Das Spitzenduo der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen (links) und John Cryan. Foto: dpa

Seit dem Amtsantritt des neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan im vergangenen Sommer haben die Papiere von Deutschlands größtem Geldhaus 40 Prozent eingebüßt.

Frankfurt - 18,45 Euro: Für so wenig Geld war die Aktie der Deutschen Bank am Montag zeitweise zu haben. Rund 17 Prozent hat das Papier seit Jahresanfang verloren. Und mehr als 40 Prozent seit Juli vergangenen Jahres, als John Cryan an die Spitze des Geldhauses berufen worden war und neue Hoffnung aufkeimte, dass das Institut endlich einen Weg aus dem Tief herausfinden würde. Gut ein halbes Jahr danach ist die Euphorie verflogen. Lediglich aus Kreisen der Finanzaufsicht Bafin ist zu hören, dass sich die Bank seit Cryans Amtsantritt bei der Aufarbeitung der Skandale endlich kooperativ verhalte.

„Die machen jetzt das, was wir von der Bank schon immer verlangt haben“, lobt ein hochrangiger Bankenaufseher das Institut. Aber das ist auch fast die einzige positive Nachricht, die derzeit rund um das größte deutsche Geldhaus zu vernehmen ist. Ob Cryan und sein Noch-Co-Chef Jürgen Fitschen bei der Jahres-Pressekonferenz am 28. Januar in der Zentrale an der Frankfurter Taunusanlage weitere positive Nachrichten verkünden, ist zweifelhaft.

Immerhin hat es Cyran Ende vergangenen Jahres geschafft, die knapp 20-prozentige Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank für einen ansehnlichen Preis von rund 3,5 Milliarden Euro zu verkaufen. Dagegen hapert es offenbar mit dem für 2016 geplanten Börsengang der Postbank oder alternativ auch einem Verkauf. Analysten zufolge wird Cryan in der nächsten Woche einen Nettoverlust von rund fünf Milliarden Euro verkünden. Die Dividende wird ausfallen.

Die Rechtsstreitigkeiten der Bank sind eine endlose Geschichte

Auch 2016 wird für die Deutsche Bank extrem schwierig. Allein schon wegen der ungelösten Rechtsstreitigkeiten. Jetzt soll die Bank auch im elektronischen Devisenhandel eine betrügerische Software eingesetzt und sich damit auf Kosten von Kunden Gewinne gesichert haben. Eine US-Kanzlei will noch im ersten Halbjahr auf Schadenersatz klagen. Und dies nicht nur im Auftrag von Pensionsfonds, Konzernen und anderen Banken, sondern angeblich auch im Namen von Notenbanken. „Wir weisen die Vorwürfe zurück und werden uns dagegen vor Gericht zur Wehr setzen“, empört sich Bank-Sprecher Armin Niedermeier. Die Bank hält die Vorhaltungen für absurd. Freilich: In den USA wurden andere Großbanken im Devisenhandel bereits zu Geldbußen verdonnert.

Deutsche Bank und Rechtsstreitigkeiten – das scheint eine schier endlose Geschichte zu sein. In München zieht sich das Verfahren um angeblichen Prozessbetrug im Streit mit dem Medienunternehmen Kirch in die ­Länge. Fitschen und die Ex-Bank-Chefs ­Josef Ackermann und Rolf Breuer werden vermutlich noch monatelang Woche für ­Woche vor Gericht erscheinen müssen. ­Dabei steht in Frankfurt das nächste Verfahren gegen acht zwar suspendierte, aber noch nicht entlassene Mitarbeiter an. Einer ist mittlerweile im Ruhestand. Mitte Februar beginnt der Prozess um Umsatzsteuer-Betrügereien im Handel mit Klimaschutz-Zertifikaten. 220 Millionen Euro an Steuern sollen hinterzogen worden sein. Die Bank hat das Geld an den Fiskus zurückerstattet.

Ex-Händler muss sich wegen Zinsmanipulation vor Gericht verantworten

Ein weiteres Verfahren beginnt in London, wenn auch erst im September 2017. Dann muss Christian Bittar, Ex-Händler der Deutschen Bank, vor Gericht erscheinen – wegen des Vorwurfs, den Interbankenzins Euribor manipuliert zu haben. Der Franzose hatte 2009 für Schlagzeilen gesorgt, weil er mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Bank kassiert hatte. Der Deutschen Bank selbst dürften aus dem ­Verfahren keine Folgen drohen, zumal sie in den USA und in Europa in den vergangenen Jahren wegen der Zinsmanipulationen schon Strafen in Höhe insgesamt mehr als drei Milliarden Euro gezahlt hat.

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