VfB-Torhüter Fabian Bredlow faustet – ins eigene Netz. Foto: dpa/Guido Kirchner

Der VfB Stuttgart hat im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen lange wacker mitgehalten. Dann ist es ein eigener Spieler gewesen, der die 1:2-Niederlage einleitete. Der Spielbericht von unserem Redakteur Carlos Ubina.

Leverkusen - Der Arbeitstag des Torhüters Fabian Bredlow endete mit den üblichen Ritualen: Nach dem Schlusspfiff ein letzter Schluck aus der Flasche, die Handschuhe ausziehen – und dann mit den Mitspielern abklatschen. Sie versuchten, ihn zu trösten und wieder aufzubauen. Doch könnte es mehr als nur eine Nacht dauern, bis der Ersatzkeeper des VfB Stuttgart diesen Pokalabend in Leverkusen verarbeitet hat.

Mit 1:2 (0:0) hat der VfB bei Bayer Leverkusen verloren, ist damit im Achtelfinale des DFB-Pokals ausgeschieden – und Fabian Bredlow ist der große Pechvogel gewesen. Mit einem Eigentor leitete er die Niederlage ein und gab auch beim zweiten Gegentor eine unglückliche Figur ab. Es nutzte somit wenig, dass die Stuttgarter ansonsten eine durchaus couragierte Leistung zeigten. „Wir haben ein gutes Pokalspiel gesehen, das in beide Richtungen hätte laufen können“, sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. Von einer „Top-Leistung“ sprach Sportdirektor Sven Mislintat: „Wir hätten mindestens die Verlängerung verdient gehabt.“ Lesen Sie hier: Die VfB-Spieler in der Einzelkritik Wie schon am vergangenen Samstag in St. Pauli (1:1) hatte Matarazzo seine Startelf auch in Leverkusen gründlich durcheinander gewirbelt – diesmal gleich auf sechs Positionen. Absprachegemäß vertrat Bredlow den (ohnehin angeschlagenen) Stammkeeper Gregor Kobel. Nicht ganz freiwillig erfolgte die Versetzung des Japaners Wataru Endo aus dem zentralen defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung, in der nach dem Kieferbruch von Kapitän Marc Oliver Kempf akuter personeller Notstand herrscht.

Es spricht für den VfB (und gegen die Millionentruppe von Bayer), dass im Duell zwischen dem Champions-League-Teilnehmer und dem Zweitligisten kein wirklicher Klassenunterschied erkennbar war. Klar, Bayer hatte vor nur 20 320 Zuschauern mehr Ballbesitz (64 Prozent), schoss öfter aufs gegnerische Tor (17:12) und spielte mehr Pässe (709:412). Doch machte es die Werkself den Gästen lange Zeit sehr einfach, Schaden vom eigenen Tor fernzuhalten.

Lesen Sie hier: Matarazzo lässt die Jungen ran Der Plan von VfB-Coach Matarazzo war nicht kompliziert und ging auf: Hinten stand der VfB weitgehend sicher und versuchte immer wieder, mit den schnellen Angreifern Nicolas Gonzalez und Silas Wamangituka Nadelstiche nach vorne zu setzen. An der Latte scheiterte Wamangituka bei der besten VfB-Chance der ersten Hälfte (26.).

Auch nach der Pause spielte der VfB konzentriert und mutig weiter. Gonzalez war es, der kurz nach Wiederbeginn die bis dahin beste Gelegenheit vergab: Nach entschlossenem Sprint scheiterte der Argentinier an Bayer-Torwart Lukas Hradecky (48.). Der Favorit aus Leverkusen blieb einfallslos – trotz vier Toren, die allesamt wegen Abseitspositionen aberkannt wurden.

Nicht allzu viel deutete auf die Führung des Bundesligisten hin – bis Bredlow die Rheinländer auf die Siegerstraße brachte: Einen Eckball von Kerem Demirbay faustete der VfB-Torwart ins eigene Tor (71.) – was für ein Blackout! „Ich habe einen leichten Kontakt gespürt und dann etwas die Kontrolle verloren“, sagte der Pechvogel hinterher, „das sah natürlich sehr unglücklich aus.“

Ganz so schlimm war sein Fehler vor dem 0:2 nicht – doch machte Bredlow auch bei diesem Gegentreffer eine schlechte Figur: Einen halbhohen Schuss des Bayer-Stürmers Karim Bellarabi vom Strafraumeck ließ der 24-Jährige direkt vor die Füße von Lucas Alario prallen, der gedankenschnell abstaubte (83.).

Mit dem Mute der Verzweiflung

Es spricht abermals für den VfB, dass sich die Mannschaft von diesen Nackenschlägen nicht aus der Fassung bringen ließ. Im Gegenteil: Mit dem Mute der Verzweiflung stürmte das junge Team mit den eingewechselten Teenagern Clinton Mola, Lilian Egloff und Mateo Klimowicz nach vorne und brachte die Bayer-Hintermannschaft mehr als nur einmal in Verlegenheit.

Nach einer Gonzalez-Hereingabe von links gelang zunächst Wamangituka der Anschlusstreffer (85.). Die Verlängerung war zum Greifen nah, als Klimowicz nach einem brillanten Spielzug in der Nachspielzeit knapp drüber schoss. Matarazzo war dennoch „stolz auf die Jungs“ und auf die „Moral meiner Mannschaft“.

Nach der unglücklichen Niederlage kann sich der VfB nun immerhin ganz auf den Kampf um die Rückkehr in die Bundesliga konzentrieren. Mit dem Heimspiel gegen gegen Erzgebirge Aue geht es am Samstag (13.30 Uhr) weiter. Ein echter Trost dürfte dies jedoch nicht sein – schon gar nicht für Torhüter Fabian Bredlow.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: