Bundestrainer Joachim Löw steht noch einige Arbeit bevor. Foto: dpa

Der schwache deutsche Auftritt gegen die Niederlande in der EM-Qualifikation zeigt, dass dem Bundestrainer bei seinem Umbruch noch einige Arbeit bevorsteht – die Nationalelf muss den Rückschlag vor dem wegweisenden Duell mit Nordirland schnell verdauen, kommentiert Sportredakteur Marco Seliger.

Hamburg - Die Ernüchterung war groß am späten Freitagabend im Hamburger Volkspark, und das war nur verständlich. Vier Gegentore in der zweiten Halbzeit, dazu auch schon in weiten Teilen der ersten ein seltsam zaudernder, mutloser und schwacher Auftritt – keine Frage: Die deutsche Nationalelf kassierte in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande nicht nur die erste Niederlage - sie bekam auch schonungslos vor Augen geführt, dass so ein gewaltiger Umbruch, wie ihn der Bundestrainer vor einem knappen Jahr eingeleitet hatte, eben nicht von heute auf morgen und schon gar nicht ohne Rückschläge vonstattengeht.

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So mancher Beobachter sah ja nach teils begeisternden Auftritten in den vergangenen Monaten schon wieder einen Titelkandidaten für die EM im nächsten Sommer heranwachsen. Fakt ist: In der Form von Hamburg sind es Joachim Löws Jungs nicht.

Offensive als laues Lüftchen

Schnitzer in der Abwehr mischten sich in ein zögerliches Angriffsspiel, manchmal bekam man sogar das Gefühl, dass manche Profis in den weißen Trikots den Ball nicht wollten, was auch in einer etwas defensiveren Ausrichtung samt überfallartiger Kontertaktik Gift ist.

Begeisterte die deutsche Offensive noch beim Hinspiel in Amsterdam in März beim 3:2-Erfolg, war sie nun – mit Ausnahme des Wirbelwinds Serge Gnabry – eher ein laues Lüftchen. Marco Reus und Timo Werner setzten kaum Akzente, und auch die eingewechselten Kai Havertz und Ilkay Gündogan brachten keine gefährlichen Elemente ein.

Bundestrainer Joachim Löw musste sich trotz eher mauer Leistung von Reus und Werner die Frage gefallen lassen, warum er die beiden schnellen Angreifer nach einer knappen Stunde vom Platz nahm und dafür die weniger dynamischen Havertz und Gündogan, die andere Qualitäten haben, brachte.

Es könnte eng werden mit der EM-Qualifikation

Löw begründete das damit, dass er mehr Ballsicherheit ins Spiel bringen wollte. Der Schuss ging nach hinten los, das deutsche Spiel wurde noch statischer, und von sicheren Ballbesitzphasen war trotz Havertz und Gündogan nichts zu sehen.

Nun ja, hinterher ist man immer schlauer – auch, was die Erkenntnis betrifft, dass es jetzt plötzlich doch noch eng werden könnte mit der EM-Qualifikation. Der bei Punktgleichheit entscheidende direkte Vergleich mit den Niederländern ist verloren, und nun geht es am Montag in Belfast gegen Nordirland. Gegen jenes Team also, das bisher alle seine vier Spiele gewann. Eine weitere Niederlage sollten sich Löws Jungs jetzt besser nicht erlauben beim extrem kampfstarken Gegner. Sonst könnte es noch ungemütlich werden im Herbst 2019.

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