EBM-Papst hat in Farmington im US-Bundesstaat Connecticut eine eigene Fabrik Foto: EBM-Papst

Nach Meinung des Maschinenbauers Trumpf war die europäische Währung bisher unterbewertet. Die Unternehmen mache ihre Pläne nicht von kurzfristigen Kursschwankungen abhängig. Zudem kann eine lokale Produktion etwa im Dollarraum diese abmildern.

Stuttgart - Der Höhenflug des Euro wird in den Chefetagen der südwestdeutschen Unternehmen genau beobachtet. Was sich derzeit an den Devisenmärkten abspielt, ist aber nicht nur nach Meinung des Maschinenbauers Trumpf noch keineswegs Anlass zur Panik. „Der Euro bewegt sich jetzt wieder langsam auf ein normales Maß zu“, heißt es bei dem Ditzinger Unternehmen. „In letzter Zeit war er unterbewertet“.

Verschwiegen wird bei den baden-württembergischen Unternehmen keineswegs, dass ihnen der günstige Euro-Kurs zuvor genutzt hatte. Renate Pilz, die geschäftsführende Gesellschafterin beim Automatisierungsspezialisten Pilz aus Ostfildern räumt ein: „Als exportorientiertes Unternehmen haben wir in der Vergangenheit von der Euroschwäche profitiert.“

Der Wechselkurs ist nur eine Komponente für die Wettbewerbsfähigkeit

„Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit ist der Eurokurs nur eine Komponente,“ meint Dietrich Birk, Geschäftsführer des Branchenverbandes VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) in Baden-Württemberg. Der Eurokurs sei auch schon früher mal etwas höher gewesen, „dass er dann gesunken ist, hat uns geholfen“. Wichtiger als der aktuelle Kurs sei die weltweit steigende Nachfrage nach Maschinen, auch aus dem deutschen Südwesten: „Wir haben Wachstum in den Industrieländern, aber auch in verschiedenen Schwellenländern, das ist positiv für den Export“. Bisher jedenfalls könnten die Unternehmen „,mit dem gestiegenen Eurokurs noch gut umgehen“.

Bosch produziert lokal und kauft auch lokal ein

Ein Grund dafür ist, dass sie auch in den USA oder anderen Ländern des Dollar-Raums produzieren. „Bosch setzt auch darauf, lokal einzukaufen und lokal zu produzieren“, sagt eine Sprecherin des Stuttgarter Unternehmens. Dies sei „aus unserer Sicht die beste Strategie, um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern“. Auch der Getriebehersteller ZF aus Friedrichshafen produziert, „wie die meisten Zulieferer relativ nah am Kunden“ – also auf fernen Märkten jenseits des Euroraums. Und „oft wird in diesen Ländern, in denen wir Produktionsstätten haben, auch eingekauft“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens vom Bodensee – Wechselkurse spielen in solchen Fällen dann keine Rolle.

Bei Kärcher halten sich positive und negative Effekte die Waage

Beim Reinigungsgerätehersteller Kärcher aus Winnenden heben sich zumindest im Augenblick Vor- und Nachteile des höheren Eurokurses auf: „Der höhere Kurs macht sich bemerkbar in günstigeren Wareneinkäufen aus dem Nicht-Euroraum, was sich positiv auf die Herstellkosten der Produkte aus Europa auswirkt“, ist von Kärcher zu erfahren. „Auf der anderen Seite sorgt der starke Euro aber für eine Verteuerung der Kärcherprodukte im Nicht-Euroraum.“ Ähnlich sieht dies auch der Motorsägenhersteller Stihl: „Der Großteil unserer Exporte geht in den Euroraum“, erklärt das Waiblinger Unternehmen. „Beim Einkauf können gleichzeitig Währungsvorteile genutzt werden.“ Dank eines weltweiten Fertigungsverbundes mit Fabriken in sieben Ländern könnten Auswirkungen von Wechselkursschwankungen zudem teilweise ausgeglichen werden. Auch mit noch deutlich höheren Eurokursen wie dem aktuellen sei Stihl dank dieses Fertigungsverbundes früher zurechtgekommen.

Anders als Devisenhändler lassen sich produzierende Unternehmen nicht von kurzfristigen Veränderungen der Wechselkurse leiten: „Die Geschäftsentwicklungen von Bosch sind grundsätzlich langfristig ausgerichtet und nicht von kurzfristigen Entwicklungen wie Wechselkursen abhängig“, sagt die Sprecherin – eine Strategie, die nicht nur für die Stuttgarter gilt.

Trumpf baut in Chicago eine Schaufabrik für Industrie 4.0

Auch der Ventilatorenhersteller EBM-Papst aus dem hohenlohischen Mulfingen gehört zu den südwestdeutschen Unternehmen mit einer außerordentlich hohen Exportquote – wobei ein großer Teil allerdings in den Euroraum geht. An einer Diskussion über eine „Schmerzgrenze“ bei der Stärke des Euro aber will sich Hans Peter Fuchs, der Geschäftsführer für Finanzen und Controlling nicht beteiligen: „Wir definieren keine Schmerzgrenze“, sagt Fuchs. „Es muss immer unser Ziel sein, unabhängig vom jeweils gültigen Kurs wettbewerbsfähig zu sein“. Dass man weit in die Zukunft blickt., zeigt auch Trumpf: In der kommenden Woche eröffnet der Maschinenbauer in Chicago eine Schaufabrik zum Thema „Industrie 4.0“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: