Das Kickers Fanprojekt arbeitete die Vergangenheit der Blauen auf. Foto: Fanprojekt

Es ist so etwas wie der „Nobelpreis“ für sportpolitische Engagement. An diesem Montag werden das Stuttgarter Kickers Fanprojekt und die Cotta-Schule mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet.

Stuttgart - Der Stellenwert dieser Auszeichnung? Martin Gansen muss nicht lange überlegen: „Das ist der Nobelpreis für sportpolitisches Engagement. Eine riesige Anerkennung für Schule, Schüler und die Kooperationsarbeit.“ Der Oberstudienrat der Friedrich-von-Cotta-Schule freut sich auf die Verleihung des vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gestifteten Julius-Hirsch-Preises. Am kommenden Montag geht die Ehrung im Palmengarten in Frankfurt über die Bühne. Das Kickers-Fanprojekt und die Cotta-Schule hatten eine gemeinsame Bewerbung eingereicht für ihre zwei zunächst unabhängig voneinander gestarteten Projekte „Heimat Kickers – Die Blauen in bewegten Zeiten“ und „Fußball im Nationalsozialismus“. Nun gelang es gemeinsam, den mit 7000 Euro dotierten Platz zwei zu belegen.

Gegen Ausgrenzung

Mit dem Julius-Hirsch-Preis zeichnet der DFB seit 2005 jedes Jahr Vereine, Initiativen und Personen aus, die sich „als Aktive auf dem Fußballplatz, als Fans im Stadion, im Verein und in der Gesellschaft beispielhaft einsetzen für die Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und gegen Antisemitismus und Rassismus, für Verständigung und gegen Ausgrenzung von Menschen, für die Vielfalt aller Menschen und gegen Fremdenfeindlichkeit“.

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Die Cotta-Schule ist bekannt dafür, über den Tellerrand hinauszublicken. Genauso wie das Kickers-Fanprojekt, das am Beispiel einzelner Spieler, Funktionäre und Mitglieder, die in der Zeit von 1899 (Vereinsgründung) bis 1949 (Gründung der Bundesrepublik) aktiv waren, aufzeigte, wie sich politische Umbrüche auf das Schicksal normaler Menschen ausgewirkt haben. Wie Sportler, die zuvor für die Kickers am Ball waren, nicht mehr zusammenspielen durften, weil der Mitspieler Jude war oder in Gefangenschaft geriet.

Reflexion bei Schülern erzeugen

Mit der Cotta-Schule fanden die Macher des Kickers-Fanprojekts um Leiter Daniel Metz und Ideengeber Frank Baum einen optimalen Partner. Besonders bei Martin Gansen, seinem Kollegen Felix Michor und dem Theaterpädagogen Manoel Tavares rannten sie offene Türen ein. Gansen liegt gerade an der Eliteschule des Sports immer stets auch der politische Kontext am Herzen.

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Ob das die Olympischen Spiele 1936 in Berlin sind, der Ost-West-Konflikt oder zuletzt das Salutieren von türkischen Fußballern – wann immer es geht, bindet er geschichtliche und politische Themen in seinen Unterricht mit ein. „Ich möchte bei den Schülern eine Reflexion erzeugen, Themen anhand von real existierenden, historischen Personen erlebbar machen“, erklärt der Oberstudienrat.

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Die Verleihung des Julius-Hirsch-Preises ist der Höhepunkte des Doppelpasses zwischen Kickers-Fanprojekt und Cotta-Schule. Zur Delegation gehören fünf Personen, denen ein geschichtlich-kulturelles Rahmenprogramm geboten wird – und die sich am 19. November in Frankfurt auch das EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Nordirland anschauen dürfen. Der Lohn für den kreativen Blick über den Tellerrand.

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