Im letzten Spiel vor der EM müht sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu einem 2:1 gegen Griechenland. Vor dem Auftakt am gegen Schottland hat Bundestrainer Julian Nagelsmann noch einige Baustellen zu bearbeiten – offensiv wie defensiv.
Es war alles andere als eine Offenbarung, am Ende ermöglichte erst ein Distanzschuss von Pascal Groß zwei Minuten vor dem Abpfiff der deutschen Nationalmannschaft in Mönchengladbach einen 2:1(0:1)-Testspielerfolg gegen Griechenland. Auf Bundestrainer Julian Nagelsmann wartet vor dem Auftaktspiel der EM am kommenden Freitag (21 Uhr) gegen Schottland noch viel Arbeit – zu enttäuschend geriet der Auftritt über 90 Minuten.
„Sieg wichtig für die Gesamtstimmung“
Nagelsmann atmete tief durch. „Der Sieg war hart erarbeitet, aber wichtig für die Gesamtstimmung.“ Bei der Generalprobe setzte er auf die Elf, die auch gegen Schottland in das Turnier starten wird. Am Freitagabend rückten die beiden Champions-League-Sieger Antonio Rüdiger und Toni Kroos in die Anfangsformation, VfB-Verteidiger Waldemar Anton blieb wie erwartet nur die Bank. Im Angriff entschied sich der 36-Jährige an vorderster Front knapp für Kai Havertz und gegen Niklas Füllkrug.
Toreschießen war angesagt, was ja beim 0:0 gegen die Ukraine das große Problem war. Gegen die nicht für die EM qualifizierten Hellenen brannte es aber zunächst vor dem eigenen Tor – und zwar lichterloh. Nach einem Fehlpass tauchte Düsseldorfs Christos Tzolis frei vor Manuel Neuer auf. Mit zwei tollen Reflexen bewahrte Neuer die DFB-Elf vor einem Rückstand (6.).
Ein Weckruf war dies aber keineswegs. Im Spiel nach vorne stotterte der Motor gewaltig. Flüssige Kombinationen wie noch gegen die Ukraine waren Mangelware. Nagelsmanns Plan, die Griechen früh unter Druck zu setzen, ging nicht auf, weil es an Tempo und Aggressivität in der Vorwärtsbewegung fehlte. An Ideen, Kreativität, Durchsetzungsvermögen. Eigentlich an allem. Vor dem vom Ex-Stuttgarter Odysseas Vlachodimos gehüteten Tor tauchten Havertz und Co. in der ersten Halbzeit lange Zeit gar nicht auf. Sinnbildlich für die Leistung der ersten Halbzeit war eine Aktion in der 27. Minute, als Jonathan Tah einen Ball unbedrängt aus fünf Metern ins Aus spielte.
Neuers Patzer – Nagelsmann will keine Diskussionen aufkommen lassen
„Das war insgesamt einfach zu fehlerhaft“, kritisierte Toni Kroos. Nagelsmann tigerte nervös durch seine Coaching-Zone, die Fans im mit 45 488 Fans ausverkauften Borussia-Park versuchten es mit aufmunternder Unterstützung. Und die Elf auf dem Platz? Offenbarte weitere, längst behoben geglaubte Schwächen. Etwa in der Konterabsicherung. Auch die erwies sich noch nicht als EM-tauglich. Immer wieder kamen die Griechen zu Überzahlsituationen in der deutschen Hälfte. Es war ein Graus.
Dem 0:1 durch Giorgos Masouras ging eine lange Fehlerkette voraus. Ein Ballverlust am eigenen Strafraum, gepaart mit halbherzigem Zweikampfverhalten mündete in einen Klops von Neuer, der einen harmlosen Schuss von Tzolis direkt vor die Füße von Masouras abwehrte. Der Angreifer musste nur noch abstauben. Neuers Blick ging ins Leere – wohlwissend, dass die Diskussionen um ihn als Nummer eins in den kommenden Tagen wieder Fahrt aufnehmen dürften. Auch wenn Nagelsmann beteuerte: „Ich lasse keine Diskussion aufkommen.“ Zur Pause hagelte es Pfiffe von den Rängen – zurecht.
Groß’ Last-Minute-Tor als Stimmungsaufheller
Nagelsmann reagierte und brachte David Raum für den unauffälligen VfB-Akteur Maximilian Mittelstädt sowie Leroy Sané anstelle von Florian Wirtz. Viel besser wurde es zunächst nicht. Statt des gewohnten deutschen Kurzpassspiels sah man viele Flanken, die für die griechische Abwehr um Konstantinos Mavropanos (ehemals VfB) zunächst kein Problem darstellten. Bis die deutsche Elf dann doch die Lücke fand. 56. Minute: Über Robert Andrich, Ilkay Gündogan und Sané lief der Ball mal schnell zu Havertz, der aus der Drehung zum 1:1 traf. Und damit Fußball-Deutschland wieder wachküsste. Plötzlich schwappte La Ola durch die Arena und kündete von nahender EM-Stimmung.
Nach dem Tor lief der Ball etwas flüssiger durch die deutschen Reihen. Richtig überzeugend geriet der Auftritt dennoch nicht, auch wenn Kroos meinte. „In der zweiten Halbzeit haben wir es deutlich besser gemacht.“ Die Defensivspezialisten Rüdiger, Tah und Andrich luden mit individuellen Fehlern Griechenland immer wieder zu Chancen ein. Eigene Möglichkeiten waren bis zum Schluss rar gesät. Bis Pascal Groß den Ball zwei Minuten vor dem Abpfiff in den Winkel jagte. Ein Tor, das die vielen Schwächen nicht überlagerte. Aber zumindest als Stimmungsaufheller dienen dürfte.