Die B 10 ist in Geislingen stark befahren und zerschneidet die komplette Stadt. Foto: Archiv/Rudel

Die Blechlawine, die sich durch durch Kuchen und Geislingen quält, soll bald Vergangenheit sein. Die Bürger hoffen auf einen schnellen Baubeginn.

Geislingen - Nur noch 8,3 Kilometer Umgehungsstraße fehlen, um die Bewohner von Kuchen und Geislingen von der Blechlawine auf der Bundesstraße 10 zu befreien. Bevor das Regierungspräsidium die rund 223 Millionen Euro teure Straße planen kann, muss der Bund die Ergebnisse der Voruntersuchung gutheißen. Wenn das in den nächsten Wochen klappt, könnte Anfang des kommenden Jahrs das Planfeststellungsverfahren eingeleitet und ein bis zwei Jahre später mit dem Bau begonnen werden, erklärte Andreas Hollatz, der zuständige Abteilungsdirektor Straßenwesen und Verkehr im Stuttgarter Regierungspräsidium, jetzt bei einer Informationsveranstaltung in Geislingen.

Die Bürger hatten eine Planung aus einem Guss gefordert

„Die Zeit ist reif, das Geld ist da“ sagte der Landrat Edgar Wolff (Freie Wähler) angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen beim Bund. In zehn Jahren könnte die bisher in zwei Abschnitte geteilte Strecke fertig sein. Das Regierungspräsidium bestätigte am Tag nach der Veranstaltung auf eine Nachfrage unserer Zeitung, dass der Bund dem gemeinsamen Planfeststellungsverfahren wegen der starken verkehrlichen und planerischen Abhängigkeit zugestimmt hat.

So eine Planung aus einem Guss hatten zahlreiche Bürger auch gefordert, die sich in Geislingen über den Stand der Dinge informierten. Es habe keinen Sinn, zuerst lediglich den Abschnitt von Gingen-Ost bis Geislingen-Mitte ohne den anschließenden Schildwachttunnel zu planen, der im Abschnitt Geislingen-Mitte bis Geislingen-Ost liege, so die Argumente. Eine abschnittsweise Planung würde in Geislingen zu neuen massiven Verkehrsproblemen führen und verzögere das gesamte Projekt.

Drei Brücken und zwei Tunnels müssen gebaut werden

Unklar sei allerdings, ob der Bund von seiner üblichen Finanzierungspraxis abweichen werde, bei der die finanziellen Mittel nur abschnittsweise freigegeben würden, gab Andreas Hollatz zu bedenken. Immerhin haben es die letzten B-10-Kilometer im Kreis Göppingen gehörig in sich: Die Kosten werden auf rund 223 Millionen Euro geschätzt. Wegen der Enge im Filstal, der bergigen Lage und der dichten Besiedelung müssen drei Brücken und zwei Tunnels gebaut werden.

Die Trasse rückt ihnen zu nahe, kritisieren manche Anlieger

„Wir müssen eine richtlinienkonforme Planung vorlegen“, die alten Trassenpläne aus den 1960er Jahren seien schon wegen neuer Regeln für die Radien nicht mehr umsetzbar, erklärte Hollatz weiter und versuchte Anwohner zu besänftigen, die klagten, die neue B 10 rücke ihnen zu nahe. Er sehe diese Nachteile, aber es gebe bei jedem Straßenbau Gewinner und Verlierer. „Die gut 220 Millionen Euro entlasten 50 000 Menschen, das ist günstig, wenn man es mit der Stuttgarter Oper vergleicht, deren Sanierung doppelt so teuer werden soll,“ meinte ein Geislinger und erntete mit dem gewagten Vergleich starken Beifall.

Mit Blick auf die Freigabe der Umgehung bei Gingen am 10. Juli sagte der Landrat Wolff, das Finale beim Neubau der Bundesstraße 10 sei in greifbare Nähe gerückt. Dieses Datum dürfte nicht nur beim Gingener Bürgermeister Marius Hick (CDU) rot angekreuzt sein, der an dem Abend ankündigte, zu der offiziellen Freigabe in knapp vier Wochen 500 Unterstützer für den Weiterbau der Bundesstraße bis Geislingen mitzubringen. Auch die Rathauschefs aus Kuchen und Geislingen, die Bürgerinitiative B 10 neu und eine ganze Reihe von Kommunal- und Landespolitikern sind für diesen Tag fest eingeplant.

Mit solch massiver Präsenz hat der Kreis die Dringlichkeit des Straßenprojekts stets unterstrichen. Das soll auch diesmal helfen, um dem frischgebackenen Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Steffen Bilger (CDU), der sich für die Freigabe der Umgehung bei Gingen am 10. Juli angekündigt hat, das Anliegen zu verdeutlichen.

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