Bundestrainer Julian Nagelsmann schärft vor dem Rückspiel in der Nations League gegen Italien an diesem Sonntag die Sinne – und stärkt dem verletzten Marc-André ter Stegen den Rücken.
Der italienische Reporter versuchte auf der Pressekonferenz am Samstagnachmittag alles und stellte Bundestrainer Julian Nagelsmann die Frage nach dem italienischen Geist von Dortmund. Der gute Mann hatte, na klar, das WM-Halbfinale von 2006 und den 2:0-Sieg des späteren Weltmeisters gegen die DFB-Elf nach Verlängerung im Sinn – im Gegensatz zum damals 18-jährigen Nagelsmann, der nun klarmachte, dass er keine Angst habe vor Italien.
Mit Verweis auf sein relativ junges Alter erklärte der deutsche Bundestrainer dem italienischen Journalisten auch, dass für ihn die Aktualität maßgeblich sei, nicht die traditionsreiche deutsch-italienische Fußball-Geschichte: „Das Spiel jetzt ist wichtiger als die Statistik.“
Nagelsmann fand am Samstag offenbar Gefallen daran, nicht das zu sagen, was die Italiener gerne hören würden. Also hielt er sich auch, was Aufstellung und Ausrichtung seiner Elf für das Rückspiel im Nations-League-Viertelfinale an diesem Sonntagabend in Dortmund (20.45 Uhr/RTL) angeht, zurück. Sein Trainerkollege Luciano Spalletti solle, so sagte das Nagelsmann ein bisschen spitz, ruhig ein bisschen grübeln über die deutsche Spielidee.
Nagelsmanns Warnung
Die stimmte beim Hinspiel in Mailand am vergangenen Donnerstag zumindest in der zweiten Hälfte, als die DFB-Elf einen 0:1-Rückstand noch in einen am Ende verdienten 2:1-Sieg drehte. Nagelsmann warnte nun aber vor dem nächsten Duell mit den Italienern davor, das Weiterkommen als bessere Formsache zu betrachten. „Wir tun gut daran, im Rückspiel gedanklich bei 0:0 zu starten“, sagte er.
Die zeitlich knappe Konstellation mit Hin- und Rückspiel binnen drei Tagen hat es für die DFB-Elf jedenfalls seit den Play-offs für die WM 2002 nicht mehr gegeben. Damals wurde die Ukraine nach einem 1:1 in Kiew daheim durch einen Doppelpack von Michael Ballack mit 4:1 besiegt. Spielort damals wie heute: Dortmund. Dort also, wo die Bilanz der Nationalmannschaft – das WM-Halbfinale 2006 mal ausgenommen – formidabel ist.
So gab es im Fußballtempel in zwölf Spielen in diesem Jahrtausend neun Siege, inklusive des Erfolgs im EM-Achtelfinale im vergangenen Sommer gegen Dänemark (2:0). Jetzt will Nagelsmann den nächsten Erfolg in der Heimstätte von Borussia Dortmund – mit dem der Einzug ins Finalturnier der Nations League mit vier Mannschaften sicher wäre. Spielorte wären dann im Juni die Arenen in München und Stuttgart.
Eine leichte Quali-Gruppe?
Langfristiger gedacht geht es nun am Sonntag gegen Italien auch schon um die WM 2026. Denn wenn die DFB-Elf die Italiener ausschaltet, geht es von September bis November nur in einer Vierer-Qualifikationsgruppe mit der Slowakei, Nordirland und Luxemburg um das WM-Ticket. Es hat schon stärkere Gegner auf dem Weg zu einem Turnier gegeben, um es vorsichtig auszudrücken.
Beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko soll dann auch wieder der derzeit verletzte Marc-André ter Stegen im deutschen Tor stehen. Trotz der zuletzt starken Leistungen der neuen Übergangs-Stammkraft Oliver Baumann setzt Nagelsmann weiter auf den Keeper des FC Barcelona – sofern er nach seiner schweren Knieverletzung „fit und gesund“ zurückkehrt, wie es der Bundestrainer am Samstagmittag in Dortmund betonte. Wenn Marc zu hundert Prozent leistungsfähig ist, wird er die Nummer eins sein“, ergänzte der Coach: „Er hätte es verdient, ein großes Turnier zu spielen, wir geben ihm die Zeit.“
Ter Stegen und das Comeback
Ter Stegen arbeitet nach seinem Patellasehnenriss derzeit in seiner Wahlheimat Barcelona an seinem Comeback. In der DFB-Auswahl hatte Nagelsmann den Hoffenheimer Baumann für die Spiele in der Nations League gegen Italien zur vorübergehenden Nummer eins befördert.
Falls ter Stegen Rückschläge erleiden sollte, sei der Kampf um den Platz im Tor aber wieder offen, so der Bundestrainer weiter: „Marc hatte eine schwere Verletzung, wir müssen schauen, wie die Entwicklung ist. Wir warten ab, was die Zeit bringt.“