Die Organisatoren des bundesweit beachteten Wandertreffs Anfang August hoffen, dass die meisten der mehreren Zehntausend Gäste mit dem öffentlichen Nahverkehr kommen. Aber es gibt eine Einschränkung.
Das Zentrum liegt ganz im Westen. Wenn an fünf Tagen Anfang August Zehntausende von Menschen aus der ganzen Republik ihre Schnürstiefel einpacken und ins Remstal pilgern, dann steht Fellbach als Deutsche Wandertagshauptstadt im Mittelpunkt. Hier finden die offiziellen Termine mit Gremiensitzungen des Deutschen Wanderverbands, mit Workshops und Fachvorträgen, mit der Tourismusbörse in der Schwabenlandhalle statt. Davor, auf dem Guntram-Palm-Platz, gibt es das Festival „Genuss im Park“ mit viel Musik, mit Familienprogramm und gastronomischer Verpflegung sowie edlen Rebensäften der Fellbacher Wengerter. Und hier, im Wander-Hotspot, endet auch das Ereignis mit einem großen Festumzug durch Fellbachs Gassen an einem Sonntagnachmittag.
Mehr als 30 000 Wanderer werden erwartet
Doch gibt es neben Fellbach eine Vielzahl weiterer attraktiver Wanderziele. Schließlich beteiligt sich die ganze Region entlang des Flüsschens zwischen Essingen im Osten und der Mündung in den Neckar in Remseck ganz im Westen am 121. Deutschen Wandertag von Mittwoch, 3., bis Sonntag, 7. August, im Remstal. Ein Ziel ist dabei, die von Albvereinspräsident Hans-Ulrich Rauchfuß prognostizierten insgesamt mehr als 30 000 Besucher zur nachhaltigen Anreise zu motivieren – also mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Um dafür noch ein wenig Werbung zu machen, hatten diverse Entscheidungsträger am Donnerstagvormittag quasi in die Mitte des Remstals eingeladen – konkret nach Lorch. Der dortige Bahnhof ist tatsächlich relativ problemlos beispielsweise mit dem Regionalexpress von Stuttgart aus in etwa einer halben Stunde erreichbar. Lorch liegt auch genau an der Grenze des Rems-Murr-Kreises zum Ostalbkreis und damit an der Geltungsbereichsgrenze der Verkehrsverbünde Ostalb-Mobil und des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS).
Auf Schusters Rappen geht es zum Kloster
Vom Bahnsteig aus marschierte die Gruppe, angeleitet von Michael Schack von der Albvereins-Ortsgruppe Lorch, bei prächtigem Sonnenschein durch gelegentlich Schatten spendenden Wald und an frisch geschorenen Schafen vorbei keine Viertelstunde hinauf zum Kloster – das nicht nur weithin sichtbar, sondern ebenso weithin bekannt ist. Neben dem prächtigen Rosengarten warben die Veranstalter dann zum einen für das Megaevent an sich – und appellierten außerdem an alle Anhänger von Schusters Rappen, zu den angebotenen mehr als 200 geführten Wandertouren eher nicht mit dem Auto anzureisen. Auf den prägnanten Nenner gebracht: Rein in die Bahn, raus in die Natur!
Nötig hierfür ist die Wandertagsplakette (Kostenpunkt 8,50 Euro), die auf den Namen Remsi getauft wurde und mit der alle Wanderer kostenfrei per öffentlichem Nahverkehr zu den jeweiligen Ausgangspunkten ihrer Touren gelangen können, wie Rems-Murr-Landrat Richard Sigel erläuterte. Dies gelte auch „für unser Riesennetz, das bis auf die Alb hochgeht“, ergänzte Ostalb-Mobil-Geschäftsführer Paul-Gerhard Maier.
S-Bahn-Stammstrecke ist gesperrt
Der Verkehrsverbund Stuttgart plant den Einsatz längerer Züge während der Wandertage auch am Wochenende ins Remstal. „Somit können zur Abschlussfeier und zum großen Festumzug am Sonntag, 7. August, alle gut mit dem ÖPNV nach Fellbach anreisen“, erläuterte der VVS-Marketingleiter Michael Terbeck. Allerdings gebe es, wie er einräumte, einen „Wermutstropfen“: Die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Stuttgart-Hauptbahnhof (tief) und Vaihingen ist in den Sommerferien wegen lang geplanter und groß angelegter Baustellen nicht befahrbar. „Somit halten an den Stationen Hauptbahnhof (tief), Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße, Universität und Österfeld keine S-Bahnen. Allerdings wird die Strecke zwischen Fellbach und Stuttgart Hauptbahnhof (oben) von der S 2 durchgehend bedient, während die S 3 nur zwischen Backnang und Stuttgart-Bad-Cannstatt verkehrt.“
Selbstverständlich werde hier ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, erläuterte Terbeck. Die Fahrgäste sollten sich jedoch auf eine etwas längere Fahrzeit und mehrere Umstiege einstellen.
Die Wanderführerin und Vizepräsidentin des Schwäbischen Albvereins, Regine Erb, wies beim Gespräch am Kloster Lorch auf die ausgeklügelte Planung der Wanderungen hin, um sie ÖPNV-kompatibel zu machen. „Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht und die Touren so konzipiert, dass die meisten der Startpunkte gut mit dem ÖPNV erreichbar sind“, sagte Erb. Alle Wanderführerinnen und Wanderführer seien geschult, um „mit den vielen kleinen Informationen am Wegesrand über Natur, Flora und Fauna“ bei Groß und Klein Verständnis für Natur- und Artenschutz zu wecken. Dies sei für den Schwäbischen Albverein ein besonders wichtiges Anliegen. Erb: „Wir sind ja nicht nur Wanderverein, sondern auch ein anerkannter Naturschutzverband.“
Informationen zum Programm, zu den Remsi-Plaketten und den geführten Wandertouren online unter www.dwt2022.de