Geht für Deutschland bei der EM auf Torejagd: Shenia Minewskaja von der TuS Metzingen Foto: Baumann

Mit Blick auf die Heim-WM 2017 wollen die deutschen Handballerinnen bei der am kommenden Sonntag beginnenden EM in Ungarn und Kroatien den Abstand zur Weltspitze verkürzen. Das Team von Bundestrainer Heine Jensen startet am 8. Dezember (18 Uhr/Sport 1) ins Turnier – und zählt zu den Geheimfavoriten.

Stuttgart - Mit Blick auf die Heim-WM 2017 wollen die deutschen Handballerinnen bei der am kommenden Sonntag beginnenden EM in Ungarn und Kroatien den Abstand zur Weltspitze verkürzen. Das Team von Bundestrainer Heine Jensen startet am 8. Dezember (18 Uhr/Sport  1) mit der Partie gegen die Niederlande ins Turnier.

Chancen des DHB-Teams

Welche Schlagzeile er denn gerne am Ende des Turniers über seine Auswahl lesen würde? Bernhard Bauer muss nicht lange überlegen: „Die Frauen verzaubern die Handballwelt und landen verdient auf dem Treppchen!“ Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) glaubt, dass die Mannschaft nach dem Erreichen des WM-Viertelfinales im vergangenen Jahr einen weiteren Schritt nach vorne machen kann. Offiziell wird das Ziel Medaille nicht ausgegeben. Doch insgeheim hofft das Team auf eine Platzierung unter den ersten Drei – und die Konkurrenz traut Deutschland sowieso den Sprung ins Halbfinale zu.

Stärken und Schwächen

Die Mannschaft ist eingespielt. Trotz der verletzungsbedingten Ausfälle von Linkshänderin Isabell Klein, Torhüterin Jana Krause und Linksaußen Natalie Augsburg stimmt die Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielerinnen. Das größte Problem besteht im rechten Rückraum. Ohne Linkshänderin waren die Angriffsbemühungen in den letzten Testspielen drucklos und ausrechenbar. Die Hoffnungen ruhen auf die Genesung von Susann Müller. Jensen nominierte die Torschützenkönigin der WM 2013 in seinen vorläufig 17-köpfigen EM-Kader. Obwohl die Linkshänderin vom ungarischen Topclub Györi Eto KC nach wie vor an den Folgen eines gebrochenen Ringfingers an der Wurfhand laboriert. Denkbar ist, dass Susann Müller erst in der Hauptrunde zum Einsatz kommt.

Spielerinnen aus Württemberg

Bundesligist TuS Metzingen ist dreimal vertreten – mit den Rückraumspielerinnen Shenia Minewskaja und Anna Loerper sowie Rechtsaußen Marlene Zapf. Vor allem die 1,83 m große Minewskaja spielt eine tragende Rolle in Jensens Konzept. Der Torschützenkönigin der vergangenen Bundesligasaison (239 Treffer) liegt der Handball im Blut: Ihre Mutter Svetlana wurde mit der Nationalmannschaft der UdSSR zweimal Weltmeisterin. Ihr Vater Andrej Minevski holte 1992 olympisches Gold. Als Shenia zwei Jahr alt war, siedelte sie mit ihren Eltern aus Weißrussland nach Deutschland um. Vor der Saison 2013/14 wechselte sie vom Thüringer HC nach Metzingen. Im erweiterten EM-Kader stehen Torhüterin Ann-Kathrin Giegerich (SG BBM Bietigheim) und Kreisläuferin Julia Behnke (TuS Metzingen). Noch eine aktuelle Nationalspielerin hat ihre Wurzeln im württembergischen Bad Urach: Rückraumspielerin Laura Steinbach, die es im vergangenen Oktober auch wegen ihrer Liason mit Füchse-Bundesligaprofi Iker Romero vom ungarischen Verein Ferencváros Budapest zu Erstligist Spreefüxxe Berlin zog.

Favoriten

Die Frage nach dem großen Favoriten stellte sich früher nicht. Von 2002 bis 2010 holte Norwegen viermal in Folge den EM-Titel. 2012 riss die Serie im Finale nach zweimaliger Verlängerung gegen Montenegro. Aktuell ist das Titelrennen offen wie nie. Norwegen steckt wie Frankreich und Russland im Umbruch. Titelverteidiger Montenegro und Dänemark rechnen sich gute Chancen aus. Als Außenseiter gehen Ungarn, Rumänien, Polen und das deutsche Team an den Start.

Qualifikation

Der diesjährige Europameister räumt nicht nur den Titel ab, er löst auch das erste direkte Ticket für die Olympischen Spiele 2016 in Rio und sichert sich die direkte Qualifikation für die WM 2015 in Dänemark. Die Teams auf den Plätzen zwei bis sechs können auf die Teilnahme an den Olympia-Qualifikationsturnieren hoffen.

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