Der SSV Reutlingen am 8. August 2015 im Spiel gegen den Karlsruher SC Foto: dpa

Der SSV Reutlingen gehörte einst zu den großen Fußballclubs im Süden. Im DFB-Pokal hoffe der Verein nun auf den Beistand der Fußballgötter für das Spiel gegen Eintracht Braunschweig, so Sportdirektor Gaudino.

Reutlingen - Ohne Beistand von oben rechnet Maurizio Gaudino mit keiner erneuten Riesensensation des SSV Reutlingen im DFB-Pokal. „Um weiterzukommen, benötigen wir wie gegen den KSC alle Fußballgötter auf unserer Seite“, sagte der Sportdirektor des schwäbischen Traditionsvereins vor der Zweitrundenpartie gegen Eintracht Braunschweig.

Als einziger verbliebener Fünftligist ist der SSV am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) krasser Außenseiter gegen den Zweitligisten. Aber dass die Reutlinger einen solchen Klassenunterschied wettmachen können, haben sie bei ihrem überraschenden 3:1-Triumph gegen den Karlsruher SC in der ersten Hauptrunde eindrucksvoll bewiesen.

Aber Fußball-„Wunder“ lassen sich nicht beliebig wiederholen. Das weiß auch Gaudino. Der ehemalige Nationalspieler fungiert beim SSV seit Mai als Manager. „Mein Engagement ist auf drei Jahre ausgelegt. Die laufende Spielzeit ist ein Aufbaujahr, in dem es um die Entwicklung der Mannschaft geht“, erklärte er.

Große Sprünge haben die Kicker aus der 112 000 Einwohner zählenden Stadt in dieser Punkterunde bislang nicht gemacht. Derzeit liegt das Team im baden-württembergischen Oberhaus auf Platz elf. „In der nächsten Saison wollen wir zum Angriff auf die Spitze blasen“, kündigte Gaudino an. Der 48-Jährige, der eine Sportmanagement-Agentur betreibt, ist beim SSV für den sportlichen Bereich zuständig und zudem in die Sponsoring-Tätigkeiten des Vereins eingebunden.

„Fans sollen zufrieden nach Hause gehen“

Neben Gaudino ist auch der Trainer in der Branche bekannt: Georgi Donkov stürmte für den VfL Bochum und 1. FC Köln in der Bundesliga. „Wir wollen in dieser Saison eine Mannschaft formen“, erklärte Donkov. Den Pokalgegner bezeichnete der 45-Jährige als „stabile Mannschaft, die fast Erstliga-Niveau hat“. Braunschweigs Coach Torsten Lieberknecht sei aber nach dem Coup gegen Karlsruhe „vor uns gewarnt“. Sein Team solle sich gegen die Niedersachsen „gut aus der Affäre ziehen“, wünscht sich der ehemalige bulgarische Nationalspieler: „Unsere Fans sollen zufrieden nach Hause gehen können.“

Gegen den KSC erlebten 8 166 Fans im 15 000 Zuschauer fassenden Kreuzeiche-Stadion die Ricciardi-Elfmeter-Festspiele. SSV-Kapitän Giuseppe Ricciardi erzielte alle drei Tore per Strafstoß. Der Mittelfeldspieler, der mit den A-Junioren des VfB Stuttgart 2003 deutscher Meister wurde, fiebert dem Pokalspiel entgegen: „Vielleicht gelingt uns wieder eine Sensation.“

In der Vergangenheit sorgten die Schwaben schon häufig bundesweit für Aufsehen. In den fünfziger Jahren spielten sie in der damals höchsten Klasse, der Oberliga Süd. 1965 verpasste der SSV den Sprung in die Bundesliga nur knapp. In der Aufstiegsrunde landete er damals hinter Borussia Mönchengladbach auf dem zweiten Platz.

Seit der Insolvenz in der fünften Liga

In der Saison 1975/76 und von 2000 bis 2003 war der SSV Zweitligist. Trainer Armin Veh führte den deutschen Amateurmeister von 1974 und 1997 in der Spielzeit 1999/2000 in das Bundesliga-Unterhaus. Unter Coach Frank Wormuth stieg der mit einem Abzug von sechs Punkten belegte Club 2003 wieder ab.

Weil der Verein keine Lizenz für die damals drittklassige Regionalliga erhielt, musste er in der Oberliga antreten. 2006 ging’s hoch in die Regionalliga; zwei Jahre später verpasste Reutlingen hauchdünn die Qualifikation für die Dritte Liga.

Im März 2010 war der Tiefpunkt erreicht. Der damalige Regionalligist ging in die Insolvenz und fristet seither ein Schattendasein in der Fünftklassigkeit. Der Pokal-Triumph gegen den KSC rückte den Verein nach langer Zeit wieder bundesweit ins Rampenlicht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: