Die Bevölkerungsentwicklung wird Deutschland vielleicht für immer in zwei Teile trennen, kommentiert Berlin-Korrespondentin Katja Bauer.
Berlin - Es ist eine Zahl, die vielleicht mehr über einen wichtigen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland sagt, als jede Umfrage: Die Zahl der Einwohner in den Flächenländern des Ostens ist 30 Jahre nach dem Fall der Mauer auf den Stand des Jahres 1905 zurückgefallen. Gleichzeitig leben auf dem Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik so viele Einwohner wie nie zuvor.
Der Osten blutet regelrecht aus
Das Überraschendste an dieser Entwicklung ist, dass sie in dieser Schärfe bisher nicht diskutiert wurde, mitsamt den daraus erwachsenden Folgen. Zwar veröffentlicht die Bundesregierung jedes Jahr ihren Bericht zum Stand der Einheit und betet das Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse her. Aber die langfristige Perspektive des Ifo-Instituts zeigt ein unterschätztes Problem: zwei Ereignisse in der deutschen Geschichte haben zu massiven demografischen Brüchen geführt, und dazu gehört nicht nur die Teilung, sondern auch die Wiedervereinigung mit ihren vielleicht inzwischen blühenden, aber leeren Landschaften. Der Osten blutet regelrecht aus. Und jeder, der dort lebt, spürt, was die Forscher in Zahlen zeigen: eine Umkehr ist nicht in Sicht. Auf der Suche nach Gründen für die resignativen Gefühlen des Abgehängtseins in manchen Teilen Ostdeutschlands könnte die Politik hier fündig werden.