Michael Liebrich hat mit der Floristik seinen Traumberuf gefunden. Foto: Ines Rudel

Michael Liebrich tritt am Wochenende in Berlin bei den Deutschen Meisterschaften der Floristen gegen die besten seiner Zunft an. Für den 29 Jahre alten Baden-Württembergischen Landesmeister ist die kreative Arbeit mit Blumen ein Traumberuf.

Weilheim - Am Freitag verwandeln sich die Potsdamer Platz Arkaden in Berlin in ein buntes Blumenmeer. Zwei Tage lang werden Spitzenfloristen aus ganz Deutschland ihr Können unter Beweis stellen und zeigen, wie floristische Handwerkskunst aussehen kann, wenn es um den Titel des Deutschen Meisters beziehungsweise der Meisterin geht. Unter ihnen wird auch Michael Liebrich aus Weilheim/Teck (Kreis Esslingen) sein. Für den 29 Jahre alten Baden-Württembergischen Landesmeister wird es vermutlich eine einmalige Teilnahme sein.

Lange hat er sich auf diesen Tag vorbereitet. Das erste Treffen mit allen Landesmeistern fand bereits Anfang Juni in Berlin statt. „Dort wurden uns die fünf Aufgaben gegeben“, sagt Liebrich. Vier Aufgaben sind bekannt, die fünfte wird vor Ort gestellt. Zeitgemäß lautet das diesjährige Thema „Be real“, so viel wie: sei echt. Während dem Laien die Aufgabenstellung vielleicht etwas abstrakt erscheinen mag, findet der Profi sie gut. „Ich finde das Thema cool“, sagt Liebrich, der mit der Floristik seinen Traumberuf gefunden hat.

Die Teilnahme bringt auch eine große finanzielle Investition mit sich

In immer digitaler werdenden Zeiten, wo jeder permanent online ist und in sozialen Netzwerken nur ein selbstoptimiertes Bild von sich und seiner Welt präsentiert, soll das Thema der Ausgangspunkt für eine spannende, kreative Auseinandersetzung durch die Floristen sein, denn Blumen und Pflanzen seien immer echt. So gilt es für die Floristen unter anderem eine florale Tischdekoration für ein gemeinsames Essen mit Freunden oder Familie zu gestalten oder einen Strauß, der die natürliche unvollkommene Schönheit der Blumen darstellt, zu kreieren.

Für die Teilnehmer bedeutet der Wettbewerb nicht nur eine lange Vorbereitungs- und Übungszeit, sondern auch eine große finanzielle Investition. Gerade für die umfangreicheren Aufgaben sind es nicht nur Blumen, die besorgt werden müssen, sondern auch passende Werkstücke und Objekte. „Zunächst lässt man Prototypen beim Schreiner herstellen. Bis Ende Juli braucht man dann die Werkstücke“, erklärt der Florist. Dann heißt es: üben, üben, üben. „Die letzten drei Wochen war ich gar nicht mehr in meinem Laden“, sagt Liebrich, der als amtierender Landesmeister ungefähr weiß, was auf ihn zukommt.

Geldpreise für den Meisterschaftstitel gibt es nicht

Nachdem er Blüten- und Farbauswahl getroffen hat, gilt es für den Floristen alle Pflanzen zu besorgen. Auch das fordere viel Zeit, weil man nicht alles einfach beim Großhändler bekomme. Je nach Seltenheit oder Exotik muss er Anbieter finden und am Ende dafür sorgen, dass alles ein bis zwei Tage vor der Meisterschaft da ist. Bewertet werden am Ende Komposition, Farbe, Idee und Technik. Die Jury wisse nicht, von wem das jeweilige Werk stamme, daher „ist die Bewertung sehr neutral“, sagt Liebrich. Es seien nur Nummern, keine Namen zu sehen.

Für den Floristenmeister ist die Deutsche Meisterschaft „ein immenser Aufwand“. Deshalb werde er es wohl kein weiteres Mal versuchen. Um sich zu qualifizieren, muss man zunächst Landesmeister werden. Geldpreise gibt es für den Meisterschaftstitel nicht. Die einzelnen Wettbewerbsaufgaben werden mit Sachgeschenken prämiert. Von dem Titel erhoffen sich die Teilnehmer Folgeaufträge und Bekanntheit in der Branche. Die Preisverleihung im Berliner Sony Center statt. „Das wird eine mega Veranstaltung“, freut sich Michael Liebrich schon jetzt.

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