Die Spieler der Nationalmannschaft können auch Fannähe zeigen – Marco Reus posiert für Selfies. . Foto: dpa

Das DFB-Fanfest in Aachen hat gezeigt: Die Geschichte der deutschen Nationalelf ist mehr als der desaströse Untergang bei der WM 2018.

Aachen - Der 94 Jahre alte Mann mit Sonnenhut grinste und applaudierte zufrieden auf der Tribüne, als die Nationalspieler sich unten auf dem Rasen in den grünen und weißen Trikots im internen Trainingsspiel duellierten. Egidius Braun, der ehemalige Präsident des DFB, hatte am Mittwochabend ein Heimspiel in seiner Heimatstadt Aachen.

Die wohl rührendste Szene beim Fanfest der Nationalelf gab es noch vor dem Spielchen. Braun wurde auf den Rasen des Aachener Stadions begleitet und schüttelte Kapitän Manuel Neuer die Hand. Der ehemalige Chef des Deutschen Fußball-Bundes, für den Fußball immer auch eine soziale Aufgabe war, stellte sich gemeinsam mit dem Nationalteam zum Gruppenfoto. Am Ende wurden die Trikots der Nationalspieler zugunsten der Egidius-Braun-Stiftung versteigert. Der DFB wollte ja mit dem öffentlichen Showtraining generell auf seine Stiftungen aufmerksam machen – allen voran aber gab es dieses eine, dieses übergeordnete Ziel.

Nach der auch imagemäßig desaströsen WM 2018 mit einer Entfremdung von der Basis will der damals abgehobene Kosmos Nationalelf sich wieder volksnaher präsentieren und so Kredit zurückgewinnen. „Wir wollen die Nationalmannschaft ganz hautnah machen“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Mittwoch bei der Begrüßung der zum großen Teil jugendlichen Fans. 30 000 kostenlose Tickets hatte der DFB verteilt, doch ein Drittel der gelben Sitze in der Arena am Tivoli blieben leer, am Ende kamen rund 20 000 Zuschauer.

Bälle ins Publikum, Autogramme und Selfies

Dennoch nahmen die Stars die öffentliche Trainingseinheit als Verpflichtung. „Das ist etwas ganz Besonderes, wenn so viele Menschen kommen, um zu sehen, wie wir trainieren“, sagte Joshua Kimmich vom FC Bayern.

Nach der WM-Blamage gab es bereits öffentliche Trainings in Berlin und Wolfsburg sowie Schulbesuche in Leipzig. „Die Spieler machen das auch aus Überzeugung“, sagte Bierhoff und versprach weitere Aktionen „bei jeder Länderspielreise“. Dass allerdings nach wie vor die allermeisten Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden und es außerhalb der Aktionen kaum Chancen gibt, an die Spieler heranzukommen, die nach wie vor größtenteils abgeschottet werden, steht auf einem anderen Blatt.

Nach der Einheit am Tivoli jedenfalls schossen die Profis brav Bälle ins Publikum, gaben Autogramme und machten Selfies mit den Fans.

Nationalmannschaft spielt gegen sich selbst

„So eine Atmosphäre beim Training kenne ich aus England nicht, da haben wir überhaupt keine Fan-Nähe“, sagte Leroy Sané von Manchester City.

Im Abschlussspiel Deutschland gegen Deutschland, das wie die gesamte Einheit live auf RTL Nitro übertragen wurde, spielte die Nationalelf gegen sich selbst. In den weißen Heim-Trikots liefen unter anderem die Neu-Dortmunder Julian Brandt und Nico Schulz auf, dazu Sané. In den grünen Auswärtsshirts unter anderem Ilkay Gündogan, Julian Draxler und Marco Reus, der mit einem Doppelpack für die ersten zwei Tore sorgte. Leroy Sané gelang der 1:2-Anschlusstreffer für die Weißen, ehe Thilo Kehrer für die Grünen den 3:1-Endstand erzielte.

Am Ende war alles rosarot – zumindest für einen Abend lang.

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