Wieder ein Brand in einer deutschen Klinik: Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungssanitäter im Düsseldorfer Marien Hospital. Foto: dpa

Immer wieder kommt es – wie jetzt in Düsseldorf – zu verheerenden Bränden in Krankenhäusern und Seniorenheimen. Ist der Brandschutz in Deutschland mangelhaft? Wie wirkt sich der Personalmangel auf die Sicherheit aus? Wir haben bei einem Brandschutzexperten nachgefragt.

Düsseldorf/Stuttgart - Feuer im Marien Hospital in Düsseldorf, ein Patient stirbt, 72 Menschen werden verletzt, einige schweben noch in Lebensgefahr. Kein Einzelfall: Allein in diesem Jahr starben in Deutschland sieben Menschen durch Brände in Krankenhäusern und Seniorenheimen.

Wir sprachen mit André Gesellchen, Brandschutzexperte beim Kölner Fachmagazin „Feuertrutz“ über den Brandschutz und die Sicherheit in deutschen Kliniken und Seniorenheimen.

Herr Gesellchen, der Bundesverband Technischer Brandschutz (BVfA) listet in seiner Statistik für jedes Jahr durchschnittlich 50 Brände in deutschen Krankenhäusern und noch sehr viel mehr in Senioren- und Altenpflegeeinrichtungen auf. Wird zu wenig in den Brandschutz investiert?

Man muss sehen, wie viele Einrichtungen es in Deutschland gibt. Die Zahl der Brände, wenn man diese geballt sieht, ist zunächst erschreckend. Die durchschnittlich ein bis acht Brandtoten in deutschen Krankenhäusern pro Jahr sind aber „überschaubar“ – so tragisch jeder Einzelfall natürlich ist. Es gibt die in Fachkreisen viel diskutierte Forderungen, dass jedes Zimmer mit einem Sprinkler ausgerüstet wird.

Sprinkleranlagen in Kliniken sind in den Bundesländern, die für den Brandschutz zuständig sind, nicht gesetzlich vorgeschrieben. Warum?

Rauchwarnmelder sind in vielen Gebäuden Pflicht. Das ist eine extrem wirksame Methode, um Menschenleben zu retten – bei einem überschaubaren finanziellen Aufwand. Bei einer Sprinkleranlage sieht das ganz anders aus. Das ist extrem teuer in der Installation, Wartung und Instandhaltung. Deswegen sagt der Gesetzgeber: Eine Sprinkleranlage muss nicht in jedem Patientenzimmer eines Krankenhauses installiert sein.

Obwohl Sprinkler deutlich mehr Sicherheit bieten.

Gesetzlich hat man in Deutschland einen Flickenteppich. Es gibt eine Musterbauordnung und in jedem Bundesland eine Landesbauordnung, für Krankenhäuser eine Krankenhausrichtlinie, die die Bundesländer einzeln einführen und verändern können. Es gibt keine bundesweit geltenden Standards.

Und es hängt – wie Sie schon erwähnten – am Geld?

Sprinkler können einen Brand sehr früh eindämmen. Aber im Brandschutz wie in vielen Bereichen leben wir mit einem gesellschaftlich akzeptierten Restrisiko. Dieses Niveau muss immer wieder neu von allen Beteiligten ausgehandelt werden.

Wir könnten sehr viel sichere Krankenhäuser bauen als wir vor allem im Altbestand haben. Wir könnten auch alle älteren Kliniken für hohe Summen sehr viel sicherer machen. Aber selbst damit würden wir keine absolute Sicherheit erreichen. Letztlich ist es in jedem Lebensbereich – auch etwa beim Autofahren – eine Abwägung, die wir treffen.

Lesen Sie hier: Deutschland – Brandschutz in Krankenhäusern – Wenn Kliniken zur Feuerfalle werden

Was kostet eine Brandschutz-Nachrüstung in Krankenhäusern mit Sprinklern?

Genaue Zahlen habe ich nicht. Aber es ist teuer. Man müsste die ganzen Decken aufmachen, eine Wasserzufuhr und Pumpen in den Kellern schaffen. Das ist eine große Baumaßnahme für ein Krankenhaus, das im Betrieb ist. Und dann noch die Folgekosten mit jährlichen Wartung – das schlägt sich ganz schön in den Bilanzen nieder.

Heißt das, Sicherheit ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit?

Das, und eine Frage des Schutzziels, das erreicht werden soll. Ob eine Sprinkleranlage die Leben der Patienten in dem Raum retten könnte, in dem das Feuer ausgebrochen ist, ist nicht sicher. Denn sie löst aus, wenn schon viel giftiger Rauch in der Luft ist.

Das größer Werden des Feuers und das Ausbreiten auf weitere Räume könnte man durch eine Sprinkleranlage aber gut verhindern. Allerdings sorgen dafür auch schon Brandschutzwände und Türen und die schnell eintreffende Feuerwehr. Die Frage muss differenziert betrachtet werden.

Und wie steht es um die Personalsituation in Kliniken und Seniorenheimen? Oft ist eine Pflegekraft nachts für 40 und mehr Patienten zuständig. Ist die nicht noch brandgefährlicher als fehlende technische Installationen?

Das ist die Realität: gerade nachts in allen Krankenhäusern und Pflegeheimen, minimale Personalbesetzung aus Kostengründen. Das ist es im Ernstfall überhaupt nicht zu leisten, eine große Zahl bettlägeriger Patienten zu retten.

Stellen Sie sich eine Intensivstation mit Personen vor, die an lebenserhaltenden Maschinen hängen. Da braucht man schon zwei Leute und ein paar Minuten, um einen Patienten zu bewegen.

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