Klarer Fingerzeig: Joachim Löw fordert gegen Georgien vollen Einsatz. Foto: Getty

Viel Dominanz, keine Tore – das soll der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht noch einmal passieren. Schon gar nicht gegen Georgien am Sonntag in Leipzig. Die direkte EM-Teilnahme steht auf dem Spiel.

Dublin - Der Donnerstag bot einen lauen Herbstabend in Dublin – es war warm, es war angenehm, und für alle, die gerade noch der irischen Fußball-Nationalmannschaft zugejubelt hatten, wäre es die perfekte Gelegenheit gewesen, mal so richtig die Sau rauszulassen. Den Weltmeister schlägt man schließlich nicht alle Tage.

1:0 hatten die Jungs in Grün trotz notorischer Unterlegenheit das deutsche Team bezwungen, im Aviva-Stadium wusste kaum einer der über 50 000 Zuschauer, wohin mit seinen Emotionen, doch später in den Straßen und Pubs der Hauptstadt ging es dann doch eher so zu, als sei nichts gewesen. Nur immer wieder mal wurde ein deutscher Fan mit Jubelgesängen penetriert, begleitet von ein bisschen diebischer Freude, sollte dieser dabei das Gesicht verzogen haben: „Sie mögen es nicht, sie mögen es einfach nicht.“ Natürlich mögen sie es nicht. Und natürlich mochte es auch Joachim Löw nicht.

Von diebischer Freude war der Bundestrainer jedenfalls so weit entfernt wie die irischen Sportler von einem Olympiasieg im Abfahrtslauf. Im Gegenteil: Löw wirkte wie einer, der gerade bestohlen worden war. Und ein bisschen war das ja auch so. „Das war eine der unnötigsten Niederlagen, die wir in den letzten Jahren hinnehmen mussten“, klagte der Coach des deutschen Teams. Und tatsächlich hatte seine Mannschaft das vorletzte Qualifikationsspiel für die EM 2016 in Frankreich klar dominiert. Die Iren hatten genau zwei Möglichkeiten – eine davon nutzten sie eiskalt. „Wir sind enttäuscht, haben es uns aber selbst zuzuschreiben“, sagte Löw, dessen Team nun an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) erst das EM-Ticket fix buchen kann. Mindestens ein Unentschieden gegen Georgien ist dafür Pflicht. „Wir wissen, dass es jetzt noch mal richtig spannend werden kann“, klagte Abwehrspieler Mats Hummels. Davor aber stand die Aufarbeitung der Pleite von Dublin.

Zu viel Schönspielerei

„Ich muss“, gestand Löw, „dieses Spiel erst einmal verarbeiten und mir noch mal durch den Kopf gehen lassen.“ Dabei wird er feststellen, dass seine Mannschaft bisweilen schier in Schönspielerei starb, manchmal zwar aus dem Stand gleich mehrere Iren ins Rotieren brachte und so ballsicher agierte, als gebe es ein stilles Abkommen zwischen der Kugel und den Kickern – das Wichtigste aber vergaß: dass zu erfolgreichem Fußball auch das konsequente Erspielen und Ausnutzen von Torchancen gehört.

„Fahrlässig“ habe sein Team in Halbzeit zwei zuweilen agiert, kritisierte Löw und strich den freien Abend am Freitag in Leipzig. Chancen habe es liegengelassen, monierte er, „zu wenig“ sei das teilweise gewesen, weshalb er mit Blick auf den Sonntag seinen Jungs mit auf den Weg gab: „Wir müssen lernen, gegen so einen Gegner auch ein Tor und keinen Fehler zu machen.“ Die Frage, ob ein Stoßstürmer à la Mario Gomez dem Kurzpassspektakel den entscheidenden Punch gegeben hätte, verneinte der Bundestrainer, mit hohen Bällen wäre gegen die Iren nichts zu machen gewesen. Mehr „Kaltschnäuzigkeit“ forderte er dagegen von denen, die auf dem Platz gestanden haben.

So oder so müssen die deutschen Weltmeister nun die Suppe auslöffeln, die sie sich nicht erst in Dublin, sondern vor allem gleich zu Beginn der Qualifikation in den schwierigen Wochen nach dem Triumph von Rio eingebrockt haben. Verletzungen, das eine oder andere Formtief und eine Phase des mentalen Durchhängens ließen das deutsche Spiel holpern, dazu kamen die Rücktritte bisheriger Eckpfeiler – und die Tatsache, dass manch eine Problemzone, etwa die Außenpositionen in der Abwehr, noch immer nicht beseitigt werden kann. An diesem Sonntag allerdings darf das alles keine Rolle spielen, schließlich droht noch das Abrutschen auf Rang drei, der die Teilnahme an den Play-offs im November vorsieht.

„Wir müssen gewinnen, dann sind wir weiter, alles andere interessiert nicht. Wir werden ein Feuerwerk abbrennen“, sagte Jérôme Boateng, Das klingt schnörkellos. Mal sehen, ob das DFB- Team auch so spielt.

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