Primark-Chef Wolfgang Krogmann Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Primark, die Modemarke aus Irland, kommt nun auch nach Stuttgart. Am Donnerstag eröffnet die Billigmarke im Einkaufszentrum Milaneo einen Laden. Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann rechnet zur Eröffnung mit Protesten: „Wir wissen, dass sich eine Demo mit 150 Leuten angemeldet hat.“

Primark, die Modemarke aus Irland, kommt nun auch nach Stuttgart. Am Donnerstag eröffnet die Billigmarke im Einkaufszentrum Milaneo einen Laden. Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann rechnet zur Eröffnung mit Protesten: „Wir wissen, dass sich eine Demo mit 150 Leuten angemeldet hat.“
 
Stuttgart – Primark, die Modemarke aus Irland, kommt nun auch nach Stuttgart. Am Donnerstag eröffnet die Billigmarke im Einkaufszentrum Milaneo einen Laden. Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann rechnet zur Eröffnung mit Protesten: „Wir wissen, dass sich eine Demo mit 150 Leuten angemeldet hat.“ -
Herr Krogmann, wer ist Gerd Müller?
Fußballer, Bomber der Nation.
Pardon, wir meinen den Entwicklungsminister. Ist er für Sie ein Politiker oder ein Populist?
Ich sehe keinen Zusammenhang zu Primark. Da müssen Sie mir auf die Sprünge helfen.
Gern. Müller kritisierte, dass Näherinnen in Bangladesch nur 15 Cent für das Trikot der Nationalelf bekämen, das 84 Euro kostet.
Das ist eine politisch korrekte Aussage. Man muss sich in der Tat Gedanken machen, wo und wie Kleidung hergestellt wird.
Wie viel bekommt eine Näherin, die für Primark produziert?
Wir machen pro Shirt eindeutig weniger Gewinn. Daher müssen Sie die Frage Adidas stellen, warum die so teuer verkaufen.
Gleichwohl profitieren Sie von den günstigen Produktionsbedingungen in Asien.
Natürlich hilft es uns, unsere niedrigen Verkaufspreise zu erzielen. Aber letztlich geht es doch darum, ob die Menschen dort ordentlich behandelt werden und ob sie von ihrem Einkommen ordentlich leben können. Letzt­endlich kann man nicht die Arbeitsbedingungen in Schwellen- und Entwicklungsländern mit denen in Europa vergleichen.
2012 haben Sie in Deutschland einen Umsatz von 330 Millionen Euro gemacht – mit welchen Zahlen rechnen Sie nun?
Wir veröffentlichen keine Zahlen zu den einzelnen Ländern. Tatsache ist aber: Wir haben mehr Geschäfte als im vergangenen Jahr.
Wie viel mehr?
In Deutschland drei.
Wann haben Sie H&M eingeholt?
Ach, H&M hat 1980 in Deutschland begonnen. Die einzuholen ist schwer. Aber wenn Primark in 20 Jahren so weit ist wie H&M, dann würde ich mich freuen.
Aber Sie streben die Marktführerschaft an?
In England und Spanien sind wir gemessen an den Stückzahlen Marktführer. Es wäre schön, wenn wir das in Deutschland auch schaffen.
b>„Wir lieben den Wettbewerb“
Die Erfolgszyklen in der Modebranche sind bisweilen kurz. Abercrombie & Fitch war gestern­ hip, ist heute eher out. Fürchten Sie eine ähnliche Entwicklung?
Was machen erfolgreiche Fußballclubs?
Sagen Sie es?
Sie stellen sich immer wieder infrage und überprüfen ihr Konzept. Das Konzept von Abercrombie & Fitch hat sich in den letzten zehn Jahren nicht verändert. Wir suchen ­dagegen täglich die Herausforderung und lieben den Wettbewerb.
Das widerspricht Ihrer Vertriebspolitik. Warum haben Sie keine zeitgemäßen Online-Shops?
Wir setzen uns damit auseinander. Aber das ist ein aufwendiger Prozess. Gerade im Young-Fashion-Bereich gibt es hohe Retourenquoten. Es ist wie in der Umkleidekabine: Ich nehme acht Stück zum Probieren mit, kaufe aber nur zwei. Dieses Verhalten geht im Online-Handel auf Kosten des Unternehmens. Der Gesetzgeber in Deutschland hat das so geregelt.
Bedeutet: Unter anderen Rahmenbedingungen steigen Sie in den Online-Verkauf ein?
Wir sind nicht dagegen.
Primark erwägt einen Laden in jeder Stadt, die mehr als 200 000 Einwohner hat. Das wären rund 37 Städte. Wann ist Ihr Ziel erreicht?
Das hängt davon ab, ob wir die richtigen Flächen bekommen. Denn wir brauchen mindestens 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche, und die gibt es nicht an jeder Ecke. Wir machen also nur dann einen neuen Laden auf, wenn es sich rechnet.
Apropos Neueröffnung. In Stuttgart eröffnen Sie an diesem Donnerstag im Milaneo. Rechnen Sie wie in Berlin mit Protesten?
Wir wissen, dass sich eine Demo mit 150 Leuten angemeldet hat. Aber es wird eine Mischung­ aus Milaneo-Gegnern, S-21-Protestlern und Leuten sein, die Primark als Symbol für Konsum sehen.
Welche Erwartungen haben Sie an den Standort im Milaneo?
Stuttgart ist eine super Einkaufsstadt. Hier kann man sehr gute Geschäfte machen. Wir sind positiv gestimmt.
Trotz der pessimistischen Stimmung in der Stadt? Viele sagen, so viel Zuwachs an Verkaufsfläche durch das Milaneo und Gerber mache den Handel in der City kaputt. Haben Sie es schon bereut, in so einer Konstellation Ankermieter­ des Milaneo zu sein?
Ich kann diese Haltung verstehen. In den letzten 30 Jahren ist die Anzahl der Shopping-Center um das Fünffache gewachsen. Man muss sicher aufpassen, dass die Flächen in den Städten nicht zu sehr wachsen. Aber ich bedaure nicht, dass wir nach Stuttgart kommen. Lassen wir doch die Menschen mit den Füßen abstimmen.

„Haben ein schlankes Kostenkonzept entwickelt“

Wie geht es im Land mit Primark weiter?
Uns wird in Freiburg vieles angeboten. Da würden wir auch gerne hingehen. Aber auch Mannheim ist eine gute Stadt.
Wie schaffen Sie es, so preisgünstig zu sein? Bei Ihnen kostet das kleine Schwarze zwölf Euro, bei Zara mindestens das Doppelte.
Das müssen Sie Zara fragen. Aber wir haben keine eigenen Fabriken, sondern teilen sie mit unseren Wettbewerbern. Dort wird vergleichbare Qualität hergestellt. Zum Beispiel für H&M oder eben Zara. Wir lassen dort alle zu vergleichbaren Preisen herstellen. Aber wir haben im Gegensatz zu anderen ein schlankes Kostenkonzept entwickelt. Von der Logistik bis hin zur Verwaltung. Zudem machen wir keine Werbung. Das erlaubt uns, dass wir Waren zur Hälfte oder einem Drittel des Preises unserer Wettbewerber anbieten können.
Sparen Sie auch beim Personal?
Wir liegen deutlich über dem Mindestlohn. Wir zahlen zwischen 9,45 und 13,72 Euro Stundenlohn. Zudem haben wir 25 Prozent Vollzeitkräfte. 60 Prozent der Mitarbeiter arbeiten zwischen 18 und 24 Stunden pro Woche, der Rest sind Aushilfen, die vorwiegend am Samstag arbeiten.
Und warum sind Sie nicht tarifgebunden?
Weil dieser Tarifvertrag nicht mehr zeitgemäß ist. Er stammt aus den 1950er Jahren.
Zuletzt waren Sie mit dem Etiketten-Skandal in den Schlagzeilen. Gefälschte Hilferufe von angeblichen Textilarbeitern waren in Ihre Etiketten eingenäht. Hat das Umsatz gekostet?
Es hat uns keinen Umsatz gekostet, aber eine Diskussion befeuert, mit der wir uns in der Firma auseinandergesetzt haben. Wir haben es als Aufforderung verstanden, uns noch sorgfältiger mit diesen Dingen zu beschäftigen. Ein Teil davon ist ein von uns aufgestellter Verhaltenskodex, der sagt, wie sich Lieferanten gegenüber Mitarbeitern zu verhalten haben. Das bezieht sich auf Arbeitszeiten, Pausen, Gebäudesicherheit oder die Bezahlung. Dieser Kodex ist die Mindeststufe, an der wir weiter arbeiten.
Weiterarbeiten – gutes Stichwort. Was tun Sie gegen die Gerüche in den Märkten? Woher kommen die Gerüche – sind sie gefährlich?
Sie kommen vor allem aus der Schuhabteilung. Denn bei den Schuhen wird ein Kleber benutzt, um die Sohlen zu verkleben. Wir sind aber dabei, diese Geruchsentwicklung abzustellen. Zudem sind diese Gerüche ungefährlich.
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