so hohe Zinsen, wenn es für die Banken nicht so profitabel wäre, neue Kunden zu gewinnen“, sagt Nadine Graf, Geldanlage-Expertin beim Geldratgeber Finanztip, der selbst Zinsvergleiche anbietet.
Die Vergleichsportale, zu denen etwa auch Check24, Tagesgeldvergleich.net oder Weltsparen zählen, bieten eine gute Orientierung, aber keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit oder Vollständigkeit. „Diese Portale sind werbefinanziert – hier sollte man sich bewusst sein, dass der Geschäftszweck die Vermittlung ist. Man weiß nicht, ob die Provision Einfluss auf die Darstellung hat“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nur die Stiftung Warentest biete einen unabhängigen Zinsvergleich an, der auch online zu finden ist. Dieser ist allerdings kostenpflichtig.
Die richtige Auswahl Die Stiftung Warentest hat Kriterien definiert, mit denen sich auch bei den Zinsvergleichen die seriösen Anbieter herausfiltern lassen. Generell empfiehlt die Stiftung, bei der Auswahl darauf zu achten, dass der Anbieter unter die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100 000 Euro fällt. Die Banken sollten ihren Sitz in der EU, dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder Großbritannien haben, sofern die Herkunftsländer von den großen Ratingagenturen Topbewertungen erhalten haben. Bei mehrjährigem Festgeld sollte der Zins zumindest jährlich fließen. „Wichtig ist, bei der Suche besonnen zu agieren“, sagt Finanzexperte Michael Beumer von der Stiftung Warentest. „Ob man 2,8 oder 3,1 Prozent Zinsen erhält, macht letztlich nicht viel aus.“
Fallstricke beim Tagesgeld Gerade beim Tagesgeld locken Banken mit Aktionszinsen, die nur für Neukunden gelten und meist auf drei bis sechs Monate befristet sind. Danach gilt der reguläre Zinssatz, der oft weit darunter liegt. „Das Kalkül der Banken ist, dass die Kunden das Ende des Aktionszeitraums übersehen oder aus Bequemlichkeit ihr Konto halten“, sagt Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Man sollte sich also überlegen, wie lange man sein Geld als Tagesgeld parken möchte, und auch auf die großen Unterschiede bei den regulären Zinssätzen achten. Wer nach Ablauf der Aktionszinsen zur nächsten Bank wechseln will, sollte für das Zins-Hopping genügend Zeit einplanen.
Fallstricke beim Festgeld Manche Banken verlängern die Festgeld-Anlage automatisch, wenn die Kunden nicht fristgerecht kündigen – der folgende Zinssatz ist dann deutlich niedriger. Bei mehrjährigen Festgeld-Anlagen sollte die Bank die Zinsen jährlich anrechnen und nicht erst zum Vertragsende. So profitieren Sparer auch von Zinseszinsen und können den Ertrag auf den Steuerfreibetrag aufteilen. Das Festgeldkonto vor Vertragsablauf zu kündigen ist nur in Notsituationen – etwa bei einer Privat-Insolvenz – oder aus Kulanz möglich. Dann gibt es in der Regel keine Zinsen, dafür aber meist Straf- und Stornogebühren.
Kontoeröffnung Da vor allem Neukundenrabatte attraktiv sind, führt der Weg zu höheren Zinsen meist zu einer neuen Bank. Es gilt, den Kontoantrag auszufüllen, auszudrucken und zu unterschreiben. Dann geht es in die Postfiliale, um sich mittels Postident zu legitimieren. Online sind diese Schritte einfacher und schneller zu erledigen. So lässt sich die Legitimation auch über einen Videoanruf erledigen, bei dem man den Personalausweis in die Kamera halten muss. Das Geld für das Tages- und Festgeld wird meist über ein Verrechnungskonto ein- und ausgezahlt.
Allgemeine Tipps Die EZB wird nach Ansicht vieler Finanzexperten ihren Einlage-Leitzins, an dem sich auch die Banken orientieren, weiter senken. Deshalb werden auch die Zinsen für Tages- und Festgeld in den kommenden Monaten weiter sinken. Wer Geld länger sicher parken kann und will, könnte es als Festgeld beispielsweise für zwei Jahre anlegen, um länger von höheren Zinsen zu profitieren.
Auch die so genannte Leiterstrategie ist möglich, bei der man ein Drittel des Geldes für ein Jahr, ein Drittel für zwei Jahre und ein Drittel für drei Jahre anlegt, heißt es bei der Stiftung Warentest. „Etwas Zeit zu investieren und Anbieter zu vergleichen, kann sich durchaus lohnen, besonders bei größeren Anlagesummen“, rät Nauhauser von der Verbraucherzentrale.
Wie man betrügerische Vergleichsportale erkennt
Betrugsversuche
Die Stiftung Warentest warnt vor Betrugsversuchen auf Online-Zinsportalen. Es gebe derzeit etliche unseriöse Zinsportale. Vorsichtig ist vor allem geboten, wenn die Zinsen weitaus besser als marktüblich seien. Eine Orientierung dafür bietet der Zinssatz der Einlagefazilität der EZB. Diesen Zins bekommen Banken, wenn sie sich bei der EZB Geld leihen.
Checkliste
Um sich zu versichern, dass man über ein Portal tatsächlich Geld bei einer seriösen Bank anlegt, hilft es, die Bank selbst zu kontaktieren und sich die Kooperation bestätigen zu lassen, rät die Stiftung Warentest. Man könne auch im Impressum die genannte Anschrift und das Vermittlungsportal selbst googeln. Die Finanzaufsicht listet unter bafin.de/unternehmensdatenbank alle Firmen auf, die Anlageprodukte anbieten dürfen. Dort wird auch vor Betrugsversuchen gewarnt.