Alpay Eser ist zum zweiten Mal deutscher U17-Meister im Freistil. Foto: Marius Gschwendtner

Alpay Eser verteidigt seinen Meistertitel erfolgreich. Nun geht es für den Ringer vom KSV Musberg um eine Zugabe: Schafft er es zur EM? An prominenter Unterstützung fehlt es nicht.

Die Ruhe, die Alpay Eser ausstrahlt, ist bemerkenswert. Denn der erst 16-Jährige steht vor den bisher wichtigsten Wochen seiner noch jungen Ringer-Karriere. Am vergangenen Wochenende verteidigte der Nachwuchsathlet des KSV Musberg seinen deutschen U-17-Meistertitel im Freistil-Superschwergewicht (bis 110 Kilogramm Körpergewicht) erfolgreich. „Ich hatte keine andere Wahl, als Erster zu werden, da ich als Favorit in das Turnier gegangen bin“, sagt Eser. Im nordischen Modus, bei dem jeder gegen jeden kämpft, setzte sich Eser in allen drei Duellen mit technischer Überlegenheit durch. „Diesmal war es nicht so schwer wie im Jahr zuvor. Damals hatte ich stärkere Gegner. Dieses Jahr war ich aus dem ältesten Jahrgang, deshalb war es relativ entspannt“, erzählt Eser mit einem Schmunzeln.

 

Nun steht er unter besonderer Beobachtung und vor einer ganz anderen Herausforderung. Vom 27. bis 29. März soll sich Eser auf Einladung des Nachwuchs-Bundestrainers Marcel Ewald bei den deutschen U-20-Meisterschaften in Hohenlimburg beweisen. Läuft es dort gut, könnte die Nominierung für die U-17-Europameisterschaft vom 11. bis 17. Mai im bulgarischen Samokov folgen. „Der Bundestrainer hat gesagt, ich muss nicht unbedingt gewinnen. Er will nur sehen, dass ich mutig bin und dass ich zeige, was ich drauf habe gegen Ältere“, sagt Eser.

Alpay Eser zeigt seine Lieblingsschuhe. Der Nachwuchs-Ringer sammelt gerne besondere Ringerschuhe. Foto: Marius Gschwendtner

Gedanken über eine mögliche EM-Teilnahme für Deutschland macht sich der junge Mann mit türkischen Wurzeln nur bedingt. Ins Träumen kommt er aber schon etwas: „Wenn ich daran denke, dass ich vielleicht sogar Europameister werde, dann fange ich schon an, mich zu freuen. Sehr zu freuen sogar. Vielleicht kommen mir dann ein paar Tränen. Man weiß ja nie“, sagt Eser.

Für diesen Traum hat Eser in den vergangenen Monaten und Jahren viel investiert. Bereits früh wechselte er von seinem Heimatverein SV Fellbach zu Yasar Demir ins Ringerteam Kornwestheim. Der Freistilexperte Demir ist ein ehemaliger Mannschaftskamerad von seinem Vater Halil Ibrahim Eser. Zudem erhält er prominente Unterstützung von seinem Patenonkel, dem ehemaligen Box-Weltmeister Firat Arslan. „Er wollte eigentlich auch zur deutschen Meisterschaft kommen, aber es hat leider nicht geklappt“, sagt Eser. Fast immer dabei ist aber sein Vater. Der ehemalige griechisch-römische Ringer vom damaligen Zweitligisten VfL Neckargartach hat stets ein wachsames Auge auf seinen Sohn und gibt ihm Tipps. „Es ist schon ein Vorteil. Ich bin schon etwas nervöser, wenn er dabei ist, aber ich kann auch viel von ihm lernen“, sagt Eser.

Alpay Eser bleibt beim KSV Musberg

Gelernt hat er auch einiges von Markus Scheibner. Der Landesstützpunkttrainer ist auch Esers Trainer in Musberg. Dort trat der Nachwuchsringer in der vergangenen Saison in der zweiten Männermannschaft des Filderclubs an und feierte den Aufstieg in die Landesliga – wo nach dem Rückzug des Regionalligateams nun in der kommenden Saison die „Erste“ des Vereins auf die Matte gehen wird, und zwar mit Eser. „Das ist für uns überlebenswichtig, dass wir die jungen Ringer halten konnten“, sagt Scheibner. Der Musberger Coach trainiert hauptsächlich den baden-württembergischen Nachwuchs im griechisch-römischen Stil. „Darin ist Alpay fast genauso gut. Ich würde sogar sagen, er würde in dem Stil auch deutscher Meister werden“, sagt Scheibner. Eser gefällt jedoch Freistil besser. „Da ist immer Action. Es ist immer was los“, sagt er.

Einmal im Monat wird der Realschüler außerdem freigestellt, um am Olympiastützpunkt in Freiburg zu trainieren. Dort gehen die jungen Sportler neben Ringen und Lernen auch zwei speziellen Leidenschaften nach: Trikottausch und Schuhe sammeln. Insbesondere Letzteres macht Eser Spaß. In seinem Zimmer hat er seine Lieblingspaare aufbewahrt. Einige von ihnen hat er sogar selbst designt. „Es gibt spezielle Ringerschuhe. Sie heißen Asics Tigers, und jeder will die haben, deshalb sind sie meistens schnell ausverkauft. Und wenn man die dann findet in seiner Größe, dann will man sie auch direkt kaufen“, erzählt Eser. Kostenpunkt: zwischen 200 und 1000 Euro. Das Geld dafür verdient er sich als Kellner im Café seines Vaters in der Stuttgarter Innenstadt.