Christian Sewing hat einen harten Sparkurs eingeleitet. Foto: AP

Dien Finanzwelt schaut gebannt auf Frankfurt: Dort stellt sich heute der neue Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, den Aktionären. Ärger ist programmiert, Fingerspitzengefühl gefragt, meint Wirtschaftsredakteur Klaus Dieter Oehler.

Frankfurt - Die Reaktion kommt spät, aber sie kommt, immerhin. Als John Cryan die nicht erfolgreiche Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei der Deutschen Bank ablöste, versprach er die Umsetzung des von dem Duo schon Jahre vorher angekündigten „Kulturwandels“. Passiert ist aber auch unter Cryan relativ wenig. Nach wie vor schwankte die größte deutsche Bank zwischen dem Wunsch, mit den ganz Großen der Branche weltweit mitmischen zu können, und der Realität, die gerade deutschen Kredit­instituten gewisse Grenzen vorgibt.

Christian Sewing nun, der quasi über Nacht, aber dennoch mit viel Erfahrung innerhalb der Bank, vor knapp vier Wochen zum neuen Chef auserkoren wurde, will diesen Knoten lösen. Sewing kommt nicht aus dem Investmentbanking, seine Stärken liegen im Privatkunden- und Firmengeschäft, dem klassischen Bankgeschäft also. Und auf diese Stärken will er nun bauen, da letztlich immer deutlicher wird, dass die Deutsche Bank zwar weltweit durchaus auch im Investmentbanking beachtet wird, der Ertrag daraus aber weit hinter dem der Konkurrenz hinterherhinkt.

Drei Jahre mit Verlust, sinkende Aktienkurse – das gefällt den Anteilseignern nicht

Bei den Aktionären, die sich am Donnerstag zur Hauptversammlung in Frankfurt treffen, wird dieser Strategiewandel vermutlich auf Zustimmung treffen. Drei Jahre mit Verlust, sinkende Aktienkurse – das gefällt den Anteilseignern nicht. Bei den Mitarbeitern dagegen wird der rigide Sparkurs des neuen Chefs weniger Beifall finden. Noch ist nicht absehbar, in welchem Umfang der Umbau der Bank Stellen kosten wird und ob sich der Abbau wirklich hauptsächlich auf das Ausland beschränken wird.

Noch wichtiger aber wird sein, welche Vision Sewing auf der Hauptversammlung präsentieren wird. Deutschland, als größte Wirtschaftskraft in Europa, braucht durchaus eine international starke Bank. Zu deutlich darf der Rückzug daher nicht ausfallen.

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