Deutschland baut Cyber-Armee auf Täglich 3500 Angriffe auf die Bundeswehr

Von Bärbel Krauß 

Staatssekretärin Katrin Suder schätzt die Bedrohung als sehr ernst ein. Foto: dpa
Staatssekretärin Katrin Suder schätzt die Bedrohung als sehr ernst ein. Foto: dpa

Hackerattacken gelten bei der Bundesregierung als die größten Sicherheitsprobleme derzeit. Jetzt wird dagegen massiv aufgerüstet. Ein eigener Truppenteil wird sich damit befassen.

Berlin - Bedrohungen aus dem Internet und dem Cyber-Raum sowie Personalsorgen sind nach Auffassung des Verteidigungsministeriums aktuell die größten Problem- und Aufgabenfelder der Bundeswehr. Das erklärte Verteidigungsstaatssekretärin Katrin Suder bei einer hochrangigen Veranstaltung über Deutschlands Cyber-Sicherheit in Berlin. Täglich würden etwa 3500 substanziellere Angriffe auf Rechner, Netze und die Infrastruktur der deutschen Streitkräfte registriert, sagte Suder. Hinzu kämen komplexe und länger andauernde Angriffe (sogenannte „advanced persistent threats“). In den ersten neun Wochen dieses Jahres hat allein die Truppe offenbar bereits 284 000 Angriffsversuche aus dem Netz registriert. Diese Zahlen nannte Generalleutnant Ludwig Leinhos, der Chef der neu aufgebauten Cyber-Einheit der Bundeswehr, die an diesem Mittwoch in Dienst gestellt wird.

Frankreich und Großbritannien gehen voran

Hacker- und Cyber-Angriffe auf öffentliche und private Computer gehören zum Alltag. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland mehr als 62 Millionen Hackerangriffe jährlich stattfinden, davon neun Millionen der ernsteren Sorte. „Es ist keinerlei Science-Fiction mehr, sondern bittere Realität“, erklärte Staatssekretärin Suder. „Wenn man Informationstechnologie, Digitalisierung und damit eben auch deren Schutz hinkriegen will, muss man IT-Architektur aus einer Hand designen, sie zukunftssicher und fest machen und auch gegen Attacken schützen.“ Nach ihrer Einschätzung kann die Bundeswehr hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Allerdings sind die deutschen Streitkräfte nicht die ersten in Europa, die eine eigene Truppe für die Cybersicherheit aufstellen. Laut Thomas Wrießnig, dem Vizepräsidenten der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, haben Briten und Franzosen bereits solche Militäreinheiten auf den Weg gebracht.

Bundeswehr konnte bisher alle Angriffe abwehren

Bisher konnte die Bundeswehr Attacken aus dem Internet offenbar gut abwehren. „Wir sind erstaunlich robust“, sagte die Staatssekretärin, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in ihr Haus geholt und mit allen Rüstungsfragen betraut hat. „Ich bin darüber auch selbst überrascht, weil diese Gefährdungen mich wirklich nervös machen.“ Ein Hacker-Angriff, wie er im vergangenen Jahr auf den Bundestag erfolgt ist, ist nach ihren Worten auch bei der Bundeswehr probiert worden. „Aber das hat bei uns nicht geklappt.“ Dennoch bezeichnete die Verteidigungsstaatssekretärin die Situation als „ernst. Wir sehen die ganze Bandbreite von Attacken, die im Cyber-Raum möglich sind.“

Ab Mittwoch wird das Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) mit einem Stab von 260 Mitarbeitern in Dienst gestellt. Bis zum 1. Juli werden ihm 13 500 bereits vorhandene Mitarbeiter der Bundeswehr unterstellt; er soll aber weiter ausgebaut werden. Deshalb sucht die Bundeswehr händeringend Fachpersonal.

Lesen Sie jetzt