Elf Spieler, ein Ziel – die DFB-Elf hat bei der EM Großes vor. Foto: imago//Maik Hölter

Das DFB-Team profitiert von individueller Klasse, doch ebenso wichtig ist beim Blick auf den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale die neue Geschlossenheit, kommentiert EM-Reporter Carlos Ubina.

Arm in Arm standen sie nach dem Schlusspfiff da und genossen den Moment. Ilkay Gündogan und Jamal Musiala, die beiden besten Nationalspieler an diesem Abend. Sie haben mit ihren Toren die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in das EM-Achtelfinale geschossen und wurden dafür mit Applaus verabschiedet. Was dabei auffällt: die Nationalmannschaft profitiert von der individuellen Klasse ihrer Offensivkräfte, doch dahinter steht ein Team, das immer mehr zusammenwächst.

 

Das lässt sich bereits nach zwei Spielen beim Heimturnier festhalten. Der Bundestrainer Julian Nagelsmann hat einen Kader zusammengestellt, in dem jedem seine Rolle bewusst ist. Das schafft Klarheit, im Spiel und außerhalb des Rasens. Denn es gibt nicht nur eine Stammelf, sondern es gibt ebenso eine eindeutige Hierarchie – ohne Geschrei, ohne Gefuchtel.

Wie eng die DFB-Mannschaft bereits in dem Gedanken vereint ist, möglichst weit zu kommen, zeigt sich aber nicht nur in der Szene mit Musiala und Gündogan. Wie die Ersatzspieler mitfiebern und mitjubeln, ist ebenfalls bemerkenswert. Das hat man lange nicht mehr in dieser ausgeprägten Form gesehen. Dieses Miteinander und diese Leidenschaft schaffen die Basis für das Überstehen der Gruppenphase – und für mehr.

Ersteres ist jetzt nach drei enttäuschenden Turnieren gelungen. Souverän und sicher möchte man sagen. Allerdings auch gegen Kontrahenten, die stärker eingeschätzt wurden. Doch weder Schottland noch Ungarn haben den Gastgeber über längere Phasen unter Druck setzen können. Nur in einzelnen Situationen brachten sie das Tor von Manuel Neuer in Gefahr. Gemeinschaftlich wurde es verteidigt – und wieder mit individueller Qualität. Das lässt die Fans von der Reise nach Berlin singen und vom Titelgewinn träumen. Die Spieler bleiben jedoch in der Realität und auf dem Boden. Es ist noch ein weiter Weg bis zum Finale.