Dialekt Drei schwäbische Begriffe

Von Roland Groner 

 Foto: Grafik/Lange
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Heute erklären wir unseren Lesern die Bedeutung von gleich drei schwäbischen Begriffen.

Leserin Irene Daller aus Stuttgart ist im Nordschwarzwald aufgewachsen und kennt von dorther den Ausdruck "Dilldepp", den sie in Stuttgart seit Jahrzehnten noch nie gehört hat. Im "Deutschen Wörterbuch" findet man diesen Begriff in etwas anderen Schreibweisen: Diltap, Dildap, Dilltaptiltap, Dilledapp. Unter diesem Wort, das sich im 15. Jahrhundert zuerst zeigte, versteht man einen albernen, läppischen, ungeschickten Menschen. Die Herkunft dieses Wortes ist noch nicht geklärt, doch vermutet man, dass der erste Teil "dill" von Diele (= Flur) und der zweite "tap" von tappen (= plump und ungeschickt herumlaufen) abgeleitet sind. In den Fastnachtsspielen jener Zeit war der Diltap der Name eines lärmenden Bauern, der Händel sucht. Mit "Tilltapp" wird im Elsass auch ein kleiner Vogel bezeichnet, der immer "zilzel" schreit. Dieser Vogel ist auch bei uns bekannt, es ist der im Sommer stundenlang im Garten rufende Zilpzalp.

 

 

Im Bekanntenkreis von Leser Franz Stadler wird öfters über den Ausdruck "martlalt" diskutiert. Auch zusammen mit Originalschwaben kamen sie zu keinem eindeutigen Resultat bezüglich der Übersetzung ins Hochdeutsche. Bei der Recherche bietet von den schwäbischen Quellen nur die "Etymologie des Schwäbischen" von H. Wax eine Erläuterung. Dort heißt es "maderalt - sehr alt" und "eigentlich so alt wie ein Marder". Während im Schwäbischen der Marder auch Mader genannt wird, heißt er im Elsässischen und Pfälzischen auch Mardel, was einen Bezug zu "martl" ergibt. Eine mögliche Erklärung zu "martlalt" findet man ebenfalls im "Pfälzischen Wörterbuch", wo es heißt: "Der hot e Läwe wie 'n Mardl."

 

 

Leserin Annelies Ruscher aus Winnenden möchte gerne erfahren, woher das Schimpfwort "Bähmulle" stammt. Nun dies herauszufinden, ist nicht ganz einfach. Laut "Fischers Wörterbuch" ist ein Bähmull(e) einerseits ein langweiliger, andererseits ein leicht beleidigter Mensch. Teilen wir das Wort auf, dann bekommen wir "bäh" und "mull". Die Mull beziehungsweise das Mulle ist der Lockruf für eine Katze, insbesondere in der Kindersprache. Bezogen auf den Menschen versteht man unter "Mull" ein unfreundliches, verdrießliches, eigensinniges Weib. Das Verb bäÚ bedeutet "erwärmen". Erwärmung benötigt auch eine junge Katze, die friert, und ebenso eine empfindliche, weichliche Person.

 

 

Unser schwäbischer Spruch des Tages kommt von Leserin Anita Walther: "S'isch g'hopft wia gschpronga!"

 

 

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