Nach Boateng (links) hat auch Bastian Schweinsteiger (rechts, neben Arne Friedrich) einen Rüffel für sein Verhalten bekommen. Foto: dpa

Bundestrainer verpasst Rechtsverteidiger Rüffel für Vergnügen mit Model – auch Schweinsteiger in der Kritik.

Danzig - Es sind frohe Botschaften und hübsche Fotos, die der Deutsche Fußball-Bund in diesen Tagen aus seinem Quartier in Danzig in die Welt schickt. Mal rühmt er sein Umweltbewusstsein, mal übergibt Teammanager Oliver Bierhoff einen Scheck an eine gemeinnützige Einrichtung, am Donnerstag ließ sich Kapitän Philipp Lahm mit benachteiligten Kindern ablichten, die von der Spende eines Sponsors profitieren. Schöne, heile Welt. Doch die Bilder täuschen.

Hinter den Kulissen gärt es, noch ehe die deutsche Mannschaft am Samstag (20.45 Uhr/ARD) im ukrainischen Lwiw ihr Auftaktspiel gegen Portugal bestreitet. Joachim Löw, der Bundestrainer, ist jedenfalls alles andere als amused. Im Zentrum steht Jérôme Boateng, der sich in der Nacht vor dem Abflug der Nationalelf am Montag nach Danzig in einem Berliner Hotel mit dem Fotomodel Gina-Lisa Lohfink getroffen hatte. „Dass es mir nicht gefallen hat, was am vergangenen Wochenende war, ist selbstverständlich“, rüffelte der Bundestrainer den Verteidiger von Bayern München.

Für den Boulevard ist das Treffen ein gefundenes Fressen. „Bild“ druckte Fotos ab, die den zweifachen Familienvater Boateng mit dem It-Girl in einer Hotelbar zeigen. „Jérôme Boateng hat gehört, dass ich in der Stadt bin, wollte mich unbedingt kennenlernen. Wir haben uns um 2 Uhr früh in der Bar meines Hotels getroffen und sind dann später zu dritt auf mein Zimmer“, sagte Gina-Lisa Lohfink. Danach habe man sich „nur unterhalten“, fügte das Model hinzu, das zuletzt mehrmals Schlagzeilen machte – unter anderem als Lebensabschnittsgefährtin des VfB-Profis Arthur Boka, mit Nacktaufnahmen im „Penthouse“ und Adoptionsplänen mit Frederic Prinz von Anhalt.

„Er muss in der Lage sein, sich in den nächsten Wochen zu zerreißen“

Im Kreis der Nationalmannschaft sorgten die Fotos indes für manche Diskussion, bei Löw lösten sie sichtlich Verärgerung aus. Er drohte Boateng indirekt sogar mit dem Entzug seines Platzes in der Startelf gegen Portugal und brachte Lars Bender als mögliche Alternative für die rechte Abwehrseite ins Spiel. Der Leverkusener, der noch nie auf dieser Position gespielt hat, habe ihn nun mehrmals im Training überzeugt, betonte Löw: „Bei ihm sehe ich ein großes Potenzial. Er gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich ihn dort jederzeit bringen kann.“

Löw setzt damit ein Druckmittel ein, plant jedoch weiter mit Boateng. Allerdings erwartet er nun besonders viel von dem Münchner, der zum Auftakt als direkter Gegenspieler den Weltstar Cristiano Ronaldo ausschalten soll: „Ich habe mit Jérôme und der Mannschaft über den Vorfall gesprochen. Selbstverständlich hat er eine Bringschuld. Er muss in der Lage sein, sich in den nächsten Wochen zu zerreißen.“

Vor Löw hatten die DFB-Vizepräsidenten Rolf Hocke, Hans-Dieter Drewitz und Hermann Korfmacher den Ausflug Boatengs ­gerüffelt. „Eine optimale Vorbereitung auf ein Turnier sieht für mich möglicherweise anders aus als im Fall Boateng“, sagte Hocke. Auch Bastian Schweinsteiger, der am vergangenen Wochenende mit seiner Freundin Sarah auf Capri in Liegestühlen abgelichtet worden war, geriet in die Kritik.

Im dessen Fall sei er sogar von der eigenen Ehefrau beim Frühstück angesprochen worden, sagte Hocke. „Die Verantwortung für seinen Capri-Trip trägt die medizinische Abteilung der Nationalmannschaft. Wenn Schweinsteiger sich bei der EM optimal präsentiert, heißt es, die Entscheidung war richtig. Wenn nicht, wird die Diskussion in die entgegengesetzte Richtung gehen“, erklärte Hocke, der auch Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbands ist.

Teammanager Oliver Bierhoff wies darauf hin, dass man die Fälle Schweinsteiger und Boateng nicht in einen Topf werfen könne. „Das kann man nicht vergleichen. Bastian hat in Absprache mit dem Bundestrainer diesen Urlaub angetreten und dort auch sein Trainingsprogramm gemacht. Das beschäftigt mich und die sportliche Leitung nicht.“ Über Boateng sagte er: „Wir haben den Spielern gesagt, dass sie in dieser Zeit besonders beobachtet werden. Das ist klar, darauf müssen sie achten.“

Kapitän Philipp Lahm betonte unterdessen, dass die Paparazzi-Fotos weder Boateng noch Schweinsteiger belasten werden: „Ich bin sicher, dass beide ihre Leistungen bei diesem Turnier abrufen werden.“

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