Eingang zum Berliner Zoo – Deutschlands ältestem zoologischen Garten. Foto: dpa

In Berlin war der Zoo in vielen Jahren seines Bestehens Freizeitvergnügen und Politikum zugleich – seine Konkurrenz zum Tierpark Berlin besteht fort.

Berlin - Der älteste Tiergarten Deutschlands ist 175 Jahre alt, der Berliner Zoo. Seit 1955 konkurriert er mit dem Tierpark Berlin, seinem Pendant im Osten. Der hat aktuell den größeren Star: Eisbärkind Hertha - ein Fellknäuel zum Verlieben. Niedlich sieht es aus, schwarze Nase, Knopfaugen, helles Fell. Im Februar konnte man Hertha noch impfen, entwurmen, wiegen. Doch längst achtet ein Sicherheitsmann darauf, dass Eltern Kinder nicht über das Becken der Eisbären-Anlage halten oder am Rand klettern lassen. Alles schon passiert. Ein solcher Super-Publikumsmagnet mag Berlins West-Zoo fehlen. Dafür hat er nicht nur die längste Tradition sondern ist mit mehr als 20 000 Tieren der artenreichste der Welt.

Schrille Blüten im Kalten Krieg

Im Kalten Krieg trieb die Konkurrenz zwischen Zoo und Tierpark, die inzwischen unter gemeinsamer Führung arbeiten, schrille Blüten. Als der Regierende Bürgermeister Willy Brandt dem Zoodirektor Heinz-Georg Klös Elefanten besorgte, damit er den Ostberliner Konkurrenten Heinrich Dathe – die beiden soll auch eine tiefe persönliche Abneigung verbunden haben – übertreffen konnte, schien der Wettlauf entschieden. Als Robert Kennedy dem Zoo einen amerikanischen Weißkopfseeadler schenkte und ihn Willy Brandt nannte, wurde der zum gefundenen Fressen für die Ost-Propaganda: Brandt hinter Gittern und ziemlich lahm. Bester Stoff das alles für eine Fernseh-Serie, die gerade entsteht.

Zuletzt rüstete der Zoo mit einer Anlage für sein Panda-Paar auf. Neun Millionen Euro hat sie schon gekostet. Der Bau ist an den Chinesischen Turm von 1898 angelegt, asiatische Optik, rot, grün, Glas, viel Bambus, viel Nebel, Schautafeln. Nur der Nachwuchs fehlt - trotz künstlicher Besamung - noch. Wäre sicher zum Jubiläum an diesem Donnerstag für den Zoo ein Plus gewesen.

„Völkerschauen“ im Zoo

Zu dessen Geschichte gehört auch, dass Direktor Lutz Heck, Träger der SS-Ehrennadel, seit 1937 NSDAP-Mitglied, in seinem Jagd-Kameraden Hermann Göring einen großen Gönner fand. In den dreißiger Jahren wurden in so genannten „Völkerschauen“ auch Angehörige afrikanischer Stämme gezeigt. Ein Drittel der 4000 Zoo-Aktien gehörte jüdischen Aktionären, die enteignet wurden. Juden durften nicht mehr in den Zoo, dokumentiert aktuell eine Ausstellung im Jugendstil-Gehege der Giraffen im Antilopenhaus von 1910. Die Namenstafeln „deutscher Tiere“ versah Heck mit Hakenkreuzen. Er träumte von einer Rückzucht des deutschen „Ur-Rinds“, das dem seit rund 500 Jahren in Mitteleuropa ausgerotteten Auerochsen ähneln sollte. Solche Experimente förderte Göring persönlich. Seit 2015 fördert der Zoo unter Direktor Andreas Knieriem Stipendien israelischer Forscher: ein Zeichen der Wiedergutmachung.

Mauer in den Köpfen

Knieriems schon aus München und Hannover bekannte Handschrift zeigt sich in beiden Berliner Zoos: mehr Platz für weniger Tiere und naturnahe Aufzucht. Wobei der Tierpark wachsen kann, der rundum eingebaute Zoo aber nicht. Jan Mohnhaupt, Experte für die Geschichte der Berliner Tiergärten, sagte dem Deutschlandfunk im Februar 2017, deren Berliner Besucher sortierten sich wie einst: „Ich glaube, die Mauer in den Köpfen ist nirgendwo noch so präsent wie in der Frage Zoo oder Tierpark.“ Noch ist nicht abzuschätzen, ob Hertha daran etwas verändert hat. Oder die Pandas.

  
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