Wird der Stuttgarter Fernsehturm, eine Ikone der Ingenieurkunst, von der Unesco als Weltkulturerbe geadelt? Foto: Max Kovalenko

Weltweit ist er der Erste seiner Art: Nach Informationen unserer Redaktion schlagen Land und Stadt den Stuttgarter Fernsehturm als Weltkulturerbe vor. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat dies am Freitag bestätigt.

Stuttgart - Stuttgart besitzt das Urmodell vieler Fernsehtürme weltweit. Am Freitag ist Stuttgarts Wahrzeichen 65 Jahre alt geworden. Wird die Ikone der Ingenieurkunst von der Unesco als Weltkulturerbe geadelt? Wie unsere Redaktion erfahren hat, ist der erste Schritt getan, damit die schlanke Betonnadel auf die Tentativliste der deutschen Nominierungen kommt. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hat auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt, dass sie in der kommenden Woche das Kabinett über die Einzelheiten informieren will.

 

Ihr Ziel sei es, dass der erste Stahlbetonfernsehturm der Welt mit Aussichtsplattform und Gastronomie als architektonisches Meisterwerk zum schützenswertes Kulturgut für kommende Generationen erklärt wird. „Wir werden ein überzeugendes Konzept für das anstehende nationale Vorauswahlverfahren erarbeiten“, sagte die Ministerin. Unterstützt werde sie dabei vom neuen Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) und vom SWR-Intendanten Kai Gniffke, die ebenfalls Feuer und Flamme für diese Idee seien.

OB Frank Nopper will die Idee tatkräftig unterstützen

Der Weg zum Weltkulturerbe ist lang. Anfang 2024 wird die bereits bestehende deutsche Vorschlagsliste für das Unesco-Welterbe fortgeschrieben. Baden-Württemberg darf zwei Nominierungsvorschläge in das von der Kultusministerkonferenz gesteuerte nationale Vorauswahlverfahren nennen. Als oberste Denkmalschutzbehörde des Landes obliegt es dem Wirtschaftsministerium, aussichtsreiche Kandidaten zu nennen. „Der Turm ist ein herausragendes technisches Kulturdenkmal der Kommunikation des 20. Jahrhunderts – eine Denkmalkategorie, die auf der Welterbeliste bisher unterrepräsentiert ist“, erklärt Nicole Hoffmeister-Kraut. Dies erhöhe, wie sie findet, „die Chancen für eine erfolgreiche Nominierung“. Die Konkurrenz ist freilich groß. Unter anderem beansprucht Bayern den deutschen Platz für die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee.

Die Idee für die Bewerbung ist im Ministerium entstanden. Der neue OB Frank Nopper (CDU) ist noch vor seinem Dienstbeginn im Stuttgarter Rathaus in den Plan eingeweiht worden. Am Freitag hat er erklärt, sich tatkräftig dafür einzusetzen, dass der Stolz der Schwaben in dem wohl mehrjährigen Bewerbungsgang diese hohe Ehre erhält. Sein Amtsvorgänger Fritz Kuhn (Grüne) musste zu Beginn seiner Amtszeit das Stuttgarter Wahrzeichen für die Verbesserung des Brandschutzes schließen – Nopper kann nun gleich zum Start im Stuttgarter Rathaus eine positive Fernsehturm-Nachricht landen. Ein Weltkulturerbe – in Deutschland sind 46 Natur- und Kulturstätten in der Unescoliste eingeschrieben – strahlt weit aus, lockt zusätzliche Touristen an und erhöht die Attraktion von Stuttgart weiter.

SWR-Intendant Kai Gniffke drückt „Stolz“ des Senders aus

Als am 5. Februar 1956 die exakt 216,6 Meter hohe Schöpfung des 1999 verstorbenen Bauingenieurs Fritz Leonhardt eröffnet worden ist, war zu lesen, da stehe eine „lange Bohnenstange mit Bienenkorb“. Aus dem Spott ist rasch große Liebe geworden.

„Dass der Fernsehturm als Weltkulturerbe vorgeschlagen wird, macht uns sehr stolz“, erklärt SWR-Intendant Kai Gniffke auf Anfrage unserer Redaktion. Der SWR, damals noch SDR, habe in den 1950ern die komplette Finanzierung übernommen. Als „bahnbrechendes Bauwerk“ sei der Fernsehturm Vorbild für Türme weltweit und verkörpere einen „bedeutenden Abschnitt in der deutschen Rundfunkgeschichte“ und den Pioniergeist von Baden-Württemberg.