Bundestrainerin Silvia Neid (rechts) sitzt am Freitag in der SGL-Arena in Augsburg (Schwaben) bei einer Pressekonferenz neben der neuen Spielführerin Nadine Angerer. Foto: dpa

Die DFB-Frauen geben sich vor dem ersten EM-Qualispiel gegen die Schweiz zurückhaltend.

Augsburg - Es war nicht die Silvia Neid vom Juni dieses Jahres, die da am Donnerstag im Kellergeschoss des Augsburger Stadions saß. Ihre Fröhlichkeit, der freche Witz aus den WM-Tagen fehlte bei der Bundestrainerin vor dem ersten EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Frauen am Samstag gegen die Schweiz (15.45 Uhr).

Ein wenig Unsicherheit schwingt mit

Es sind die Tage des Neuanfangs nach dem bitteren Viertelfinal-Aus gegen den späteren Turniersieger Japan bei der Heim-WM in diesem Sommer, und ein wenig Unsicherheit schwingt mit. „Es würde uns schon gut tun, wenn wir gleich ein gutes Spiel zeigen und drei Punkte holen“, sagte Neid am Donnerstag auf der Abschlusspressekonferenz.

Neben ihr saß die neue Spielführerin Nadine Angerer (32, Jahre, FFC Frankfurt), die in die großen Fußstapfen der zurückgetretenen Rekordnationalspielerin Birgit Prinz tritt. „Es fühlt sich an wie ein Neuanfang, die WM ist seit Dienstag abgehakt, da haben wir lange zusammen gesessen und uns ausgetauscht“, sagte die Torfrau, die mit 102 Länderspielen nun die Erfahrenste im Team ist. Ab und zu auf den Tisch hauen werde sie, aber vor allem als Schiedsrichter im Hintergrund fungieren.

Neid: WM wird uns noch lange begleiten

Ganz so abgehakt aber ist sie dann doch nicht, die größte Niederlage dieser erfolgreichen Mannschaft, die zuletzt fünfmal hintereinander den EM-Titel gewann. “Wir legen die WM beiseite, wir haken sie nicht ab. Sie wird uns noch lange begleiten„, sagte die angespannt wirkende Bundestrainerin.

Neben Prinz hatten im Sommer auch Ariane Hingst, Ursula Holl und Kerstin Garefrekes ihren Rücktritt erklärt. Dafür hat Neid drei Nachwuchsspielerinnen für den Quali-Auftakt nominiert. Mit Nachwuchstorhüterin Kathrin Längert (24 Jahre, Bayern München), Abwehrspielerin Luisa Wensing (18, FCR Duisburg) und Mittelfeldakteurin Svenja Huth (20, Frankfurt) stehen drei Auswahl-Debütantinnen im Team. 16 WM-Spielerinnen sind weiterhin dabei, allerdings fehlen mit Mittelfeldregisseurin Kim Kulig (Kreuzbandriss) und Stürmerin Celia Okoyino da Mbabi (Syndesmoseband) zwei verletzte Leistungsträgerinnen.

Qualifikation dürfte nur Pflichtaufgabe sein

Die Qualifikation für die EM 2013 in Schweden mit weiteren Gruppenspielen gegen Rumänien, Kasachstan, Spanien und die Türkei dürfte nicht mehr sein als eine Pflichtaufgabe für den Seriensieger und doch wirkt die Mannschaft beinah zurückhaltend. “Die Schweiz ist offensiv und technisch stark. Das wird schwer„, betont die 47-jährige Trainerin, die nach dem WM-Aus in der Kritik gestanden hatte. Der DFB hielt an ihr fest, hatte den Vertrag im Juni vorzeitig bis 2016 verlängert. “Wir zählen immer noch zur Weltspitze, das kann uns auch keiner absprechen, nur weil wir dieses eine Spiel verloren haben„, sagte DFB-Frauen-Direktorin Steffi Jones. Peu à peu zu alter Stärke finden, so beschreibt Neid den Neuaufbau, der nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allem wohl in den Köpfen abläuft. Dazu gehört auch, dass ihr Team sich wieder mit einer kleineren Bühne begnügen muss: Für das Spiel am Samstag sind bislang nur 5.500 Karten verkauft.

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