Julius Stockert bei seiner Stippvisite in Pleidelsheim Foto: Werner Kuhnle

Julius Stockert hat zum achten Mal die elend lange Strecke von Eckernförde nach Pleidelsheim auf dem Fahrrad zurückgelegt. Und etliche Weggefährten gefunden.

„Da drüben habe ich zehn Jahre lang gewohnt“, sagt Julius Stockert und deutet auf eine Straße im historischen Teil Kornwestheims. Das ist allerdings schon eine Weile her, von 1979 bis 1989 sei das gewesen, berichtet der agile Senior in kurzen Hosen und Sandalen, dem man seine 88 Jahre nicht ansieht. Jetzt ist er allerdings nur auf der Durchreise von Pleidelsheim, wo seine Enkelin wohnt, nach Plattenhardt, dem Wohnort einer seiner beiden Töchter.

 

Überhaupt ist es nur ein sehr kurzer Aufenthalt in seiner früheren Heimat im Schwäbischen. Am Tag vorher ist er angekommen, am Tag nach dem Verwandtenbesuch auf den Fildern geht es schon wieder zurück nach Schleswig-Holstein. Dort ist er aufgewachsen und nach Jahrzehnten im Schwabenland wieder ins elterliche Haus zurückgekehrt, als seine Mutter Pflege brauchte.

Den Anfang hat er mit einem Damenfahrrad gemacht

Die mehr als 1000 Kilometer lange Strecke hat er schon achtmal seit Beginn der 2000er Jahre mit dem Fahrrad zurückgelegt. „Am Anfang war das noch auf einem Damenrad mit Nabenschaltung und sieben Gängen“, lacht Stockert. Seit Anfang der 2020er Jahre – da war der 1936 in Eckernförde Geborene immerhin schon Mitte 80 – habe er aber ein E-Bike, das erleichtere die weite Anreise per Drahtesel doch erheblich. „Ich bin eben süchtig nach Radfahren“, schmunzelt der Langstreckenfahrer, der in Schleswig-Holstein auch mal 60 Kilometer von Eckernförde nach Kappeln an der Schlei und zurück radelt, wenn am Ende der Strecke die Aussicht auf ein leckeres Matjesbrötchen lockt.

Seine Kornwestheimer Kollegen von früher – „das war eine ganz internationale Truppe“ – hätten wohl kaum vermutet, dass er später einmal so weite Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen würde. Hier war er nämlich bei der Spedition Dachser 16 Jahre lang als selbstständiger Lastwagenfahrer auf den Autobahnen unterwegs und nicht wie jetzt zum Beispiel auf den oft parallel verlaufenden Radwegen.

Nachdem er 1989 seine Tätigkeit im Schwäbischen aufgab, hatte er eigentlich versprochen, die Strecke zurück nach Eckernförde mit dem Fahrrad zurückzulegen. Daraus wurde aber nichts. Es dauerte schließlich eine ganze Weile, bis er sein Versprechen einlösen konnte.

In acht Tagen einmal längs durch die Republik

Anfang der 2000er Jahre war es so weit. Für die gesamte Strecke brauchte er selbst mit dem Rad einfacher Bauart nur etwa acht Tage, bei Tagesetappen von mindestens 100 Kilometern. Außer auf der diesjährigen Tour habe er einfach immer auf gut Glück direkt vor Ort eine Unterkunft gebucht, das habe auch immer gut funktioniert, berichtet der Radfahrer. Im Lauf der Zeit hat er Streckenabschnitte entdeckt, die er besonders gern fährt. Dazu gehört auf alle Fälle der Radweg entlang der Weser.

Dort hat er 2021 Freundschaft mit einem anderen Langstrecken-Begeisterten geschlossen. Walther Wärthl aus dem mittelfränkischen Velden war per pedes mit dem nötigsten Gepäck auf einem Kinderwagen ebenfalls am Fluss unterwegs. Die beiden sportlichen Männer verstanden sich trotz der verschiedenen Dialekte sofort. Der begeisterte Wanderer Wärthl ist unter anderem schon von seiner Heimat zum Nordkap gelaufen. Vor zwei Jahren hat Julius Stockert seine Tour noch um 250 Kilometer verlängert und Wärthl in seiner Heimat an der Pegnitz besucht.

Wie bleibt man im hohen Alter fit? Da muss Julius Stockert nicht lange überlegen. „Viel Spätzle essen“, lacht er. Im hohen Norden täten es zur Not allerdings Gemüse, Kartoffeln und Fisch. Alkohol und Zigaretten? Die hätten bei seiner früheren Tätigkeit als Dachdecker einfach dazugehört. „Bier sowieso, beim Richtfest gern auch noch jede Menge Schnaps.“ Er hat vor 30 Jahren beschlossen, damit aufzuhören. Das hat funktioniert, von jetzt auf nachher? „Klar, wenn ich mir etwas vornehme, mache ich das“.