Dialekt Was bedeutet „Dock“?

Von Roland Groner 

 Quelle: Unbekannt
Quelle: Unbekannt

„Als ich noch ein Kind war, sagten die Älteren zu einer Puppe ,Dock‘.“ So schreibt Klaus Schrade.

Stuttgart - „Als ich noch ein Kind war, sagten die Älteren zu einer Puppe ,Dock‘.“ So schreibt Klaus Schrade und fragt, woher dieses Wort käme. Der Fragesteller dürfte wohl recht haben, mit größter Wahrscheinlichkeit dürfte das Wort „Dock“ heute nicht mehr im Gebrauch sein, längst ist es durch „Puppe“ ersetzt. Doch erforschen wir seine Geschichte und schauen zunächst im „Deutschen Wörterbuch“ nach.

Hier bei den Brüdern Grimm erfahren wir, dass die Nachbildung eines Kindes vom Wickel- und Wiegenkind bis zum Erwachsenen in uralte Zeiten zurückgeht. Sowohl bei den Ägyptern als auch bei den Indern, den Griechen und den Römern war diese Sitte schon zu Hause. Weibliche Figuren gab man Mädchen zum Spielen, Hampelmann, Reiter, Soldaten, Pferde und dergleichen schenkte man Knaben. Erwähnt wird, dass man in Schwaben „dockenmann, dockenhansel, dockengaul“ sagte. Die Bezeichnung „docke“ hieß im Althochdeutschen „tocha“, später „tocke“. Erst im 15. Jahrhundert kam der Name „Puppe“ auf, als „pupa, puppa, poppea“ entlehnt aus dem Mittellateinischen (= das Latein des europäischen Mittelalters).

Da eine Docke als etwas Zierliches, Hübsches gilt, wurden auch junge Mädchen, die man loben wollte, so genannt. Auf diese Weise wurde etwa ab dem 13. Jahrhundert der Begriff Docke auch auf Mädchen übertragen. In Österreich sagte man: „die ist aufgeputzt wie eine docke“, und in Schwaben „wies döckle ausm laden“. Ableitungen von „Docke“ sind laut Fischers Wörterbuch zum einen das Doggåle, worunter man eine Spielpuppe versteht, aber auch eine Marionette im Puppentheater, zum anderen das Verb doggålå, was einerseits „mit der Puppe spielen“ bedeutet, ganz speziell „von solchen Personen, die darüber hinaus sein sollten“, andererseits „an etwas herummachen ohne rechten Ernst“. Leser Klaus Schrade fügt noch an, dass man früher den Puppenwagen Doggåwagå nannte.

Zum Schluss ein Zitat des Schriftstellers Fischart (1546–1591), genannt der Mentzer (= der Mainzer): „und was ists wunder, dasz die weiber so fein wissen mit ihren ehegetrauten umbzugehn, demnach sie es doch von jugend auf mit docken und puppen spilsweis also gewohnen dasz sie nachgehends in der ehe auch solche poppenspiel mit ihren ehegepareten üben.“ Der erste schwäbische Spruch des neuen Jahres kommt von Leser Albert Gommel, der ein „Neujahrsversle“ aus seinen Kindertagen zitiert. Er schreibt dazu: „Am Neujahrstag gingen wir Kinder zu Verwandten und Bekannten zum Neujahrwünschen (nach dem Kirchgang, versteht sich). Die Freude war groß, denn meist sprang da eine Zehnerle oder eine Neujahrsbrezel als Dank heraus. Der Vers lautete: ,Ih waisch dr au a guat’s nuis Johr, en gsonda Leib, da Frieda, da Säga on do heilicha Gaischd!‘“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

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