RB-Stürmer Timo Werner will die Bayern erschrecken. Foto: AFP

RB Leipzig trifft innerhalb von 70 Stunden zweimal auf den FC Bayern – und will den Branchenriesen natürlich stürzen.

Stuttgart - Jupp Heynckes und RB Leipzig? Der 72-jährige Trainer-Methusalem des FC Bayern München und der junge Emporkömmling? Nun ja, da gibt es kaum Schnittmengen. Die zuckersüße Brause des Leipziger Großsponsors? „Habe ich noch nicht probiert“, sagt Heynckes und ergänzt: „Ich trinke überwiegend Mineralwasser ohne Kohlensäure.“

RB Leipzig also gegen den FC Bayern. Zuerst im DFB-Pokal an diesem Mittwoch in Leipzig (20.45 Uhr/ARD), dann am Samstag in der Bundesliga in München (18.30 Uhr). Zwei große Duelle innerhalb von rund 70 Stunden. Die Bullen reiten die nächsten Attacken. Der Vizemeister greift den Branchenführer an. Zum zweiten Mal, nachdem er in der Vorsaison vor allem beim Liga-Hinspiel in München (0:3) so krachend gescheitert ist. Nun stellen sich entscheidende Fragen: Schafft es der Emporkömmling jetzt tatsächlich, die Bayern vom Thron zu stoßen – und wie geht das Ganze in den nächsten Jahren weiter?

Heynckes würdigte am Dienstag das, was in Leipzig auch mit Hilfe des Sponsors aus Fuschl am See entwickelt wurde. „Man muss einfach anerkennen, dass in Leipzig überragend gearbeitet wird, kompetent, innovativ, mit einer klaren Strategie“, sagte der Coach. Der Erfolg läge nicht nur am Geld des österreichischen Getränkekonzerns: „Geld von Sponsoren haben auch andere Vereine in der Bundesliga gehabt.“

RB Leipzig – einfach nur hipp

Leipzig aber machte eben das richtige daraus – weshalb Heynckes mit Red Bull doch etwas Positives verbindet. Auch wenn es ihm nicht schmeckt. Und der Trainerroutinier mit dem Mineralwasser mehr anfangen kann. Denn das ist schon immer da. Es ist verlässlich. So wie der FC Bayern und Heynckes selbst gefühlt schon immer da sind. Gewachsene Größen. Standardwerke.

Jetzt setzt das hippe RB zum Überholvorgang an. Das Draufgängertum rückt dem Establishment auf die Pelle.

Dabei geht es ja längst nicht nur um die beiden Duelle am Mittwoch und am Samstag – es geht um die Vormachtstellung im deutschen Fußball.

Dass die Münchner noch immer über allem thronen, ist unstrittig. Die Frage ist nur, wie lange noch. Vor ein paar Tagen gaben die Bayern stolz ihren nächsten Umsatzrekord bekannt. 640,5 Millionen Euro erwirtschafteten sie im Geschäftsjahr 2016/2017. Das sind Zahlen, von denen sie in Leipzig bei aller Unterstützung aus Fuschl bisher nur träumen können. Oliver Mintzlaff, der Geschäftsführer von RB, kennt die Fakten. Er sagt: „Bayern ist ein Verein, der den vier- bis fünffachen Umsatz von uns hat und demzufolge können sie auch mehr in den Sport investieren. Wir müssen die bisherige Entwicklung erst einmal weiter fortführen und bestätigen.“ Bekannt sind bei RB zurzeit nur die Zahlen aus der letzten Zweitligasaison. 2015/2016 erwirtschaftete RB 81,7 Millionen Euro. Dieser Umsatz dürfte sich jetzt mindestens verdoppelt haben. Die Tendenz: weiter steigend.

Die Konstanz ist eingekehrt

Potenzial nach oben hat RB auch in Sachen internationaler Stellenwert, was bei der ersten Europapokalteilnahme in diesem Jahr auf der Hand liegt. Während die Bayern eine gewachsene Weltmarke sind, müssen sich die Sachsen internationales Renommee erst noch erarbeiten. Auch die für die Bayern gewohnte Dreifachbelastung aus Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal ist Neuland für RB. Doch wer die jüngsten Leipziger Spiele verfolgt hat, sieht auch hier einen Schritt nach vorne. Wo es zu Saisonbeginn extreme Leistungsschwankungen gab, herrscht nun Konstanz. RB gewinnt die Spiele einfach. Im Dreitagesrhythmus. So wie es der FC Bayern seit Jahren macht.

Vorbild in gewissen Bereichen

Die Münchner taugen den Leipzigern in gewissen Bereichen als Vorbild – auf anderen Feldern aber ist es genau andersherum. Hier orientiert sich der Branchenführer am Herausforderer. Weil der die Richtung vorgibt. In der Nachwuchsarbeit etwa ist RB ein Vorreiter. Leipzig weihte sein Nachwuchsleistungszentrum zwei Jahre früher ein als der Rekordmeister. Das Durchschnittsalter im Kader von RB beträgt in dieser Saison rund 24 Jahre. Die Bayern-Profis sind im Schnitt vier bis fünf Jahre älter. David Alaba hatte es 2010 als bislang letzter Jugendspieler geschafft, sich bei den Bayern-Profis zu etablieren – bei den Leipzigern dagegen herrscht dank der Transferpolitik eine andere Jugendkultur.

Fast nur junge Spieler

Denn Rasenballsport verpflichtet generell fast nur junge und entwicklungsfähige Spieler unter 24 Jahren. Die Münchner dagegen haben noch immer kein stimmiges Konzept, wie sie den Neuaufbau nach den Rücktritten der Leistungsträger Xabi Alonso und Philipp Lahm und dem nahenden Karriereende von Arjen Robben und Franck Ribéry gestalten wollen.

Zuletzt lagen die Bayern bei der Verpflichtung von Talenten oft daneben, der Neuaufbau wird nun eine Herausforderung. Auch, weil in Leipzig ein großer Konkurrent heranwächst. RB hat seinen von Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Ralph Hasenhüttl vorgegebenen Spielstil. Wild, draufgängerisch und überfallartig, so kickt RB. Und sucht sich auf dem Transfermarkt junge Profis, die genau zu diesem Stil passen. Und nun die Bayern erst überrennen und dann überholen wollen.

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