Die Comiczeichner Jonas Greulich, Titus Ackermann und Thomas Gronle (von links) während der Aufbauarbeiten für ihre Ausstellung Foto: factum/Simon Granville

Das skurrile Fleischermuseum in Böblingen bekommt eine neue Sonderausstellung: Dazu haben die drei Comiczeichner von Moga Mobo im Schlachthof, in der Jägersprechstunde und im Retortenfleischzuchtlabor geforscht und ihre Erlebnisse künstlerisch verarbeitet.

Böblingen - Im Deutschen Fleischermuseum in Böblingen herrscht emsiger Betrieb. Kartons werden zurecht geschnitten, Lampions besprüht und bunte Klebestreifen als Leitlinien auf der Treppe angebracht. Selbst eingefleischte Fans werden das Museum kaum noch wiedererkennen. Denn die Dauerausstellung muss für geraume Zeit der Sonderausstellung weichen. „Nach 35 Jahren ist es in Ordnung, die alten Stücke zur Seite zu räumen“, sagt der Museumsleiter Christian Baudisch.

An den Wänden sind die gerahmten Comics der Künstler zu sehen, die die Gratis-Comic-Hefte Moga Mobo herausbringen. Die drei Künstler selbst legen letzte Hand an die von ihnen gestalteten Räume zum Thema „Das ewige Fleisch. Töten Leben Glauben“. Denn die Eröffnung steht kurz bevor und die Aufregung ist in jedem Raum zu spüren. „Die neue Ausstellung verbindet alles, worum es bei diesem Museum geht: um das Fleischerhandwerk, aber auch um Humor, Leidenschaft, um Kunst und um Wissenschaft“, sagt Baudisch voller Begeisterung. Natürlich bleibe auch die Skurrilität des Museums erhalten: „Wir wollen nicht so tun, als wäre es völlig normal, dass wir hier in Böblingen ein Fleischermuseum haben. Das ist schon mit einem Augenzwinkern zu sehen“, sagt Baudisch.

Skurrilität des Museums verbunden mit Kunst und Geschichte

Doch auch der Kunst, die unter Baudischs Vorgängerin Einzug in das Museum hielt, will Baudisch weiterhin einen Raum bieten– allerdings mit Bezug zum eigentlichen Thema des Museums. „In der Vergangenheit waren Museum und Kunstausstellungen zwei voneinander abgegrenzte Bereiche. Das wollte ich ändern“, sagt der Museumsleiter, der vor zwei Jahren die Regie im Vogtshaus am Marktplatz übernahm. Die Idee, ein Comic-Heft zum Thema Fleisch herauszubringen und den Comics eine Sonderausstellung zu widmen, hatte Baudisch, weil er selbst ein Fan von Moga Mobo ist.

Die kostenlosen Hefte erschienen vor 25 Jahren zum ersten Mal in Stuttgart. Damals wollten die Künstler jeden Monat ein Heft herausbringen und sie gratis unter die Leute bringen. Inzwischen wohnen die drei Comiczeichner Jonas Greulich, Titus Ackermann und Thomas Gronle in Berlin, doch die Comics erscheinen immer noch – zwar unregelmäßig, aber dafür in unterschiedlichsten Formaten und zu verschiedensten Themen.

Reportagegeschichten im Comic

Für die Idee mit dem Fleisch-Comic konnten sich die drei schnell erwärmen. „Es war eine tolle Einladung für uns. Generell machen wir nur Comics zu Themen, die uns interessieren“, sagt Titus Ackermann, der in einem Raum darstellt, wie groß der Anteil von Biofleisch am gesamten Fleischkonsum ist. Besucher erfahren, dass der Anteil nur bei 1,4 Prozent liegt. Für den Comic, der in neun Geschichten gegliedert ist, haben die drei Künstler intensiv recherchiert. „Wir machen keine fiktiven, sondern Reportagegeschichten“, sagt Titus Ackermann.

Jonas Greulich war beispielsweise mit Christian Baudisch auf einem Schlachthof. „Ich hatte vorher aus Angst nichts gegessen. Wie hätte das ausgesehen, wenn sich der Chef des Fleischermuseums beim Schlachten übergibt?“, verrät Baudisch. Tatsächlich sei aber nichts dergleichen passiert. Das beweist auch der Blick in den Comic, in dem Baudisch in der Schlachthof-Geschichte verewigt wurde.

Mit der Sonderausstellung will er frischen Wind in das Museum bringen, dessen Dauerausstellung ein bisschen angestaubt war. Zu sehen sind die Exponate jedoch immer noch durch eine verglaste Tür in der „Schatzkammer“, wie Baudisch sie nennt. Nach der Sonderausstellung sollen sie wieder einen Platz im Museum finden – allerdings in neuer Aufmachung.

Deutsches Fleischermuseum:

Geschichte : Das Deutsche Fleischermuseum ist bundesweit das einzige, das sich mit der Geschichte des Fleischerhandwerks befasst. Im Jahr 1984 eröffnete das Museum in einem Vogtshaus am Marktplatz in Böblingen.

Öffnungszeiten : Das Museum hat von Mittwoch bis Freitag von 15 Uhr bis 18 Uhr, am Samstag von 13  Uhr bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche ist der Besuch kostenlos.

Sonderausstellung : Die Sonderausstellung „Moga Mobo: Das ewige Fleisch. Töten Leben Glauben“ wird am Donnerstag, 18. April, um 19 Uhr im Deutschen Fleischermuseum und auf dem Böblinger Marktplatz mit einer Vernissage eröffnet. Die Comic-Hefte sind dort gratis erhältlich. Die Ausstellung wird bis zum Samstag, 19. Oktober, zu sehen sein.

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