Warum nicht alle Diesel aus den Innenstädten verbannen? Ist Diesel vielleicht nur noch eine Technologie für das flache Land?
Nein. Denken Sie nur an die vielen Stadtbusse. Die können momentan wirtschaftlich nur mit Dieselmotoren betrieben werden, Hybridfahrzeuge sind deutlich teurer, von Elektrobussen ganz zu schweigen. Es müssen halt Busse mit sauberen Dieselmotoren sein. Und das geht, die Technik ist da.
Hat der Dieselmotor überhaupt noch eine Zukunft?
Aber ja. Ich halte die Abgesänge auf den Dieselmotor für kurzsichtig und falsch. Beispiel Güterverkehr: Klar sollte man versuchen, möglichst viel davon auf die Schiene zu bringen. Aber einen 40-Tonner mit Batterien zu betreiben – das ist aussichtslos. Beispiel Fernbusse: Zu Recht als ökonomisch und ökologisch gelobt – weil mit wirtschaftlichen Dieselmotoren betrieben.
Die deutsche Politik hat für das Jahr 2030 schon mal das Ende des Verbrennungsmotors in den Raum gestellt. Was halten Sie davon?
Dirigistische Lösungen, Technologien pauschal zu verbieten, haben selten gut funktioniert. Die Politik sollte der Industrie Ziele vorgeben. Wie die Industrie diese Ziele erfüllt, muss sie selbst entscheiden. Aber der Staat muss diese Zielerfüllung viel konsequenter verfolgen!
Wird sich bei den Autos der Elektromotor durchsetzen?
E-Autos werden einen hohen Marktanteil bekommen, zum Beispiel über die vielen Zweit- oder Flottenautos. Aber für bezahlbare Autos, die weite Strecken fahren, wird weiterhin der Verbrennungsmotor erste Wahl sein, auch als Hybrid. Es stimmt zwar, dass die meisten Autofahrten nur kurze Strecken sind. Aber wenn ich spontan die erkrankte Oma im Allgäu besuchen will und die Batterie meines Autos zu klein oder gerade leer ist, schränkt es mich stark ein. Diese Flexibilität ist die große Stärke des Autos mit Verbrennungsmotor, und das wird in der Debatte unterbewertet.

interviewAnswer"> Diese Problematik ist viel gravierender, weil man noch über dem Doppelten des Grenzwerts liegt und die Werte nur langsam sinken. Und hierbei sind die Diesel zu Recht im Fokus, weil Benziner fast keine Stickoxide abgeben.
Aber der entsprechende EU-Grenzwert gilt doch schon seit vielen Jahren. Wie kann es sein, dass sich über so viele Jahre in dem Punkt so wenig gebessert hat?
Man muss der Gesetzgebung – an der die Industrie mitwirkte – schon vorwerfen, dass die Vorgaben bisher zu lasch gewesen sind – insbesondere was die Stickoxid-Minderung angeht. Da war man nicht konsequent, die Fakten sind seit Jahrzehnten bekannt.
Landesverkehrsminister Winfried Hermann fordert eine Blaue Plakette. Dann könnten nur noch Dieselautos, die die aktuelle Euro-Norm 6 erfüllen, in die Stuttgarter Innenstadt.
Aus technischer Sicht wäre diese Plakette unbefriedigend. Sie würde Diesel als sauber definieren, die bei Weitem nicht den Stand der Technik erreichen, wie ihn zum Beispiel Daimler mit dem neuen E-Klasse-Diesel zeigt, denn die Spanne zwischen gleich klassifizierten Autos ist riesig. Manche Autos stoßen im Straßenbetrieb über fünfmal so viel Stickoxid aus wie andere, erfüllen aber immer noch die Euro-6-Norm.
Woran liegt das?
An unrealistischen Vorgaben für die Messung. Für die Beschleunigung von 0 auf 50 km/h sind 26 Sekunden vorgesehen – absolut lächerlich. Erst für die nächste Stufe Euro 6d muss die Emission im realen Fahren gemessen werden. Das EU-Parlament hat diesen riesigen Sprung nach vorne beschlossen. Dann werden alle Diesel ein Emissionsniveau erreichen, das dem Stickoxid-Pro­blem in den Städten gerecht wird.
Also brächte eine Blaue Plakette nichts.
Doch, eine gewisse Verbesserung. Und rechtlich ist es so, dass man per Plakette nicht die übergroße Mehrheit aller Diesel-Fahrzeuge aus der Innenstadt verbannen kann. Das würden dann die Gerichte vermutlich als Enteignung einstufen. Also muss man Schritt für Schritt vorgehen.
Das heißt?
Wenn wir jetzt über eine Blaue Plakette nachdenken, rege ich auch eine Weiße an, die man dann in vielleicht fünf Jahren einsetzen kann. Die Blaue Plakette wäre der verbesserte, die Weiße der wirklich saubere Stand. Wenn wir jetzt nur auf die Blaue setzen, stellen wir in ein paar Jahren fest, dass die Stickoxid-Belastung nicht ausreichend gesunken ist – und inzwischen viel bessere Dieselautos auf dem Markt sind.

Warum der Diesel doch eine Zukunft hat

Warum nicht alle Diesel aus den Innenstädten verbannen? Ist Diesel vielleicht nur noch eine Technologie für das flache Land?
Nein. Denken Sie nur an die vielen Stadtbusse. Die können momentan wirtschaftlich nur mit Dieselmotoren betrieben werden, Hybridfahrzeuge sind deutlich teurer, von Elektrobussen ganz zu schweigen. Es müssen halt Busse mit sauberen Dieselmotoren sein. Und das geht, die Technik ist da.
Hat der Dieselmotor überhaupt noch eine Zukunft?
Aber ja. Ich halte die Abgesänge auf den Dieselmotor für kurzsichtig und falsch. Beispiel Güterverkehr: Klar sollte man versuchen, möglichst viel davon auf die Schiene zu bringen. Aber einen 40-Tonner mit Batterien zu betreiben – das ist aussichtslos. Beispiel Fernbusse: Zu Recht als ökonomisch und ökologisch gelobt – weil mit wirtschaftlichen Dieselmotoren betrieben.
Die deutsche Politik hat für das Jahr 2030 schon mal das Ende des Verbrennungsmotors in den Raum gestellt. Was halten Sie davon?
Dirigistische Lösungen, Technologien pauschal zu verbieten, haben selten gut funktioniert. Die Politik sollte der Industrie Ziele vorgeben. Wie die Industrie diese Ziele erfüllt, muss sie selbst entscheiden. Aber der Staat muss diese Zielerfüllung viel konsequenter verfolgen!
Wird sich bei den Autos der Elektromotor durchsetzen?
E-Autos werden einen hohen Marktanteil bekommen, zum Beispiel über die vielen Zweit- oder Flottenautos. Aber für bezahlbare Autos, die weite Strecken fahren, wird weiterhin der Verbrennungsmotor erste Wahl sein, auch als Hybrid. Es stimmt zwar, dass die meisten Autofahrten nur kurze Strecken sind. Aber wenn ich spontan die erkrankte Oma im Allgäu besuchen will und die Batterie meines Autos zu klein oder gerade leer ist, schränkt es mich stark ein. Diese Flexibilität ist die große Stärke des Autos mit Verbrennungsmotor, und das wird in der Debatte unterbewertet.

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