Preisträger Barack Obama wird umrahmt von Medienpreis-Erfinder Karlheinz Kögel (links) und Altbundespräsident Joachim Gauck. Foto: dpa

Alljährlich gelingt es dem Unternehmer Karlheinz Kögel, eine Berühmtheit mit dem gar nicht so bedeutsamen Deutschen Medienpreis auszuzeichnen. Dieses Mal ließ sich der frühere US-Präsident Barack Obama in den Schwarzwald locken.

Baden-Baden - Wenn Barack Obama vom Kirchentag nach Baden-Baden einfliegt, ist das für die Klatschmedien ein Ereignis, als würde der Stellvertreter des Herrn vom Himmel herabsteigen. Zumal bei der Verleihung des Deutschen Medienpreises stets auch die Glanz-und-Gloria-Gesellschaft in großer Stärke zugegen ist: von Andrea Berg über Joachim Löw bis Wolfgang Porsche. 600 Gäste – unter ihnen auch Dutzende Schüler – sowie 180 Medienvertreter wollen an diesem Donnerstagabend im Kongresshaus letztlich aber nur einen sehen: den früheren US-Präsidenten.

Auch Joachim Gauck gehört noch liebend gerne zum Kreis der Erlauchten. Das frühere Staatsoberhaupt hält die Laudatio. „Es gibt nur wenige Politiker auf der Welt, die ihr Land so stark geprägt haben“, sagt der Altbundespräsident. „Sie sind kein weltfremder Idealist, lassen sich aber von Idealen leiten.“ Es ist ein Abend der schönen Menschen, der schönen Roben und der schönen Sätze.

„Ich wünschte, meine 18 und 16 Jahre alten Töchter wären hier“, scherzt Obama, bevor er die seltsame Keramikfigur aus der Staatlichen Majolika-Manufaktur in Karlsruhe entgegennimmt. „Die denken nicht, dass ihr Vater besonders wichtig ist.“ Danach würden sie ihm vielleicht besser zuhören. Nachdem aller Druck von ihm abgefallen ist, gibt sich Obama noch lockerer als zuvor.

Kögel hat ein perfektes Netzwerk geschaffen

Der zweite Hauptdarsteller des Abends ist Karlheinz Kögel: Der Begründer des Medienpreises nennt Obama „den begnadetsten politischen Kommunikator unserer Zeit“. Würde und Bescheidenheit seien mit ihm im Januar aus dem Weißen Haus ausgezogen. Da haben sich zwei nicht unbedingt gesucht, aber gefunden: die Lichtgestalt und der Unternehmer, der vom Lichte der Wichtigen gerne etwas auf sich abfallen lässt. Kögel hat in seinem Leben schon eine erstaunliche Kreativität bewiesen, um ausgerechnet aus dem müden Baden-Baden heraus im Reise- und Mediengeschäft zu Geld und Geltung zu kommen. Dabei hat der Erfinder der Last-Minute-Reisen sein Netzwerk in Vollendung verdichtet – auch mit Hilfe des Preises, dessen 25. Jubiläum diesmal gefeiert wird.

„Ich vermisse das Weiße Haus nicht“, schildert Obama später. Er müsse zwar herausfinden, wie die Kaffeemaschine funktioniert und sich in dem angemieteten Washingtoner Haus eine Ecke im Bad erobern, doch enge ihn das Amt nicht mehr permanent ein. Er vermisse auch die Zusammenarbeit mit Angela Merkel, sagt der bekannteste Wahlhelfer der Kanzlerin – nicht hingegen all die Gipfeltreffen. Auch für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der mit der halben Familie gekommen ist, findet Obama einige herzliche Worte.

„Wir hatten nie eine bessere Welt“

Die meiste Zeit seiner Rede verwendet er freilich darauf, seine Idee von der künftigen Welt zu skizzieren, ohne allerdings besonders konkret zu werden. Donald Trump erwähnt er mit keinem Wort, doch ist jedem klar, wer gemeint ist, wenn Obama sagt: „Demokratie funktioniert nur, wenn wir auf Vernunft und Logik setzen, nicht nur auf Leidenschaften.“ Die Zukunft werde nicht den starken Führern gehören, sondern den Prinzipien des Rechtsstaates und den individuellen Freiheiten. Zudem mahnt er – durchaus erstaunlich für einen Mann des Establishments – den Einfluss des Geldes auf die Politik zu reduzieren.

„Wir hatten nie eine bessere Welt“, ruft er vor allem den jungen Menschen im Publikum zu. Nie sei die Welt toleranter und weniger gewalttätig gewesen – auch wenn dies im Lichte des Terrorakts von Manchester etwa („ein Angriff auf den Geist der Demokratie“) gerade wenig plausibel erscheint.

Ein Preis, der von der exklusiven Preisträgerliste lebt

Der Medienpreis ist ein Unikum – inhaltlich hat er keinen besonderen Wert, sondern besteht seit 1992 neben den Bambis, Goldenen Kameras und ähnlichen Promiaufläufen aus Politik, Sport, Wirtschaft und Unterhaltung allein mit der exklusiven Liste seiner Preisträger. Diese werden von Kögel und diversen Medienmachern auf unerfindlichem Wege auserkoren – mitunter so, dass es in das Deutschland-Programm des Geehrten passt. So wie einst bei George Clooney. Oder wie jetzt bei Obama. Bei Bill Clinton hat es damals nicht gepasst, also hat sich Kögel ins Weiße Haus einladen lassen, um die Keramikfigur im Oval Office zu überreichen. Seither sind die beiden befreundet.

Vielleicht war Clintons damalige Auszeichnung ein weiterer Grund für Obama, von Berlin nach Baden-Baden zu fliegen. Zudem will Obama aus seinem Superstar-Dasein künftig noch Kapital für seine Stiftung schlagen. Der Medienpreis ist zwar undotiert, macht sich aber gut als Empfehlung für höchst lukrative Auftritte mit Honoraren einer Showgröße, die der frühere US-Präsident offenkundig in nächster Zeit plant.

Soulmusik für den Ex-Präsidenten

In den USA ist Obama auch das Symbol enttäuschter Hoffnungen. In seiner Zeit ist die Spaltung des Landes eher noch tiefer geworden. Dennoch genießt er in Deutschland weiterhin Kultstatus. „Uns fehlt Ihre Gestaltungskraft als Präsident“, trauert Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Geehrten hinterher. Er lobt dessen Wertschätzung für Europa sowie den Einsatz für den Klimaschutz. Am Ende singt Aloe Blacc für den Altpräsidenten, der den kalifornischen Soulmusiker vor einem Jahr noch auf seiner öffentlichen Playlist an Platz elf aufgeführt hatte. Fehlte nur noch, dass der Preisträger selbst singt, doch das wäre wohl zuviel des Guten.

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