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Aus Backnang schreibt Joachim Kaden, er wundere sich über den Ausdruck "Neigschmeckter".

Aus Backnang schreibt Joachim Kaden, er wundere sich über den Ausdruck "Neigschmeckter", denn den gebe es gar nicht. Also heißt hier die Aufgabe: Was ist ein Rãêgschmeckdr und was ein Nãêgschmeckdr? Beide Begriffe unterscheiden sich nur durch den ersten Buchstaben. Es geht um rãê und nãê, auf Hochdeutsch herein und hinein.

Schauen wir im Duden nach, so finden wir den Vermerk: "Hereingeschmeckte/Reingeschmeckte (schwäb. für Ortsfremde, Zugezogene)." Der Begriff Hineingeschmeckte ist dagegen nicht zu finden. Joachim Kaden erklärt das so: "Da der zugezogene Fremde ja von außen ins Schwabenland rein kam, ist er als Reigschmeckter und nicht als Neigschmeckter zu bezeichnen."

Die Duden-Etymologie gibt uns dazu die logische Erklärung: Das Adverb her bezeichnet die Richtung auf den Standpunkt des Sprechenden, während hin jene von ihm weg ausdrückt. Sollte jemand also das Schwabenland wieder verlassen, dann kann diese Person sagen: Ins Schwäbische habe ich mal hineingeschmeckt.

Dabei dürfte aber auch interessant sein, weshalb man von schmecken spricht. Nun unser schwäbisches schmecken besitzt noch die im Alt- und Mittelhochdeutschen verwendeten Bedeutungen, während in der neuhochdeutschen Schriftsprache das Wort auf den eigentlichen Geschmackssinn begrenzt ist. So sagt man zum Beispiel auch: "Du schmecksch aus-m Maul." Oder: "Du raochålåsch - i schmecks."

In der Kombination erhält schmecken auch eine übertragene Bedeutung im Sinne von wahrnehmen, kosten, prüfen, die bei unseren Rãêgschmeckdå zum Tragen kommt: Viele haben demnach in irgendeiner Weise geprüft, ob sich das Leben im Schwòbålendle lohnt, ob es ihnen zusagt, ob sie hier gut leben können. Man kann nur hoffen, dass sie den richtigen Riecher hatten.

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