Die DFB-Elf gewinnt in Luxemburg – und verliert doch viel. Der erschreckend schwache Auftritt gibt gewaltigen Anlass zur Sorge, kommentiert Sport-Autor Marco Seliger.
Es ist zwei Monate her, da blamierte sich die deutsche Nationalelf bei der 0:2-Schmach von Bratislava gegen die Slowakei. Nun, am Freitagabend, zeigte sich, dass alles immer noch schlimmer werden kann. Der irrlichternde Auftritt des DFB-Teams in der ersten Halbzeit in Luxemburg toppte die Nicht-Leistung von Bratislava im negativen Sinne noch. Taumelnd und chaotisch hinten, fahrig im Spielaufbau, schlampig im Passspiel, unkonzentriert und uninspiriert in der Offensive – die Mängelliste ließe sich noch fortsetzen.
Die Leistung im kleinen, 9214 Zuschauer fassenden Stade de Luxembourg war erschreckend. Das Beste, klar, war das Ergebnis zum Schluss. 2:0 gewonnen nach zwei Toren in einer ebenfalls nicht überzeugenden zweiten Halbzeit – aber sonst viel verloren, so lässt sich dieser Fußballabend aus deutscher Sicht zusammenfassen.
Ein Punkt reicht für die WM-Qualifikation
Hoffnung macht das alles nicht: zunächst nicht beim Blick auf das Gruppenfinale in der WM-Qualifikation an diesem Montag in Leipzig gegen die Slowakei. Aufgrund der besseren Tordifferenz reicht dem Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann da ein Punkt zum Gruppensieg. Wenn es so auftritt wie am Freitagabend in Luxemburg, dürfte kein Punkt gewiss sein, sondern eine Niederlage – und damit die verpasste direkte Qualifikation für das Großturnier im nächsten Sommer.
Klar ist: Sollte es die Nagelsmann-Elf zur WM schaffen, wird sie dort nicht zu den Titelfavoriten zählen, selbst wenn einige der verletzten Stammkräfte wie Jamal Musiala oder Kai Havertz bis dahin wieder fit und in Form sind. Zu fragil ist das Gebilde, zu schwankend die Leistungen, zu unstet die Entscheidungen Nagelsmanns, dessen (Nicht-)Festlegungen ganz offensichtlich nicht dem Konkurrenzkampf und damit in Summe dem Ansporn eines jeden Einzelnen dienen, sich zu beweisen – sondern zur allgemeinen Verunsicherung bei vielen Spielern führen.
Die DFB-Elf ist kurz vor dem Länderspielfinale anno 2025 kein internationales Schwergewicht – und Stand jetzt spricht wenig dafür, dass sich das bis zum Beginn der WM signifikant ändert. Allerdings: Nagelsmann hat vor der Heim-EM 2024 bewiesen, dass er eine Elf auch in kürzerer Zeit zu einem Titelkandidaten formen kann.
Beim Blick auf Leistungen wie in Bratislava und jetzt in Luxemburg fehlt daran allerdings der Glaube mit Blick auf die WM im kommenden Sommer. Bei den vergangenen Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar scheiterte die deutsche Mannschaft in der Vorrunde – ein Szenario, das für den viermaligen Weltmeister auch 2026 nicht ausgeschlossen ist.