Für unterklassige Clubs ist der DFB-Pokal wie ein Sechser im Lotto Foto: dpa

Je weiter ein Verein kommt, desto mehr verdient er im DFB-Pokal. Allerdings können die abgehenden Kosten je nach Spielort und Gegner beträchtlich sein – von der Steuer ganz abgesehen.

Stuttgart - Nein, Karl-Heinz Lang läuft derzeit nicht mit Euro-Zeichen in den Augen durch Reutlingen. Zwar ist er Finanzchef des Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen; also des Vereins, der den Karlsruher SC aus dem DFB-Pokal geworfen hat (3:1) und nun in Runde zwei steht, in der jedem Club ein Startgeld von 268 000 Euro zusteht. „Wissen Sie“, sagt der gelernte Banker, „es ist noch nicht einmal die Schlussrechnung für die erste Runde gemacht, ich werde bestimmt noch nicht überlegen, wie wir die Einnahmen aus der zweiten Runde investieren.“

Für Runde eins hat der SSV wie jeder der 64 Teilnehmer 140 000 Euro vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhalten, dazu kommen Einnahmen aus 8100 verkauften Karten. Von der Summe werden zehn Prozent Kosten für Platzmiete, Ordnungsdienst, Schiedsrichter und Rotes Kreuz abgezogen – jeweils 45 Prozent der Zuschauereinnahmen gehen an die Clubs. Schätzungsweise rund 200 000 Euro dürften beim SSV Reutlingen hängengeblieben sein; eine Summe, die aber versteuert werden muss. „Natürlich hat der DFB-Pokal im Etat einen sehr hohen Stellenwert bekommen“, sagt Karl-Heinz Lang, „wir haben nie damit gerechnet, in die zweite Runde vorzustoßen.“

Für Amateure besitzt der DFB-Pokal einen Stellenwert wie für Bundesliga-Vereine die Teilnahme an der Champions League – die Chance auf einen ausgiebigen Geldregen. Für den SSV Reutlingen, dessen Fußball-Etat bei etwa 600 000 Euro liegen dürfte, ist ein solcher Pokal-Jackpot eine Chance, etwas zu bewegen. Der SSV könnte Schulden tilgen, die Jugend fördern oder die Oberliga-Mannschaft verstärken. In der zweiten Runde sind 268 000 Euro garantiert, dazu könnten bei einem attraktiven Gegner und einem ausverkauften Stadion (13 500 Plätze) eine bis zu sechsstellige Summer aus Kartenerlösen kommen. Die Platzmiete fällt mit einer vierstelligen Summe da recht bescheiden aus. „Wir werden die Pokaleinnahmen sinnvoll investieren“, betont Lang, „und wenn uns wirklich nichts einfällt, bringen wir das Geld auf die Bank.“

VfB kommt in Runde drei in Gewinnzone

Für die Stuttgarter Kickers ist die Quelle DFB-Pokal nach dem 1:4 gegen Titelverteidiger VfL Wolfsburg versiegt, 220 000 Euro sind den Blauen als Trost geblieben. „Der DFB-Pokal ist ein wichtiger Baustein für den Saisonetat“, betont Präsident Rainer Lorz, „daher ist es wichtig, dass wir uns für die erste Hauptrunde qualifizieren.“ Zwei Wege stehen den Clubs unterhalb von Liga zwei dafür offen – Drittligisten werden in der Tabelle mindestens Vierter oder ein Verein gewinnt den Landespokal.

Der VfB Stuttgart kalkuliert bei seinem Saisonetat mit den Einnahmen aus den ersten beiden DFB-Pokalrunden. Er muss also aktuell noch die nächste Runde am 27./28. Oktober überstehen, um in die Gewinnzone zu kommen. Die Zuschauereinnahmen sind eine Variable und hängen in starkem Maße von der Attraktivität des Gegners ab und davon, ob der Verein ein Heim- oder ein Auswärtslos erhält. Da zumindest in den ersten Runden noch Amateurclubs im Rennen sind, die automatisch Heimrecht erhalten, rechnet der VfB vorsichtshalber in den ersten beiden Runden mit Auswärtsspielen.

Dabei kalkuliert er aufgrund der zu erwartenden kleineren Stadien mit durchschnittlichen Zuschauereinnahmen von rund 60 000 Euro. Bei einem Heimspiel gegen zugkräftige Gegner wie Bayern München und einer ausverkauften Mercedes-Benz-Arena kassieren beide Clubs je rund 400 000 Euro aus den Zuschauereinnahmen, bei weniger attraktiven Gegnern entsprechend wenige

r. Die Eintrittspreise sind nicht beliebig festlegbar, vielmehr müssen sich Heim- und Gastverein auf die Ticketpreise verständigen. Ein mehr oder weniger bedeutender finanzieller Faktor sind die Reisekosten bei Auswärtsspielen. Ist der VfB mit seinem Mannschaftsbus unterwegs, sind die Kosten überschaubar. Der Trip in der ersten Runde zu Holstein Kiel (Flüge, Hotel) für 30 Personen schlug mit rund 25 000 Euro zu Buche.

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