Beim ersten Kunstmarkt der Diakonie Stetten in den neuen Räumlichkeiten in Schorndorf ist das Interesse groß. Künftig gibt es dort sogar einen Werksverkauf.
Der Termin hat Tradition, die Location ist neu. Der Kunstmarkt der Kreativen Werkstatt der Diakonie Stetten findet jedes Jahr so rechtzeitig statt, dass Weihnachtsmärkte noch nicht geöffnet haben, die Gedanken der Menschen aber schon um das Thema Schenken kreisen. Fündig wird man auf dem Markt, wo alles handgefertigt und nichts von der Stange ist, immer.
Und so wundert es nicht, dass am Samstag um 10 Uhr schon treue Stammkunden vor der Türe in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) standen, als Andrea Ebner, sie leitet die Kreative Werkstatt zusammen mit Astrid Schneier, aufschloss. Im Mai sind die Kreative Werkstatt, die Handweberei und die Töpferwerkstatt von der Oppenländerstraße in Waiblingen in die Daimlerstadt umgezogen; aus dem Eigentum in die Miete.
Diakonie räumt Waiblinger Immobilie nach Jahrzehnten
Die Immobilie in Waiblingen ist jetzt komplett leer geräumt, Jahrzehnte lang hat die Diakonie dort sowohl Menschen in der industriellen Produktion beschäftigt als auch den kreativen Gruppen Raum gegeben. Das Areal an der Oppenländerstraße in Waiblingen wurde von der Diakonie im Jahr 1985 erworben und dann ab 1986 als neuer Werkstattstandort genutzt. Das Grundstück und die Gebäude gehörten ursprünglich der Firma Oppenländer, sie hatte dort Kleinmöbel hergestellt. Schon vor Jahren hat die Diakonie von einer Sanierung der Immobilie Abstand genommen, sie hätte viel in den Brandschutz investieren müssen, auch in die Elektrik und für die Barrierefreiheit.
Auf die Frage, wie es mit der Immobilie an der Oppenländerstraße weitergehen soll, sagt Pressesprecher Steffen Wilhelm von der Diakonie: „Das Areal wird perspektivisch veräußert werden.“ So viel ist klar, es handelt dabei für das dicht bebaute Stadtgebiet von Waiblingen um ein Filetstück, allein schon wegen seiner Nähe zum Bahnhof.
32 Millionen Euro in neuen Standort in Waiblingen investiert
2025 hieß es nun Abschied nehmen, umziehen und ankommen. „Die Umzüge an die anderen Werkstatt-Standorte in Schorndorf und Fellbach sowie in den Campus Hermann-Hess-Straße im Ameisenbühl konnten wie geplant zur Jahresmitte 2025 abgeschlossen werden. Seither ist der Betrieb in der Oppenländerstraße eingestellt“, blickt Steffen Wilhelm zurück. Der neue Standort Campus Hermann-Hess-Straße im Ameisenbühl in Waiblingen wurde im Mai dieses Jahres eingeweiht. Die neue Mensa, die auch für Gäste aus der Umgebung geöffnet ist, wird vom Inklusionsunternehmen Dienstleistungspartner (DLP) GmbH der Diakonie Stetten betrieben. Die Gesamtinvestitionssumme für diesen neuen gemeinsamen Standort der Remstal Werkstätten und des BBW Waiblingen liegt bei rund 32 Mio. Euro.
Diakonie mietet neue Standorte für kreative Werkstätten
Bei den weiteren Standorten ist die Diakonie nicht Eigentümer, sondern Mieter. Der Werkstatt-Standort in der Voithstraße in Schmiden wird von der Fellbacher Firma Link Garten- und Landschaftsbau vermietet. In der Gottlob-Bauknecht-Straße in Schorndorf ist die Stadt Schorndorf die Vermieterin. An diesem Standort war die Diakonie bereits, er wird jetzt seit Mai nur anders und zwar von den Kreativbereichen Weberei, Töpferei und Kreative Werkstatt sowie den Remstal Werkstätten, wo psychisch kranke Menschen Kerzen herstellen, genutzt. Gruppen die bisher in der Gottlob-Bauknecht-Straße waren sind in die Stuttgarter Straße in Schorndorf umgezogen, wo die Remstal Werkstätten schon lange einen Standort betreiben.
Beim Kunstmarkt am Samstag und Sonntag waren die Türen in der Gottlob-Bauknecht-Straße nun erstmals für Kundschaft geöffnet. Alle Gruppen befinden sich auf einer Ebene im Erdgeschoss, barrierefrei. Mittlerweile seien sie angekommen, hätten sich aneinander gewöhnt und würden sich auf einer Etage und in der Nachbarschaft zu Töpferei, Kerzenwerkstatt und Weberei wohlfühlen, sagt Andrea Ebner. Allerdings wollten nicht alle Behinderten aus der Oppenländerstraße nach Schorndorf umziehen, nicht nur aus logistischen Gründen, sondern auch weil ihnen das Einfinden in einer neuen Umgebung schwer fällt, obgleich die Kreative Werkstatt jetzt von großen Fenstern und viel Licht profitiert. Etwa zehn Plätze seien noch frei, sagt Andrea Ebner. Man führe Gespräche und es hätten schon einige Praktika stattgefunden.
Kreative Vielfalt im neuen Werksverkauf in Schorndorf entdecken
Auf die Kreativität hat sich der Umzug jedenfalls nicht negativ ausgewirkt. Das Angebot an getöpferten Engeln, Kindergeschirr, handgewebten Kissenhüllen, Geschirrhandtüchern, Teppichen und Schlüsselanhängern ist auch in der neuen Location ansprechend und umfangreich. Es fand viel Anklang und wird künftig unter dem Label „Mein Werk“ angeboten. Ähnlich einem Hofladen gibt es in der Gottlob-Bauknecht-Straße in Schorndorf jetzt einen „Werksverkauf“, der das ganze Jahr geöffnet hat. Auch Kunstinteressenten haben es jetzt leichter, sie sollten ihren Besuch mit Kaufabsichten jedoch vorher in der Kreativen Werkstatt anmelden. Nicht alle Kunstwerke können in den Atelier-Räumen aufbewahrt werden und müssen zum Teil aus dem Lager zur Ansicht geholt werden. Vorrätig und direkt im Verkauf ist in diesen Tagen der traditionelle Kunstkalender mit insgesamt zwölf Kunstwerken plus Titelblatt. Die Künstler aus Stetten haben ihn gestaltet mit Bildern zum Thema „Die Welt ist schön.“ Für die Ausgabe 2026 wurden wieder 350 Exemplare gedruckt, der Preis hat sich um zwei Euro erhöht, auf 16 Euro.
Adventsmarkt in Stetten
Adventsmarkt
Am Freitag, 28. November, gibt es für Freunde von Selbstgefertigtem erneut die Möglichkeit, fündig zu werden. Beim 26. Adventsmarkt der Diakonie Stetten wird ab 14 Uhr rund um das Schloss in Kernen-Stetten Handwerkliches aus den dortigen Schulen, den Werkstätten und den Wohngruppen verkauft.