Zuletzt begegneten sich Manuel Neuer (grünes Trikot) und Alexander Nübel im Bundesligaspiel Anfang Mai, als der VfB Stuttgart mit 3:1 gegen den FC Bayern gewann. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Auch der Torhüter des VfB Stuttgart gehört zum Kader für die Fußball-EM im Sommer. Das verändert seine Urlaubsplanung – aber nicht sein Verhältnis zum Keeper des FC Bayern München.

Alexander Nübel hat einen Blick riskiert – und spickte durch die Tür zum Medienraum beim VfB Stuttgart. Der Torwart wartete auf seinen Moment: Nominierung für die Fußball-Europameisterschaft. Vorher sollte er offiziell noch nichts verraten. Um 13 Uhr trat der Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstag dann in Berlin vor die Öffentlichkeit, um vorerst 27 Namen zu präsentieren – und fast zeitgleich äußerte sich Nübel im 650 Kilometer entfernten Bad Cannstatt zu seiner Berufung.

 

Völlig überrascht sei er gewesen von der Nachricht, sagt Nübel. Am Dienstagabend hatte er davon erfahren, dass er nach dem Ausfall von Bernd Leno (verletzt) mit Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen und Oliver Baumann das Torhüter-Quartett bei der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bildet. Und nachdem die erste Vorfreude verflogen war, stornierte der 27-Jährige seinen Urlaub. Statt Safari in Tansania heißt es jetzt nach der Bundesligasaison (am Samstag geht es noch gegen Borussia Mönchengladbach) ab dem 26. Mai erst einmal Trainingslager im Weimarer Land.

Alexander Nübels Rolle im DFB-Team

Den größeren Erlebniswert, als afrikanische Tiere in freier Wildbahn zu sehen, hat Nübel für sich beim Heimturnier (14. Juni bis 14. Juli) ausgemacht. „Ich will einen Megasommer erleben“, sagt der Schlussmann, dem der Bundestrainer eine „sehr stabile Saison“ attestiert. „Er verkörpert zudem alles, was wir auf der Torhüterposition brauchen, und ist außergewöhnlich gut mit dem Fuß“, sagt Nagelsmann, der ausführte, am Ende vier Torhüter dabeihaben zu wollen.

Nübels Rolle hinter den gesetzten Neuer (Nummer eins) und ter Stegen (Nummer zwei) ist damit klar. „Ich weiß mich unterzuordnen“, sagt der Stuttgarter, der während seiner Zeit beim FC Bayern ein Problem mit Neuer bekam. Allerdings nicht persönlich. „Wir verstehen uns gut“, sagt Nübel. Sportlich musste der ehrgeizige Ex-Schalker in München jedoch stets in Neuers Schatten bleiben – und kam dadurch an den Neckar.

Nun komplettiert der Keeper das weiß-rote Quintett beim DFB. Mit Maximilian Mittelstädt, Chris Führich, Deniz Undav und Waldemar Anton zählt er zu den glorreichen Fünf, die sich über eine exzellente Mannschaftsleistung in den Vordergrund gespielt haben. Noch nie waren die Stuttgarter mit so vielen deutschen Nationalspielern bei einem großen Turnier vertreten. Bei den Europameisterschaften 1984 (Guido Buchwald, Bernd Förster, Karlheinz Förster und Helmut Roleder) und 2004 (Timo Hildebrand, Andreas Hinkel, Kevin Kuranyi, Philipp Lahm) hatte es jeweils einen Viererblock gegeben. „Das ist eine tolle Auszeichnung für jeden einzelnen Spieler und gleichzeitig für den VfB“, sagt der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, „wir freuen uns sehr, mit so einer Anzahl an Spielern bei der Heim-EM vertreten zu sein, und drücken unseren Jungs sowie natürlich dem gesamten DFB-Team die Daumen für einen erfolgreichen Verlauf der EM.“

Die Ambitionen des Bundestrainers sind dabei ebenso groß wie die Lust der Spieler, vor eigenem Publikum eine neue Begeisterung auszulösen und an die zuletzt gezeigten Vorstellungen anzuknüpfen. Der EM-Titel darf es für Nagelsmann und die Nationalspieler schon sein. „Ich freue mich auf die Atmosphäre im DFB-Team. Jeder hat Bock auf die Heim-EM und möchte zusammen mit dem Land und den Fans eine Topleistung zeigen. Das ist das, worauf wir uns am meisten freuen“, sagt Waldemar Anton.

Waldemar Anton als Prototyp

Der Abwehrspieler steht dabei als Prototyp für jene Profis, die der Bundestrainer neben den Fußballkünstlern im Team haben will. Selbstbewusst genug nach einer starken Spielzeit, um die Herausforderer-Rolle mit maximalem Einsatz anzunehmen. Denn Anton will nicht nur hinter den Innenverteidigern Antonio Rüdiger und Jonathan Tah zuschauen. Er will sich trotz der gewachsenen Konkurrenz mit dem Dortmunder Nico Schlotterbeck Einsatzzeit erkämpfen – ohne das Teamgefüge zu gefährden.

Wie die anderen VfB-Feldspieler Mittelstädt, Führich und Undav. „Ich hoffe, dass ich in der Nationalmannschaft eine Tormaschine bleibe“, sagt Undav mit einem Schuss Lockerheit nach 18 Ligatreffern. Auch diese freche Herangehensweise mag der Bundestrainer am Joker. Sie soll die Stimmung in der DFB-Auswahl heben, um zum Erfolg zu kommen. Mit den Stuttgarter Himmelsstürmern fährt er da erst einmal gut.