Immer unterwegs, bewusst ohne Plan und trotzdem zielstrebig: Dews Pegahorn aus Stuttgart Foto: Mercan Smith

Dews Pegahorn ist neu im Club der Spotify-Millionäre: Sein Song „Runnin’“ wurde über drei Millionen Mal gestreamt. An diesem Donnerstag tritt er im Stadtpalais auf.

Zu einem verhallt kreiselnden Echo-Riff und einem knackigen New-Wave-Beat nimmt Dews Pegahorn Reißaus. Wohin er will und wovor er wegrennt, bleibt in dem Song „Runnin’“ mysteriös: Flieht er vor dem Teufel? Oder ist er selbst ein gefallener Engel, der dem Fegefeuer entkommen will? Möchte er eine toxische Beziehung so schnell wie möglich hinter sich lassen? Oder haut er nur ab, weil er Angst hat, etwas zu verpassen?

 

Selbst wenn man dem Stuttgarter gegenübersitzt und ausfragt, gibt er das Geheimnis dieses Lieds nicht preis. „Der Song ist entstanden, als ich mich in meinen Sound  neu wiederfinden wollte“, sagt er, „und ich habe ihn nicht wirklich geschrieben, sondern er war viel mehr einfach da.“ Er habe einfach eine Weile zu einem Gitarrenloop gefreestylt – und fertig war das Stück Musik , das ihm auf Spotify bereits über drei Millionen Streams beschert hat.

Eine zielstrebige Irrfahrt

Und wenn es etwas gibt, das die Arbeit des Mannes, der sein Alter lieber für sich behält, prägt, dann genau das: Er weiß oft nie genau, wo er hinmöchte, wirkt rastlos, planlos, ziellos, biegt mal hier, mal dort ab – weiß aber eigentlich ganz genau, was er tut und kommt am Ende genau dort an, wo er hingehört. „Von außen betrachtet, könnte man glauben, dass meine musikalische Karriere eine ziemliche Irrfahrt ist“, sagt er, „aber jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, an dem sich herausstellt, dass die Irrfahrt doch keine war, sondern, dass all diese unterschiedlichen Erfahrungen und Eindrücke nötig waren, um da hinzukommen, wo ich jetzt bin.“

Ein Junge, der sang, bevor er sprechen konnte

Ein roter Faden in seinem Leben war und ist allerdings immer die Musik. „Die erste Erinnerung, die ich habe, ist die, wie ich als kleines Kind vor einer Musikbox stehe“,  sagt er, „mein Leben fängt mit Musik an. Ich habe Melodien gesungen, als ich noch nicht sprechen konnte.“ Er kommt in Stuttgart zur Welt, wächst in Möhringen auf. Seine Familie zieht nach Böblingen, als er zwölf ist. Und kurz danach wechselt er auf ein Musikinternat in Rottenburg. Sechs Jahr lang eignet er sich dort musikalisches Basiswissen an und lernt singen. Davon profitiere er heute zwar noch, „ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich sehr oft genau so singe, wie man es nicht beigebracht bekommt“.

Vergangenheit als Sänger einer Rockband

Tatsächlich scheinen all die musikalischen Ab- und Umwege, auf die sich Dews Pegahorn, der inzwischen im Stuttgarter Osten lebt, begeben hat, in seiner Musik zusammen zu finden: dass er zunächst vor allem mit Hip-Hop aufwuchs (der erste Song, den er richtig gut fand, war 2Pacs „Picture Me Rollin’“), dass er später auch mal Frontmann einer Rockband war, dass er im Internat dazu ermuntert wurde, über den Pophorizont hinaus zu schauen. „Von der klassischen Musik kann man lernen, wie man verschiedene Melodien übereinander legt, welche Töne man einfügen kann, um eine Spannung zu erzeugen, die man dann im nächsten  Akkord, der nicht einfach nur aus drei Tönen besteht, wieder auflöst“, sagt er.

Musikalben sind wie Wohnzimmer

Die Musik, die er jetzt macht, bezeichnet er selbst als Goth New Wave. In seinen Songs treffen wie in „Runnin’“ verschwommene Gitarrenriffs und zackige Beats aufeinander. Zwischen Melodien und Harmonien, die zwar poppig sind, sich aber nie dem Mainstream anbiedern, lauern manisch-depressive Storys. Und in Zeiten von Spotify, in denen Alben an Bedeutung verlieren und einzelne Singles immer wichtiger werden, outet er sich als Fans des altmodischen Album-Formats, weil dieses eher die Möglichkeiten bietet, künstlerisch konzeptionell zu arbeiten: „Man kann sich gute Songs wie einzelne schöne Möbelstücke vorstellen“, sagt er, „und erst wenn diese auf einem Album zusammenkommen, ergänzen sie sich, und am Ende entsteht ein gut eingerichtetes Wohnzimmer.“

Lieber Tiefkühltruhe als Lamborghini

Zwar muss man auf das erste Album von Dews Pegahorn wahrscheinlich noch ein bisschen warten, aber er arbeitet gerade intensiv an neuer Musik, die bald als EP erscheinen wird. Der Titel, „The Prologue“, deutet einmal mehr an, dass dieser Mann auf der Durchreise ist: „Ich will, dass die EP eine Art Vorwort ist für das, was noch kommen kann.“ Und obwohl er sich auf der einen Seite auf einer musikalischen Entdeckungsreise befindet, die etwas von einer Irrfahrt hat, ist er auf der anderen Seite längst dort angekommen, wo er hin will: „Ich wusste schon als Vierjähriger, dass ich einmal von der Musik leben möchte“, sagt er.

Als ihn ein Freund kürzlich gefragt hat was er sich kaufen würde, wenn er endlich richtig viel Geld mit der Musik verdienen würde, hat Pegahorn nicht etwa von einem Lamborghini oder einem anderen teuren Auto geschwärmt, sondern von einer Tiefkühltruhe, die immer mit Burgern und anderem Junk-Food gefüllt ist. „Doch auch wenn ich daran vielleicht noch arbeiten muss, mache ich doch bereits genau das, was ich machen will. Was will man mehr?“

Dews Pegahorn x Sound of Stuttgart x About Pop

Konzert
Dews Pegahorn spielt an diesem Donnerstag, 13. Februar, im Rahmen des Festivals Sound of Stuttgart im Stadtpalais. An dem Konzertabend, der um 20 Uhr beginnt, gibt es außerdem einen Auftritt von Nuria Noba. Im Anschluss legt Señor Azul auf.

Festival 1
 Die Veranstaltungsreihe Sound of Stuttgart will die musikalische Vielfalt zeigen, die die Stadt zu bieten hat. Am 14. Februar treten dann im Stadtpalais zum Beispiel die Rikas auf, am 15. Februar stimmen dort ein Pop-Talk und ein Konzert auf das Festival About Pop ein.

Festival 2
Bei der About Pop werden am 16. und 17. Mai 75 Bands und 150 Speakerinnen und Speaker in 24 Locations in der Stadt erwartet. Es gibt zum Beispiel Auftritte von Trentemøller, Alice Phoebe Lou, Fuffifuffzich, Ildikó, Sex im Dunkeln und Dews Pegahorn.