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Durch Tore von Reus und Özil müht sich die deutsche National-Elf gegen starke Österreicher zu einem 2:1-Erfolg.

Wien - Die Liste an Fußballerweisheiten ist lang, und eine besagt: Treffer, die kurz vor oder kurz nach der Halbzeitpause fallen, sind besonders wertvoll, weil besonders schmerzhaft für den Gegner. Wer daran bisher zweifelte, sieht seit Dienstagabend vermutlich ein wenig klarer.

Da traf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Wien auf Österreich, erzielte eben je ein Tor kurz vor und kurz nach der Pause. Und tatsächlich: Diese Treffer waren wertvoll – bescherten sie dem deutschen Team doch einen 2:1(1:0)-Sieg im zweiten Spiel der WM-Qualifikation. Allerdings: Es hätte auch ganz anders laufen können.

Dann nämlich, wenn auch die Österreicher die Fähigkeit besessen hätten, zu strategisch perfekten Zeitpunkten den Ball ins Tor zu befördern. In der vierten Minute zum Beispiel, als Martin Harnik, der Stürmer des VfB Stuttgart, allein auf den deutschen Keeper Manuel Neuer zulief – sich im letzten Moment aber von Abwehrspieler Holger Badstuber stören ließ. Oder kurz vor Schluss, als Marko Arnautovic, der österreichische Angreifer in Diensten von Werder Bremen, nur noch den Fuß hinhalten musste, um das 2:2 zu erzielen – den Ball aber über den Spann rutschen ließ und aus gerade einmal vier Metern eben nicht das Tor traf. Es waren veritable Großchancen, die den Gastgebern in Wien zumindest diesen einen Punkt gebracht hätten, der verdient gewesen wäre. Und die Deutschlands Nationalteam bestraft hätten für eine über weite Strecken dürftige und fehlerhafte Leistung. „Wir haben kein perfektes Spiel abgeliefert“, sagte Thomas Müller – und beschrieb das Geschehene noch mit netten Worten.

Immer wieder Patzer im Aufbauspiel

Denn zunächst einmal setzten die Österreicher das um, was sich eigentlich Bundestrainer Joachim Löw von seinem deutschen Team gewünscht hatte. Hohe Laufbereitschaft, viel Aggressivität, Pressing weit in des Gegners Hälfte und blitzschnelles Umschalten – was zusammen für viele österreichische Möglichkeiten und viel Verunsicherung aufseiten der Deutschen sorgte. „Der Gegner hat viel Druck gemacht“, sagte Kapitän Philipp Lahm, „damit sind wir nicht klargekommen.“ Mehr noch: Die Österreicher provozierten das deutsche Team zu teilweise haarsträubenden Fehlern, „die uns nicht passieren dürfen“, wie Neuer kritisierte. Immer wieder führten Patzer im Aufbauspiel zu österreichischen Chancen. Immerhin: Keiner dieser Fehler wurde zunächst bestraft, die deutsche Mannschaft fand etwas besser ins Spiel – und urplötzlich wurde die Lage noch komfortabler.

In der 44. Minute setzte Marco Reus zu seiner ersten Aktion an, zog von links in den Strafraum und traf zum 1:0. Nach der Pause wurde Thomas Müller an der Strafraumlinie umgestoßen, Mesut Özil verwandelte den folgenden Elfmeter sicher – und nach dem 2:0 schien die Partie dank der deutschen Effektivität nicht nur auf den Kopf gestellt, sondern auch entschieden. Wenn da gegen inzwischen müde Österreicher nicht weitere Fehler gefolgt wären.

Zum Beispiel, als sich in der 57. Minute Mario Götze und Marcel Schmelzer von Arnautovic düpieren ließen. Der Bremer passte auf Clubkollege Zlatko Junuzovic, der den Ball ins Tor lenkte. „Hätten wir es nach dem 2:0 besser gemacht, hätte Österreich keine Chance gehabt“, klagte Löw, der mit Blick auf Arnautovics Großchance am Ende zugeben musste: „Da hatten wir einfach Glück.“ Auf das sich das deutsche Team nicht weiter verlassen sollte. Denn nicht immer fallen die Tore zum perfekten Zeitpunkt.

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