Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain. Das Geldhaus will bis 2017 in Deutschland 200 Filialen schließen Foto: dpa

Viele Bankkunden gehen immer seltener in die Filiale. Jetzt zieht die deutsche Bank die Konsequenz: Sie streicht ihr Filialnetz radikal zusammen. Damit ist sie nicht allein, wie ein Überblick der Stuttgarter Nachrichten zeigt.

Stuttgart - Die deutsche Bank verschärft ihren Sparkurs: Sie dünnt ihr Filialnetz deutlich aus und gibt wie erwartet die Postbank auf. Bis 2017 sollen bis zu 200 der rund 750 eigenen Filialen schließen. Wie viele Stellen dadurch verloren gehen, lässt die Bank noch offen. Ihren Anteil an der Postbank will sie bis Ende 2016 auf unter 50 Prozent reduzieren. Für Postbank-Kunden ändere sich „gar nichts“, so ein Sprecher.

Eine Recherche der Stuttgarter Nachrichten zeigt: Alle Banken und Sparkassen stellen ihr Filialnetz auf den Prüfstand. Am radikalsten treibt die Hypovereinsbank den Umbau voran. Sie schließt 240 ihrer bundesweit 580 Filialen. Auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken geben seit Jahren Filialstandorte auf.

"Einen Kahlschlag wie bei den Privatbanken wird es nicht geben"

Sie dünnen ihr Filialnetz jedoch weit weniger aus als die großen Privatbanken. Genossenschaftsbanken und Sparkassen wollen weiterhin flächendeckend präsent bleiben. „Einen Kahlschlag wie bei den Privatbanken wird es bei unseren Banken nicht geben,“ sagt Roman Glaser, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands, den Stuttgarter Nachrichten.

Als Grund für die Schließung von Filialen wird von den Kreditinstituten unisono das geänderte Kundenverhalten angeführt. Immer seltener gehen Kunden in die Filiale, immer mehr nutzen Onlinebanking.

Seit der Finanzkrise stöhnen die Institute unter Zusatzbelastungen wie dem Beratungsprotokoll, die ihnen der Gesetzgeber auferlegt. Die seit Langem niedrigen Zinsen drücken immer stärker auf die Ergebnisse der Banken. Der beinharte Wettbewerb lässt Preiserhöhungen kaum zu. Deutschland ist over­banked – hat zu viele Banken, sagt Wirtschaftsforscher Marcel Fratzscher.

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